„Rente mit 63“ gezielt einschränken

BDA Newsletter 20/26 | Gastkommentar | 15. Oktober 2026

Von Prof. Bernd Fitzenberger, PhD, Direktor, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

„Rente mit 63“ gezielt einschränken

Es gilt die gesetzliche Rente zu stabilisieren und erfahrene Fachkräfte zu halten. 2025 gingen 262.361 besonders langjährig Versicherte mit mindestens 45 Beitragsjahren abschlagsfrei vorzeitig in Rente, im Schnitt mit 64,1 Jahren. Weitere 238.028 langjährig Versicherte mit mindestens 35 Beitragsjahren taten dies vorzeitig mit Abschlägen, im Schnitt mit 63,4 Jahren. Jährlich verlassen altersbedingt über 450.000 Menschen mehr den Arbeitsmarkt, als neu hinzukommen. Bei Fachkräften mit Berufsausbildung ist die Lücke besonders groß.

Eine vollständige Abschaffung der „Rente mit 63“ würde unterschiedlichen Erwerbsbiografien nicht gerecht. Zudem betrifft der vorzeitige Renteneintritt beide Zugangswege. Sinnvoller ist eine deutliche Einschränkung: Erstens sollten auch tatsächliche Zeiten der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zählen: mindestens 42 für besonders langjährig Versicherte; für langjährig Versicherte mindestens 40 Beitrags- und 38 Beschäftigungsjahre. Zweitens sollte der Renteneintritt frühestens zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze möglich sein. Drittens sollte der Abschlag bei vorzeitigem Bezug dem Zuschlag beim Weiterarbeiten entsprechen und der Zuschlag sollte auch für besonders langjährig Versicherte beim Weiterarbeiten gelten. Viertens braucht es Ausnahmen bei gesundheitlichen Einschränkungen.

So ließen sich vorzeitige Rentenzugänge begrenzen, erfahrene Fachkräfte länger im Erwerbsleben halten und die Akzeptanz der Reform stärken.

 

Mein Debattenbeitrag dazu: Acht Reformvorschläge zur Stärkung der gesetzlichen Rente: Der entscheidende Hebel ist eine höhere Beschäftigung