Psychische Gesundheit

Es ist ein zentrales Anliegen der Arbeitgeber, dass Beschäftigte motiviert und gesund in ihrem Job tätig sein können. Deshalb engagieren sich die Unternehmen, um Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass sie sowohl körperlichen als auch psychischen Erkrankungen vorbeugen und die Gesundheit erhalten.
Gut gestaltete Arbeit ist ein Schutzfaktor für die psychische Gesundheit
Arbeit wirkt in erster Linie positiv auf die Psyche. Das geht klar aus dem BKK Gesundheitsreport 2019 und verschiedensten Studien hervor (vgl. Ward und King, 2017). Unsere Berufstätigkeit wirkt wie ein Schutzfaktor auf für psychische Gesundheit, beispielsweise durch die Zeitstrukturierung, die Möglichkeit für soziale Beziehungen und führt zu einem besseren Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Auch wenn man bereits psychisch erkrankt ist, kann Arbeit helfen: Die Stiftung der Deutschen Depressionshilfe hebt hervor, dass bei Depression die Rückkehr zur Arbeit die Genesung beschleunigt.
 
Psychische Erkrankungen können vielfältige Ursachen haben
Eine psychische Erkrankung (oder Störung) ist eine krankheitsbedingte Veränderung im Erleben und Verhalten mit Auswirkung auf Wahrnehmung, Denken, Fühlen und Selbstwahrnehmung. Sie hat verschiedene Ursachen, wie genetische Veranlagung, das soziale Umfeld oder auch belastende Ereignisse. Sie entwickelt sich meist schon in jungen Jahren (durchschnittlich mit 14 Jahren, wobei sich 75 % der Erkrankungen spätestens bis zum 24. Lebensjahr ausgeprägt haben; OECD 2012). Auch Einflüsse aus der Arbeitswelt können bei der Entwicklung eine Rolle spielen, wobei Arbeit nicht die alleinige Ursache für eine psychische Erkrankung sein kann (Windemuth, 2014). Eine Reihe von Studien des Robert-Koch-Instituts zeigen, dass psychische Erkrankungen in der Gesellschaft nicht zunehmen (vgl. Jacobi & Linden, 2018). Der Wandel der Arbeit bringt also nicht mehr psychische Erkrankungen mit sich (Zielke, 2017). Allerdings birgt er neue Herausforderungen wie Führung aus der Distanz oder eigenverantwortlicheres Arbeiten, welchen sich die Arbeitgeber stellen.
 
Das Thema Psyche ist immer weniger ein Tabu
Ursache für den Anstieg der Diagnosen ist unter anderem die gestiegene Akzeptanz gegenüber psychischen Erkrankungen. Wir sind heute eher bereit, über psychische Gesundheit zu sprechen und uns einem Arzt bzw. Therapeuten anzuvertrauen. Durch bessere Diagnosesysteme werden heute zudem schneller und besser psychische Erkrankungen erkannt, sodass Betroffene die passende Hilfe erhalten können. Das Thema Psyche ist immer weniger ein Tabu, obwohl es hier dennoch viel Aufklärungsarbeit zu leisten gibt. Die Arbeitgeber haben den Prozess der Enttabuisierung 2013 mit der „Gemeinsamen Erklärung zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt“ zusammen dem Bundesarbeitsministerium und dem DGB bewusst angestoßen. Sie fördern auch weiter den bewussten Umgang mit psychischer Gesundheit in den Unternehmen. Auch die nun kommende „Offensive psychische Gesundheit“ werden die Arbeitgeber aktiv unterstützen.
 
Die Arbeitgeber nehmen die psychische Gesundheit ihrer Beschäftigten ernst
Die Sozialpartner engagieren sich daher zusammen in der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie, die verständliche Handlungshilfen, Praxistipps und Umsetzungsempfehlungen u.a. zu psychischen Belastungsfaktoren bei der Arbeit herausgibt. Ebenso aktiv sind sie im Projekt „Mitdenken 4.0“ der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft, wo sie Informationen und Handlungshilfen zum agilen Arbeiten, Homeoffice, Führen durch Ziele und Erreichbarkeit erarbeiten. Die BDA arbeitet zudem mit den Experten des Projektes „psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyGA)“ zusammen. Zudem ermöglicht die BDA Netzwerke und Plattformen, in denen sich Arbeitgeber(verbände) regelmäßig zu Fragen der psychischen Gesundheit und guten Arbeitsgestaltung austauschen und den Kontakt zu Forschern und Experten pflegen.

"Die öffentliche Aufmerksamkeit für psychische Erkrankungen hat vor allem in den letzten Jahren einen enormen Zuwachs erfahren. Zum einen zeigen sich positive Auswirkungen dahingehend, dass es durch die breite öffentliche Diskussion zu einer stärkeren Sensibilisierung für das Thema kommt (…). Zum anderen verleitet dieser Zuwachs in den Kennzahlen der gesundheitlichen Versorgung aber leicht zu der Annahme, dass psychische und Verhaltensstörungen mittlerweile pandemische Ausmaße angenommen haben. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern konnten allerdings zahlreiche Studien zeigen, dass der Anteil der von psychischen Störungen Betroffenen seit mehr als einem Jahrzehnt stagniert bzw. teilweise sogar leicht rückläufig ist."

Prof. Knieps, Leiter der BKK (Vorwort BKK Gesundheitsreport, 2019)

Zahlen und Fakten

Psychische Gesundheit

Mit Arbeitslosigkeit gehen deutlich höhere Fehlzeiten aufgrund psychischer Störungen einher im Vergleich zur Berufstätigkeit. Arbeitslose im ALG-I-Bezug weisen im Mittel circa das 8-Fache der Fehltage für psychische Störungen der Beschäftigten auf. Quelle: BKK Gesundheitsreport 2019: Psychische Gesundheit und Arbeit.


16. November 2020

Psychische Gesundheit

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