Lohnfortzahlung modernisieren: Kosten senken, Missbrauch begrenzen, Bürokratie abbauen

 

BDA AGENDA 02/26 | EXTRA DER WOCHE | 22. Januar 2026

Lohnfortzahlung modernisieren: Kosten senken, Missbrauch begrenzen, Bürokratie abbauen

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist die teuerste ausschließlich arbeitgeberfinanzierte Sozialleistung in Deutschland. 2024 mussten Unternehmen rund 82 Milliarden Euro für krankheitsbedingte Ausfalltage aufbringen – mehr als die gesamten Ausgaben der Pflegeversicherung und nahezu das Doppelte der Leistungen der Arbeitslosenversicherung. Auch im europäischen Vergleich belegt Deutschland bei den Arbeitgeberkosten einen Spitzenplatz. Innerhalb von nur 15 Jahren haben sich die Kosten mehr als verdoppelt.

Diese Dynamik gefährdet Beschäftigung, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit. Steigende Lohnfortzahlungs- und Sozialbeitragskosten belasten Unternehmen in einer Phase, in der wirtschaftliche Erholung ohnehin unter Druck steht. Eine konsequente Reform ist überfällig – eine Reform, die Missbrauch verhindert, Kosten begrenzt und Bürokratie reduziert.

Missbrauch konsequent eindämmen

Eine aktuelle YouGov-Erhebung zeigt: Rund ein Drittel der Befragten war bereits mindestens einmal ohne triftigen Grund krankgeschrieben. Studien der DAK und pronova BKK bestätigen diesen Trend.

Notwendig sind:
- Abschaffung der telefonischen Krankschreibung, da diese besonders missbrauchsanfällig ist – Videosprechstunden bieten bessere Diagnostik – und das ebenfalls ohne dass Patientinnen und Patienten erkältet die Wartezimmer verstopfen.
- Mehr Transparenz in der elektronischen AU durch Aufnahme von Arztname und Praxisanschrift.
- Wirksame Regulierung illegitimer Online-Plattformen, die AU-Bescheinigungen ohne Arztkontakt ausstellen.

Kosten der Lohnfortzahlung begrenzen

Deutschland verzeichnet im europäischen Vergleich überdurchschnittlich viele bezahlte Fehltage. Studien belegen einen kausalen Zusammenhang zwischen Lohnersatzleistung und Krankmeldeverhalten. Die BDA schlägt vor: Begrenzung der Lohnfortzahlung auf sechs Wochen pro Kalenderjahr, unabhängig von der Anzahl einzelner Erkrankungen. Nichtberücksichtigung von Mehrbelastungs- und Mehrarbeitszuschlägen bei der Lohnfortzahlung, da diese Belastungen während der Krankheit nicht anfallen. Stärkung des Medizinischen Dienstes zur schnelleren Erkennung ungerechtfertigter Krankschreibungen.

eAU-Verfahren entschlacken

Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist ein Fortschritt, doch das Verfahren bleibt für Unternehmen komplex, fehleranfällig und kostenintensiv. Notwendig sind: Ein proaktives -Verfahren zur automatischen Übermittlung an Arbeitgeber. Abbau paralleler Papierverfahren, insbesondere bei Privatärzten und Privatpatienten. Kostenentlastung für KMU durch klare Vergütungsregeln für Steuerberater. Rechtssichere Regelungen für Störfälle.

 

Fazit

Eine moderne Lohnfortzahlung muss Beschäftigte absichern – sie darf jedoch nicht zur strukturellen Belastung werden. Mit konsequenten Maßnahmen gegen Missbrauch, einer Begrenzung der Kosten und echten digitalen Verbesserungen entsteht ein System, das Beschäftigte schützt und Unternehmen nicht überfordert.

 


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