Stärkung der Verteidigungsfähigkeit

 

Sicherheit und wirtschaftliche Stärke sind keine Gegensätze,
sondern bedingen einander.

Dr. Rainer Dulger, Arbeitgeberpräsident

 

Die sicherheitspolitische Lage Europas hat sich grundlegend verändert. Die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands ist daher eine zentrale staatliche Aufgabe – und zugleich eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Für die Arbeitgeber ist klar: Sicherheit und wirtschaftliche Stärke gehören untrennbar zusammen. Nur eine leistungsfähige Wirtschaft schafft die Grundlage für eine resiliente Gesellschaft und eine verlässliche Verteidigung.

Die Unternehmen in Deutschland stehen zur sicherheitspolitischen Zeitenwende und sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig ist entscheidend, dass die politischen Rahmenbedingungen so ausgestaltet werden, dass Verteidigungsfähigkeit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gemeinsam gestärkt werden können.

Arbeitsmarkt und Verteidigungsfähigkeit zusammendenken

Die Bundeswehr wird in den kommenden Jahren deutlich mehr Personal benötigen, während gleichzeitig das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland sinkt. Vor diesem Hintergrund ist es entscheidend, die vorhandenen Arbeitsmarktpotenziale umfassend zu nutzen und die Fachkräftegewinnung insgesamt zu stärken. Eine moderne Arbeitsmarktpolitik muss darauf ausgerichtet sein, mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen, Erwerbsumfänge zu erhöhen und Qualifikationen gezielt weiterzuentwickeln. Gleichzeitig bedarf es verbesserter Rahmenbedingungen für Erwerbsmigration sowie stärkerer Anstrengungen, Übergänge zwischen Branchen und Tätigkeitsfeldern zu erleichtern. Nur so lässt sich erreichen, dass Personalengpässe vermieden und die steigenden Anforderungen an die Verteidigungsfähigkeit bewältigt werden können.

Bundeswehr und Wirtschaft besser verzahnen

Eine funktionierende Gesamtverteidigung erfordert ein enges und verlässliches Zusammenspiel von Staat, Bundeswehr und Wirtschaft. Viele Beschäftigte engagieren sich bereits heute in der Reserve oder im Zivil- und Katastrophenschutz und übernehmen damit Verantwortung für die Sicherheit des Landes. Dieses Engagement muss künftig noch besser mit betrieblichen Anforderungen in Einklang gebracht werden. Zentral sind dabei klare Zuständigkeiten, verlässliche Kommunikationswege sowie abgestimmte Verfahren, die in der Praxis funktionieren. Insbesondere bei Heranziehungen, bei Freistellungen und der Kostenerstattung kommt es darauf an, dass Abläufe transparent gestaltet sind und Unternehmen frühzeitig eingebunden werden. Nur so kann eine tragfähige Zusammenarbeit entstehen, die den Anforderungen aller Beteiligten gerecht wird.

Planungssicherheit für Unternehmen schaffen

Für Unternehmen ist Planungssicherheit eine wesentliche Voraussetzung, um ihre Personal- und Produktionsprozesse stabil organisieren zu können. Deshalb müssen Verfahren so ausgestaltet sein, dass Betriebe frühzeitig und verlässlich wissen, wann und in welchem Umfang Beschäftigte für Aufgaben in der Reserve oder im Zivil- und Katastrophenschutz eingeplant werden. Transparente, rechtssichere und praxistaugliche Regelungen sind hierfür unerlässlich, ebenso wie eine verbesserte Informationsgrundlage, die eine vorausschauende Personalplanung ermöglicht. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann die notwendige Balance zwischen betrieblicher Handlungsfähigkeit und staatlicher Einsatzbereitschaft gelingen.

Zivile Verteidigung stärken

Neben der militärischen Verteidigung gewinnt auch die zivile Verteidigung zunehmend an Bedeutung. Unternehmen spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie die Funktionsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft sichern, etwa durch die Aufrechterhaltung von Produktion, Versorgung und kritischer Infrastruktur. Damit sie diese Rolle wirksam erfüllen können, braucht es klare staatliche Strukturen, gebündelte Zuständigkeiten und eine frühzeitige Einbindung der Wirtschaft in die entsprechenden Planungen. Auf diese Weise lässt sich nicht nur die staatliche Krisen- und Verteidigungsfähigkeit stärken, sondern auch die Resilienz von Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt erhöhen.

8. Juli 2026

Verteidigungs- und Sicherheitspolitik

Deutschlands Sicherheit erfordert starke Wirtschaft, ausreichend Personal und enge Zusammenarbeit von Staat, Bundeswehr und Unternehmen.