

Arbeitgeberpräsident Dulger fordert Koalition zu Reformen auf: „Wer bremst, führt nicht“
Deutschland braucht ein Zielbild für die kommenden zehn Jahre – Arbeitgeberbarometer zeigt wachsende Belastung durch Bürokratie und hohe Arbeitskosten
Berlin, 13. Oktober 2026. Arbeitgeberpräsident Dr. Rainer Dulger hat die Spitzen der Regierungskoalition zu entschlossenen Reformen und mehr politischer Führungsleistung aufgefordert. „Wer bremst, führt nicht. Wer bremst, handelt verantwortungslos“, sagte Dulger am Dienstag beim Deutschen Arbeitgebertag in Berlin vor Bundeskanzler Friedrich Merz. Er appellierte an die drei Koalitionsparteien, ihre parlamentarische Mehrheit zu nutzen und notwendige Veränderungen auch gegen Widerstände durchzusetzen. „Lösen Sie sich vom engen Blick der Klientelpolitik. Als Mitglied der Bundesregierung muss es heißen: Erst das Land, dann die Partei.“
Dulger würdigte zugleich die außen- und europapolitische Arbeit des Bundeskanzlers. Deutschland sei international wieder sichtbarer geworden. Nun müsse die Bundesregierung auch innenpolitisch Ergebnisse liefern. „Wir wissen ziemlich genau, was unser Land braucht“, sagte Dulger. Entscheidend sei deshalb nicht mehr die Frage, wann Reformen begonnen würden, sondern wann Deutschland endlich seine Ziele erreiche.
Dulger fordert Ehrgeiz, zu den Besten zu gehören
Dulger warnte davor, sich an die wirtschaftlichen Schwächen Deutschlands zu gewöhnen. Als Beispiel nannte er marode Brücken, auf denen aus Sicherheitsgründen nur noch Tempo 50 erlaubt sei. „Eine Brücke saniert sich nicht dadurch, dass wir uns an Tempo 50 gewöhnen. Und ein Land wird nicht besser, wenn es seine Erwartungen immer weiter herunterschraubt.“
Deutschland brauche wieder den Ehrgeiz, zu den Besten zu gehören. Dazu müsse Politik klare Prioritäten setzen, Ergebnisse liefern und dem Einzelnen wie den Unternehmen mehr Freiraum lassen.
Unter dem Titel „Deutschland 2036“ stellte Dulger ein Zielbild für die kommenden zehn Jahre vor. Dazu gehören Sozialversicherungsbeiträge von unter 40 Prozent, eine Staatsquote von deutlich unter 45 Prozent, schnellere Genehmigungen, bessere Bildung, mehr Investitionen und dauerhaft höheres Wirtschaftswachstum. Einen 20-Punkte-Plan mit konkreten Vorschlägen übergab die BDA dem Bundeskanzler.
„Die Demografie lässt sich nicht wegverhandeln – und auch nicht wegdemonstrieren“
Einen Schwerpunkt seiner Rede legte Dulger auf die Reform der sozialen Sicherungssysteme. „Die Demografie lässt sich nicht wegverhandeln – und auch nicht wegdemonstrieren“, sagte er. Ein gerechter Sozialstaat müsse nicht nur diejenigen im Blick haben, die Unterstützung benötigen, sondern auch die Beschäftigten und Unternehmen, die seine Leistungen finanzieren.
Dulger forderte eine umfassende Rentenreform, die Beitragsbelastung, Rentenniveau, längere Erwerbsbiografien, steigende Lebenserwartung und zusätzliche Vorsorge gemeinsam betrachtet. „Wer nur an einer Stelle dreht, verschiebt das Problem im Zweifel nur an eine andere.“
Auch die Sozialpartner sieht die BDA in der Verantwortung. Im aktuellen Arbeitgeberbarometer bewerten lediglich 16 Prozent der Unternehmen die Bereitschaft der Gewerkschaften, an der Überwindung der Wirtschaftskrise mitzuwirken, als hoch.
Dulger wünscht Bundesregierung Erfolg
Trotz seiner deutlichen Kritik an ausbleibenden Reformen sicherte Dulger dem Bundeskanzler Unterstützung zu. „Ich wünsche Ihrer Regierung Erfolg“, sagte er. Es sei entscheidend, dass eine Regierung der demokratischen Mitte zeige, dass sie Herausforderungen erkenne und wirksam lösen könne. „Das stärkt nicht nur unsere Wirtschaft. Es stärkt am Ende auch das Vertrauen in unsere Demokratie.“
Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigen die Ergebnisse des neuen BDA-Arbeitgeberbarometers in Zusammenarbeit mit Forsa:
Für die vierte Welle des BDA-Arbeitgeberbarometers befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände zwischen dem 28. August und dem 29. September 2026 insgesamt 1.006 repräsentativ ausgewählte Unternehmen der Privatwirtschaft. Das Arbeitgeberbarometer wird jedes Quartal erhoben.
Hier finden Sie die Rede von Arbeitgeberpräsident Dr. Rainer Dulger.
Auf der Website des Deutschen Arbeitgebertags finden Sie weiteres Pressematerial.



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