Ausbildungsmarkt: Bewerberinnen und Bewerber dringend gesucht

 

Die Betriebe wollen ihre Verantwortung zur Sicherung ihrer Zunftsfähigkeit durch Ausbildung auch im Corona-Jahr wahrnehmen. Es liegt deshalb in ihrem ureigenen Interesse, alles zu tun, um den notwendigen Nachwuchs an Fachkräften zu gewinnen. Jedes Unternehmen muss sich bewusst sein: Je besser wir jetzt unsere künftigen Fachkräfte ausbilden, desto schneller werden wir auch aus der Krise kommen. Und jeder Jahrgang wird gebraucht!

Ingo Kramer, Präsident der BDA

Das Ausbildungsengagement der Unternehmen bleibt trotz Krise auf hohem Niveau. 2020 überstieg die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze zum elften Mal in Folge die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber, die bei den Agenturen für Arbeit und Jobcentern als unversorgt gemeldet waren. Um den Weg aus der Krise heraus zu meistern, benötigen die Unternehmen junge Auszubildende dringender als je zuvor.
Unternehmen bilden trotz Krise weiter aus
Im Beratungsjahr 2019/20 waren bei den gemeldeten Ausbildungsstellen (-7,3%) und bei den gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern (-7,6%) spürbare Rückgänge zu verzeichnen, die teils auf die Corona-Krise, teils auf den Strukturwandel und teils auf demographische Faktoren zurückzuführen sind. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen überstieg die der Bewerberinnen und Bewerber, deren Chancen damit ebenso gut waren wie im Vorjahr. Für jeden Bewerber stehen zwei offenen Stellen zur Verfügung. Das Matching erfolgte pandemiebedingt verzögert, seit Juli konnte der Rückstand teilweise aufgeholt werden. Jedoch waren Ende September 2020 im Vergleich zum Vorjahr noch mehr Ausbildungsplätze unbesetzt und mehr Bewerber unversorgt. Die Nachvermittlung durch die BA muss in den kommenden Monaten mit aller Kraft fortgesetzt werden.
 
BDA engagiert sich in der Allianz für Aus- und Weiterbildung
Im August 2019 haben Bundesregierung, Wirtschaft, Gewerkschaften und Länder die „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ für die Jahre 2019–2021 abgeschlossen und damit die vorherige Ausbildungsallianz (2015–2018) mit neuen Akzenten weiterentwickelt. Der Fokus ist darauf ausgerichtet, die hohe und zuletzt jährlich weiter steigende Zahl gemeldeter betrieblicher Ausbildungsplätze zu besetzen, die berufliche Bildung als Rückgrat der Fachkräftesicherung und gleichwertige Alternative zur akademischen Bildung zu stärken und die Möglichkeiten der Unterstützung von Ausbildung weiter zu entwickeln und publik zu machen.
 
Die BDA hat sich ebenfalls gemeinsam mit den anderen Allianz-Partnern dafür ausgesprochen, die duale Berufsausbildung auch in Zeiten von Corona verlässlich fortzuführen. In einer gemeinsamen Erklärung haben die Allianz-Partner gemeinsame Anstrengungen vereinbart, um Ausbildungsbetriebe und Auszubildende in der Krise sachgerecht und zielgenau zu unterstützen. Zu den vereinbarten Maßnahmen gehören unter anderem die Sicherstellung der verschobenen Abschlussprüfungen, ein verstärktes Angebot digitaler Berufsorientierung für Schulabsolventen ab Herbst 2020 sowie die Unterstützung der Betriebe beim digitalen Recruiting von Auszubildenden durch Kammern und Verbände.
 
Ausbildung in der Krise zielgenau unterstützen
Mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ wird die Ausbildungsleistung der kleineren Unternehmen in der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Situation anerkannt. Das Festhalten an Ausbildung, auch in Krisenzeiten, liegt jedoch in der Verantwortung und im ur-eigenen Interesse der Betriebe. Das Förderprogramm kann deshalb nur einen zusätzlichen Anreiz zur Ausbildung setzen und aktuelle Notlagen auffangen. Die erste Förderlinie des Programms ist nur zögerlich angelaufen. Damit es die gewünschte Wirkung erzielt, muss es unter anderem für Betriebe aller Größenklassen bis 500 Beschäftigte geöffnet werden und die Ausbildungsprämie/Ausbildungsprämie Plus muss bei gleicher/erhöhter Ausbildung im Vergleich zum Vorjahr statt im Durchschnitt der letzten drei Jahre gewährt werden. Außerdem ist es notwendig, nicht nur Azubis, sondern auch Ausbilder zu bezuschussen, wenn Betriebe beide von der Kurzarbeit ausnehmen. Grundsätzlich muss für das gesamte Programm die Laufzeit auf das Ausbildungsjahr 2021/22 verlängert werden. Auch die Höhe der für Auftrags- und Verbundausbildung mit 4.000 € niedrig angesetzten Prämie muss angepasst und die für diesen Ausbildungsabschnitt angesetzte Dauer von mindestens 6 Monaten deutlich flexibilisiert werden.


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