Duale Ausbildung: Schlüssel zur Fachkräftesicherung

 

Die duale Ausbildung ist ein Grundpfeiler für die Stärke der deutschen Wirtschaft.

Dr. Hans-Jürgen Metternich, Leiter Evonik Industries AG, Vorsitzender des BDA-Arbeitskreises Berufsbildung (gemeinsam mit BDI)

Die betriebliche Ausbildung im dualen System bietet durch die enge Verknüpfung mit der Arbeitswelt einen optimalen Start in den Beruf. Sie sichert den Unternehmen gut qualifizierte Fachkräfte und den Jugendlichen gute berufliche Chancen. Unternehmen engagieren sich daher auf breiter Basis für die Ausbildung – so bilden rund 80 Prozent der dazu berechtigten Betriebe aus ; sie investieren pro Jahr gut 27 Milliarden Euro in ihre rund 1,3 Millionen Auszubildenden. Nicht zuletzt durch das große Engagement der Wirtschaft und die enge Verknüpfung von Lernen und Praxis hat Deutschland die niedrigste Jugendarbeitslosigkeitsquote in Europa!
Ausbildungsreife sicherstellen
Viele Jugendliche verlassen die Schule nicht mit dem erforderlichen Rüstzeug für die Ausbildung. Bildungspolitische Reformen müssen daher die Qualität der Schulen verbessern. Zur Ausbildungsreife gehört auch eine fundierte Berufsorientierung. Diese muss fest im Schulalltag verankert und in Kooperation mit der Wirtschaft und der Bundesagentur für Arbeit vermittelt werden.
 
Ausbildungsstrukturen modernisieren
Die Berufsordnungsarbeit der Sozialpartner (80 modernisierte bzw. neue Ausbildungsberufe in den letzten 10 Jahren) muss konsequent fortgesetzt werden, damit die Ausbildungsberufe auch künftig dem aktuellen Bedarf der Praxis entsprechen und neue Tätigkeitsfelder für Ausbildung erschlossen werden. Die Sozialpartner haben dabei stets eine passgenaue Modernisierung entlang der sich veränderten betrieblichen Bedarfe und Prozesse im Blick.
 
Zudem braucht das duale Bildungssystem zur Beibehaltung seiner Attraktivität ein „Mehr“ an Flexibilität, Vielfalt und Durchlässigkeit . Ziel sind zusätzliche Gestaltungschancen und -optionen. Neben der Förderung leistungsstarker Jugendlicher bspw. durch Zusatzqualifikationen bedeutet dies auch, im Ausbildungssystem mehr Chancen für leistungsschwache Jugendliche zu schaffen. Gebraucht werden „schlanke", flexible Berufe mit weniger komplexen Anforderungen.
 
Digitale Kompetenzen ausbauen
Vor dem Hintergrund der weiter steigenden Digitalisierung und Vernetzung der Wirtschaft müssen Unternehmen ihre Geschäftsmodelle und -prozesse anpassen, um sich auch künftig im Wettbewerb behaupten zu können. Dies wirkt sich auch auf die Ausbildungsberufe aus. „Digitale“ Kompetenzen, wie bspw. Prozesswissen, Analysefähigkeiten und die Fähigkeit, Daten richtig interpretieren zu können, gewinnen zunehmend an Bedeutung und müssen dementsprechend auch im Zuge der betrieblichen Ausbildung stärker vermittelt werden.
 
Die Sozialpartner schenken diesen Änderungsbedarfen bei der Ausgestaltung der Ordnungspolitik stets Beachtung, deshalb sind die Ausbildungsordnungen technologieoffen formuliert, flexibel, definieren Mindeststandards und lassen damit Raum für die Anpassung an unterschiedliche betriebliche Erfordernisse und an die technische Entwicklung – auch an die Digitalisierung. Zudem gibt eine Reihe von wählbaren Zusatzqualifikationen den im Digitalisierungsprozess unterschiedlich aufgestellten Betrieben die Möglichkeit, gezielt Kompetenzen für den digitalen Wandel aufzubauen.
 
Mobilität und Durchlässigkeit durch Transparenz verbessern
Der Deutsche Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR) ist ein Transparenz-Instrument, das die Vergleichbarkeit von Qualifikationen in Europa erleichtern und die Durchlässigkeit innerhalb des Bildungssystems verbessern soll. Ausgangspunkt für die Entwicklung des DQR war der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR). Er umfasst acht Qualifikationsniveaus, denen Abschlüsse zugeordnet werden können. Der DQR verfügt genauso wie der EQR über acht Niveaustufen, so dass DQR- und EQR-Niveau identisch sind.
 
Seit 2014 erfolgt schrittweise die Ausweisung der DQR-/EQR-Niveaus auf neu ausgestellten Zeugnissen. Diese Information hilft Arbeitgebern dabei, das Niveau einer im Ausland erworbenen Qualifikation richtig einzuschätzen, fördert die grenzüberschreitende Fachkräftemobilität und belegt das hohe Niveau der deutschen Berufsausbildung. Rechtsansprüche auf den Zugang zu Bildungsgängen, die Zulassungen zu Prüfungen, die Anrechnung oder Anerkennung von Bildungsergebnissen werden durch den DQR als reines Transparenz-Instrument nicht begründet.


12. November 2020

Duale Ausbildung

Arbeitgeberportal