Frühkindliche Bildung qualitativ ausbauen

Erfolgreiche Bildungssysteme setzen auf die frühe Förderung der Kinder. Die systematische frühe Bildung ist der Hebel für die weitere Bildungsbiografie der Kinder und damit für mehr Chancen- und Bildungsgerechtigkeit. Dafür ist ein qualitativer Ausbau der frühen Kindertagesbetreuung mit Bildungsstandards, qualifiziertem Personal und gutem Betreuungsschlüssel notwendig.

Basis für Bildungsbiografie und Bildungsgerechtigkeit
Internationale empirische Studien zeigen immer wieder, dass die Qualität des gesamten Bildungssystems entscheidend von der Qualität der frühkindlichen Bildung abhängt. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder bereits vor Schulbeginn Bildung erfahren, gezielt lernen und systematische Förderung erfahren. Erst ein qualitativer Ausbau der frühkindlichen Bildung kann zudem die Chancen- und Bildungsgerechtigkeit erhöhen, die in Deutschland eine besondere Herausforderung darstellt. Die Sozialpartner BDA und DGB begrüßen daher eine dauerhafte Beteiligung des Bundes am quantitativen und qualitativen Kita-Ausbau.
 
Erste Stufe des Bildungssystems
Die Kindertageseinrichtung ist die erste Stufe des Bildungssystems und muss als solche qualitativ weiter ausgebaut werden . Das kindgerechte, entdeckende Lernen gelingt nicht ohne Zutun, sondern braucht systematische und gezielte Anreize. Bundesweite inhaltliche Qualitätsstandards für die frühe Bildung sollten formulieren, welche Kompetenzen den Kindern zu vermitteln sind, und flächendeckend umgesetzt werden.
 
Im Mittelpunkt muss die Stärkung der Grundkompetenzen aller Kinder stehen: Wirksame Sprachförderung ist dabei ebenso wichtig wie der erste Umgang mit Zahlen, Relationen und Naturphänomenen, die Entwicklung der Grob- und Feinmotorik durch sportliche Aktivitäten sowie die Beschäftigung mit Musik und Kunst zur Förderung der Kreativität. Auch digitale Medien können bereits in der Kita didaktisch sinnvoll eingesetzt werden.
 
Start mit Sprachförderung
Sprache ist die Basis für die weitere Bildungsbiografie. Mehr als 20 Prozent der 3- bis unter 6-jährigen Kinder kommen erst in der Kindertageseinrichtung umfassend mit Deutsch in Berührung. Nach Elternangaben wird bei etwa jedem fünften Kind vor Schulbeginn ein Sprachförderbedarf festgestellt. Eine verzögerte Sprachentwicklung wurde auch bei 22 Prozent der Kinder erhoben, die zu Hause überwiegend Deutsch sprechen. Insbesondere Kinder aus Migrantenfamilien und von bildungsfernen Eltern besuchen allerdings zu selten oder zu spät eine Kindertageseinrichtung. Sie müssen mehr als bisher für die Teilnahme an früher Bildung gewonnen und umgekehrt die Angebote für sie gezielt ausgeweitet werden. Eine gelingende Sprachförderung muss zudem die Eltern und Familien einbeziehen, um nachhaltig zu sein. Die Beobachtung und Diagnostik der Kinder und die darauf folgenden Fördermaßnahmen sind in einem Portfolio zu dokumentieren, das in der Grundschule fortgeführt wird.
 
Frühpädagogische Fachkräfte
Der Ausbau der Kindertagesbetreuung zur Bildungseinrichtung erfordert eine entsprechende Ausbildung des Personals. Dazu gehören ein wissenschaftlich fundiertes praxisnahes Hochschulstudium für die Leitungsfunktionen und eine hochwertige anschlussfähige fachschulische Ausbildung für die Fachkräfte. Sprach- und MINT-Förderung müssen Bestandteil der Qualifizierung sein. Ein guter Betreuungsschlüssel ist unabdingbar für die Qualitätsentwicklung wie für die individuelle Förderung jedes Kindes.
 
Um ausreichend Fachkräfte zu gewinnen, sollte Schulgeld, wo es noch erhoben wird, endgültig abgeschafft und die praxisintegrierende Ausbildung deutlich ausgebaut werden; sie ist insbesondere beim Quereinstieg in den Beruf attraktiv. Ebenso wichtig sind qualitativ gute Fort- und Weiterbildungsangebote sowie Möglichkeiten zum professionellen Erfahrungsaustausch für die Fachkräfte.


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