Arbeitsschutz und betriebliche Gesundheitsförderung
Arbeit ist nicht nur existenzsichernd, sie ist auch sinnstiftend, macht zufrieden und sorgt für soziale Anerkennung. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber möchten, dass ihre Beschäftigten auch bis ins Rentenalter gesundheitlich fit, leistungsfähig und leistungsbereit sind – und investieren daher viel in die Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten.

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Es gibt immer weniger Arbeitsunfälle
Arbeit wird immer sicherer. Der Arbeitsschutz in Deutschland bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau. Moderne und erfolgreiche Unternehmen investieren in sichere Arbeitsplätze, gesunde Beschäftigte und wirksame Präventionskultur. Die Zahl der Arbeitsunfälle ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken. Die Zahl der meldepflichtigen und tödlichen Arbeitsunfälle bewegt sich auf einem historischen Tiefststand (DGUV, 2025). Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei den Arbeitsunfällen (Eurostat, 202023) und tödlichen Arbeitsunfällen deutlich unter dem EU-Durchschnitt (Eurostat, 2023).
Die Zahl der Beschäftigten, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, ist seit 1995 um 42 % zurückgegangen (Deutsche Rentenversicherung Bund, Rentenversicherung in Zeitreihen, 2024). Der Krankenstand der gesetzlich Versicherten bewegte sich im Jahr 2024 mit durchschnittlich 5,5 % (Statista, 2025) wieder auf einem niedrigeren Niveau als im Vorjahr (6,1 %). Der in den Jahren 2021 bis 2023 leicht angestiegene Krankenstand kann u. a. auf eine verbesserte Datenlage und lückenlose Erfassung des Krankenstands durch die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) zurückgeführt werden. Die Investitionen in Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz durch die Arbeitgeber, die gesetzliche Unfallversicherung und die Krankenkassen haben sich also gelohnt und den Stand von Fehlzeiten durch Arbeitsunfälle kräftig gesenkt.
Arbeitsschutz ist Pflicht, betriebliche Gesundheitsförderung die Kür
Die Gefährdungsbeurteilung ist für alle Unternehmen das grundlegende Instrument im Arbeitsschutz. Der Schwerpunkt liegt darauf, erforderliche Arbeitsschutzmaßnahmen zu ermitteln. In einer repräsentativen Befragung der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie sind in den letzten 10 Jahren deutliche Fortschritte im Arbeitsschutz und bei der Gefährdungsbeurteilung festgestellt worden, speziell in Klein- und Kleinstbetrieben mit weniger als 50 Beschäftigten und zum Thema psychische Belastungen (NAK/BAuA, 2025).
Arbeitsschutzmaßnahmen schließen Maßnahmen der Arbeitsgestaltung ein. Und auch hier sind Unternehmen nachweislich sehr engagiert: Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass in Deutschland mehr als die Hälfte (62 %) der Beschäftigten von ihren Unternehmen zu belastenden Aspekten ihrer Arbeit befragt werden. In anderen Ländern ist diese Praxis weit weniger verbreitet (z. B. liegt der Wert in der Tschechischen Republik bei nur 26 %) (OSH Pulse – Flash Eurobarometer Report, 2022).
Kleinst- und Kleinbetriebe haben zum Teil Probleme bei der Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung. Um hier Unterstützung zu schaffen, bedarf es passender Handlungshilfen, die branchenspezifisch alle wesentlichen Informationen zum Arbeitsschutz beinhalten. Die BDA fordert Vereinfachungen beim oft komplexen Prozess und der Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung insbesondere für Klein- und Kleinstbetriebe, um die Akzeptanz der Gefährdungsbeurteilung und des Arbeitsschutzes bei Arbeitgebern und Beschäftigten zu erhöhen. Das würde Bürokratie abbauen und Arbeitsschutz aufbauen.
24 konkrete Vorschläge der BDA zum Bürokratieabbau im Arbeitsschutz finden sich im BDA-Forderungskatalog „Weniger Bürokratie, besserer Arbeitsschutz“ (zu finden rechts unter „PDFs & Links zum Thema“).
Wenn der Arbeitsschutz die Pflicht ist, dann ist die betriebliche Gesundheitsförderung die Kür, an der sich eine Vielzahl von Unternehmen freiwillig mit unterschiedlichen Maßnahmen beteiligt. Laut Präventionsbericht des GKV-Spitzenverbands 2025 wurden im Jahr 2024 über 28.000 Betriebe mit BGF-Angeboten erreicht. Auch 72 % der Betriebsräte sagen, dass ihre Betriebe den Beschäftigten Maßnahmen im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) anbieten (Ahlers/Villalobos (2023), Ergebnisse der WSI-Betriebs- und Personalrätebefragung 2021). Im Jahr 2024 wurden in Deutschland insgesamt 21,8 Mrd. € für Prävention und Gesundheitsschutz aufgewendet. Betriebe leisten hierzu einen erheblichen Beitrag, insbesondere durch Investitionen in Arbeitsschutz und betriebliche Gesundheitsförderung. Auch die Arbeitgeberverbände unterstützen diese Bemühungen. Die BDA hat ihre Positionen zur Weiterentwicklung der BGF in einem Positionspapier zusammengefasst.
Mehr Eigenverantwortung für Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit
Flexible Arbeitszeiten, mobiles Arbeiten und digitale Arbeitsformen eröffnen Beschäftigten neue Handlungsspielräume. Sie können ihre Arbeit heute vielfach selbstbestimmter gestalten und Beruf und Privatleben besser miteinander vereinbaren. Mit diesen zusätzlichen Freiheiten wächst zugleich die Verantwortung, die eigene Arbeit gesund und sicher zu gestalten.
Dafür benötigen Beschäftigte Gesundheitskompetenz. Sie umfasst die Fähigkeit, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und im Alltag anzuwenden. Im Arbeitsleben bedeutet dies beispielsweise, negative Belastungen frühzeitig zu erkennen, (betriebliche) Gesundheitsangebote einzuordnen und gesundheitsförderliche Entscheidungen für den eigenen Arbeitsalltag zu treffen. Gesundheitskompetenz ist damit eine wichtige Voraussetzung für eigenverantwortliches Handeln. Arbeitgeber schaffen sichere und gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen und stellen die notwendigen Arbeitsmittel bereit. Beschäftigte sind gefordert, die bestehenden Handlungsspielräume verantwortungsvoll zu nutzen und aktiv zum Schutz ihrer Gesundheit und Sicherheit beizutragen. Umso wichtiger ist es, die Gesundheitskompetenz der Menschen zu stärken. Denn aktuelle Studien zeigen, dass hier weiterhin erheblicher Handlungsbedarf besteht. Laut einer Studie der Technischen Universität München (2024) verfügen 75,8 % der Erwachsenen in Deutschland über eine unzureichende Gesundheitskompetenz. Die Stärkung der Gesundheitskompetenz ist deshalb eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie sollte möglichst früh beginnen, etwa in Schule und Ausbildung, und durch verständliche, qualitätsgesicherte Gesundheitsinformationen in allen Lebensphasen unterstützt werden. Unternehmen können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Entscheidend ist jedoch das Zusammenspiel von förderlichen Rahmenbedingungen, guter Information und der aktiven Mitwirkung jeder und jedes Einzelnen.
Arbeitsschutz der Zukunft: Was die Unternehmen künftig wirklich brauchen
Der Arbeitsschutz in Deutschland muss sich wandeln: Bürokratierückbau, Digitalisierung und Flexibilisierung sind zentrale Hebel für eine moderne Sicherheitskultur. Unternehmen benötigen weniger Vorschriften, mehr Vertrauen und praxisnahe Regelwerke – insbesondere für kleine Betriebe. Flexible Arbeitsformen wie Homeoffice und variable Arbeitszeiten erfordern Eigenverantwortung und gegenseitiges Vertrauen. Künstliche Intelligenz bietet Chancen für effizienteren Arbeitsschutz, muss aber klar reguliert werden. Extremwetter als Folge des Klimawandels bringt stellenweise erheblich gesteigerte Schadenspotenziale, die aber durch angepasste Gefährdungsbeurteilungen adäquat ermittelt werden können. Ergänzend gewinnt die betriebliche Gesundheitsförderung an Bedeutung, insbesondere durch die Stärkung individueller Gesundheitskompetenz. Für zukunftsfähige Unternehmen ist ein ganzheitlicher, entbürokratisierter und präventiver Arbeitsschutz essenziell.
Die besten Ideen zum Arbeitsschutz und die Kreativen Köpfe dahinter werden regelmäßig ausgezeichnet beim Deutschen Arbeitsschutzpreis. Eine Bewerbung ist hier möglich: www.deutscher-arbeitsschutzpreis.de









