Weiter in der Investitionsstarre

BDA Newsletter 11/26 | Gastkommentar | 28. Mai 2026
Von Prof. Dr. Michael Grömling, Leiter Forschungsgruppe Makroökonomie und Konjunktur, Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Weiter in der Investitionsstarre
Mit dem Krieg im Nahen Osten sieht sich die gesamte Weltwirtschaft mit schwer kalkulierbaren Belastungen konfrontiert.
Die Blockade der für die globale Versorgung mit Energie und teils verarbeiteten Gütern wichtigen Straße von Hormus schafft erneute Versorgungsrisiken kombiniert mit Preisschocks auf der Produktions- und Konsumebene. Lieferketten und Produktionsmöglichkeiten sind weltweit betroffen. All dies wird Weltwirtschaft und Welthandel abschwächen sowie die Inflation rund um den Globus erhöhen. Die Auswirkungen hängen von der Dauer des politischen Konfliktes und den ökonomischen Störungen ab. Im Übrigen belasten nach wie vor die Unberechenbarkeiten der US-Außenwirtschaftspolitik und vielfältige geoökonomische Verwerfungen.
Für Deutschland mit seiner hohen Weltoffenheit durch Exporte und Lieferverflechtungen wiegen diese Schocks besonders schwer.
Die bereits eingetretenen Beeinträchtigungen durch den Nahost-Krieg, vor allem die für das gesamte Jahr erwarteten Liefer- und Produktionsstörungen lassen die deutsche Volkswirtschaft weiterhin kaum von der Stelle kommen. Das voraussichtlich magere Wachstum von 0,4 Prozent in 2026 ergibt sich vorwiegend aus den expandierenden Staatsausgaben. Dagegen bleibt das angeschlagene deutsche Exportgeschäft rückläufig. Bei einer Inflationsrate von gut 3 Prozent stagniert der private Konsum. Die privaten Investitionen verharren in der Schockstarre.
Die über die letzten Jahre aufgewachsene massive Investitionslücke klafft weiter auf – mit langwierigen Folgen für unser Produktionspotenzial.
Umso wichtiger sind ein klarer wirtschaftspolitischer Kurswechsel: Planungssicherheit in der Wirtschafts- und Sozialpolitik, wettbewerbsfähige Kostenstrukturen, spürbare Entlastungen bei Bürokratie sowie gezielte Investitionsanreize.





