Arbeitslosigkeit trotz Arbeits- und Fachkräftemangel: Wie die Passungsprobleme auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt überwunden werden können
Positionspapier mit Vorschlägen gegen den Mismatch am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
01. Oktober 2026
Zusammenfassung
Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt steht unter erheblichem Druck: Einerseits steigt die Arbeitslosigkeit. Andererseits bleiben zu viele offene Stellen sowie Ausbildungsplätze unbesetzt. Das ist mehr als eine statistische Schieflage. Hinter jedem unbesetzten Ausbildungsplatz und jeder verpassten Beschäftigungschance steht ein Mensch, dessen Fähigkeiten, Talente und Zukunftsaussichten nicht voll zur Entfaltung kommen. Gleichzeitig fehlen den Betrieben die Fachkräfte, die sie dringend brauchen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Wachstum zu sichern. Branchen, Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen verändern sich im Strukturwandel besonders schnell. Gute Arbeitsmarktpolitik gibt Orientierung und erkennt Potenziale. Sie schafft es nicht nur, Menschen zu aktivieren, sondern bringt Menschen, Qualifikationen und Stellen schneller und passgenauer zusammen.
Passungsprobleme entstehen entlang des gesamten Erwerbsverlaufs – vom Übergang von der Schule in die Ausbildung über die Integration in den Arbeitsmarkt bis hin zu beruflichen Wechseln und Anpassungsprozessen im Strukturwandel. Sie müssen als Kernursache von Fachkräfteengpässen, steigender Arbeitslosigkeit und unbesetzten Ausbildungsplätzen anerkannt und gezielt gelöst werden. Arbeitsmarktpolitik, Bildungspolitik und Ausbildungsförderung müssen konsequent darauf ausgerichtet werden, Matching zu verbessern, Übergänge zu beschleunigen und Eigenverantwortung zu stärken.
- Für ein besseres Matching am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sind die folgenden Hebel zentral:
Eigenverantwortung bei Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern stärken. - Passungsprobleme als Ursache anerkennen und statistisch korrekt erfassen.
- Mismatch am Anfang der Erwerbsbiografie angehen: Ausbildungsreife, Berufswahlkompetenz und Übergänge stärken, keine neue Ausbildungsumlage einführen.
- Qualifizierung im Erwerbsverlauf arbeitsmarktnah ausrichten und Teilqualifikationen gezielt nutzen.
- Mobilität und regionale Passung über Ausbildung und Arbeit hinweg verbessern.
- Arbeitsanreize stärken und schnelle Übergänge in Beschäftigung ermöglichen.
- Fokus konsequent auf Vermittlung legen und Zusammenarbeit verbindlicher machen.
Im Einzelnen
Eigenverantwortung wieder stärker verankern
Eigenverantwortung und Subsidiarität müssen wieder stärker gelten. Der Sozialstaat und die Arbeitsförderung sollen helfen, wenn Menschen Unterstützung brauchen. Sie dürfen aber die eigene Verantwortung nicht ersetzen. Junge Menschen, Arbeitsuchende und Beschäftigte sollten Chancen aktiv suchen, zumutbare Wege in Ausbildung und Arbeit annehmen und bereit sein, sich weiterzuentwickeln. Schulen, Berufsberatung und Betriebe müssen sie dabei frühzeitig und noch konsequenter unterstützen. Eine zeitgemäße und frühzeitige Berufsorientierung hilft jungen Menschen, fundierte und flexible Berufswahlentscheidungen zu treffen. Sie stärkt zugleich die Bereitschaft, für Ausbildung und Arbeit auch mobil zu sein. Arbeit ist mehr als Broterwerb: Sie schafft Teilhabe, Sinn und Zusammenhalt. Ausbildungs- und Arbeitsmarkt funktionieren nur, wenn Unterstützung und Eigeninitiative zusammenwirken.
Die Unternehmen haben ein ureigenes Interesse, betriebliche Ausbildungsplätze anzubieten und somit die eigene Fachkräftebasis zu sichern. Diese Eigeninitiative sollte auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten nicht nachlassen. Eigenverantwortung setzt aber zugleich voraus, dass Unterstützungsangebote transparent, verlässlich und gut erreichbar sind. Schulen, Berufsberatung, Jobcenter und weitere beteiligte Institutionen müssen Zuständigkeiten klar kommunizieren, Beratungsangebote aufeinander abstimmen und unnötige Hürden beim Zugang zu Ausbildung, Beschäftigung und Qualifizierung abbauen. Eigeninitiative und wirksame institutionelle Unterstützung bedingen einander.
Auch Arbeitgeber können noch mehr dazu beitragen, das Matching zu verbessern, wenn sie Potenziale stärker in den Blick nehmen. Wo es betrieblich passt, sollten sie Bewerberinnen und Bewerbern mit nicht geradlinigen Lebensläufen, noch nicht vollständig passenden formalen Qualifikationen oder erkennbarem Entwicklungspotenzial eine Chance geben. Motivation, Zuverlässigkeit und Lernbereitschaft müssen stärker zählen als der perfekte Lebenslauf. Betriebe können fehlende Qualifikationen häufig im Arbeitsprozess aufbauen. Agenturen für Arbeit und Jobcenter sollten passende Einstiegs- und Unterstützungsinstrumente für Beschäftigte und Auszubildende bekannter machen und gemeinsam mit den Betrieben gezielt einsetzen. Gleichzeitig sollten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stärker bereit sein, den Wohnort zu wechseln, längere Pendelzeiten in Kauf zu nehmen, die Branche zu wechseln oder vorübergehend ein geringeres Einkommen zu akzeptieren, wenn dadurch ein nachhaltiger Einstieg in Arbeit gelingt. Je mehr sich Arbeitslosigkeit verfestigt, desto schwieriger wird der Wiedereinstieg. Seit dem Jahr 2025 liegt die Zahl der Langzeitarbeitslosen wieder über der 1-Mio.-Marke.
Passungsprobleme als Kernursache für Fachkräfteengpässe und steigende Arbeitslosigkeit gezielt angehen
Passungsprobleme müssen als eine der Kernursachen von Fachkräfteengpässen einerseits und steigender Arbeitslosigkeit andererseits erkannt und behandelt werden. Der Arbeitsmarkt steht unter Druck, weil sich Branchen, Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen im Strukturwandel schnell verändern. Viele Arbeitslose passen mit ihrem Profil nicht zu den offenen Stellen und viele offene Stellen passen nicht zu den Profilen der Bewerberinnen und Bewerber. Genau darin liegt der paradoxe Befund dieses Arbeitsmarkts: Der Fachkräftemangel bleibt, während die Arbeitslosigkeit steigt. Wer nur auf die Gesamtzahl offener Stellen oder Arbeitsloser schaut, sieht das Problem nicht. Entscheidend ist, ob Menschen und Stellen tatsächlich zusammenfinden.
Sowohl Fachkräfteengpässe als auch Arbeitslosigkeit verursachen hohe soziale und volkswirtschaftliche Kosten. Unternehmen können Aufträge nicht annehmen, Innovationen bleiben aus und Wachstumspotenziale werden nicht genutzt. Gleichzeitig verlieren Menschen durch längere Arbeitslosigkeit Chancen auf Teilhabe und berufliche Entwicklung. Ziel einer modernen Arbeitsmarktpolitik muss daher sein, möglichst vielen Menschen den Weg in passende Beschäftigung zu eröffnen und gleichzeitig den Betrieben die Fachkräfte bereitzustellen, die sie für Wertschöpfung und Wohlstand benötigen.....
Das vollständige Positionspapier steht Ihnen in der rechten Marginalie zum Download zur Verfügung.
Ansprechpartner:
BDA | DIE ARBEITGEBER
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
Abteilung Bildung
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bildung@arbeitgeber.de
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arbeitsmarkt@arbeitgeber.de
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