

Arbeitgeberpräsident Dr. Rainer Dulger zu den Empfehlungen der Rentenkommission:
Wir empfehlen allen Akteuren mit Nachdruck, die finanzielle Stabilität unseres Sozialstaats als oberstes Ziel zu verankern
Berlin, 22. Juni 2026. „Die Rentenkommission empfiehlt die Bearbeitung eines Problems, das seit Jahrzehnten immer wieder von der Politik ignoriert wurde: den demografischen Wandel. Fest steht: Selbst wenn wir nicht in der Zeit der Multikrisen leben würden, müssten wir uns darüber unterhalten, wie wir alle mehr und länger arbeiten.
Positiv sehe ich die Vorschläge der Experten, die abschlagsfreie Frührente abzuschaffen – dies fordern wir Arbeitgeber seit langem. Es ist realitätsferne Politik, Milliarden für abschlagsfreie Frührenten auszugeben, während gleichzeitig Arbeits- und Fachkräfte fehlen.
Auch die Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung ist eine Forderung der Arbeitgeber. Das ist eine Frage der Generationengerechtigkeit und der ökonomischen Vernunft. Aktuell steigt das Renteneintrittsalter in 3 Jahren um 6 Monate, die Kommission rechnet dagegen mit 10 Jahren für 6 Monate. Deshalb plädieren wir für einen schnelleren Anstieg des Renteneintrittsalters.
Sehr kritisch sehen wir die angepeilte staatliche Kapitalrente. Mehr Kapitaldeckung in der Alterssicherung ist grundsätzlich sinnvoll, aber nicht durch Zwang und nicht durch den Staat, sondern freiwillig privat und betrieblich. Die Kapitalrente würde eine massive Mehrbelastung von mehr als 40 Mrd. Euro pro Jahr für Unternehmen und Beschäftigte bedeuten. Das würde für weniger Netto vom Brutto sorgen – und Arbeit unattraktiver machen. Sozialbeiträge von deutlich mehr als 40 Prozent gefährden unseren Standort.
Die Abschaffung der Minijobs wäre ein Fehler. Minijobs verdrängen keine Vollzeitstellen, sondern aktivieren Arbeitspotential. Sie dienen der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts.
Erfreulich ist, dass der Nachhaltigkeitsfaktor nicht nur wieder eingeführt, sondern auch nachgeschärft werden soll. Besser wäre jedoch, ihn sofort wieder in Kraft zu setzen und nicht erst, nachdem die geburtenstärksten Jahrgänge in Rente gegangen sind. Hier muss bei der Gesetzgebung noch deutlich nachgelegt werden, damit die Rentenversicherung langfristig finanzierbar bleiben kann.
Insgesamt hätten wir uns mehr Ambition vorstellen können.
Wir empfehlen allen Akteuren mit Nachdruck, die finanzielle Stabilität unseres Sozialstaats als oberstes Ziel zu verankern – wir sind hier bereits in einer gefährlichen Schieflage.“



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