Mut zur Reinvention: Wie Unternehmer Zukunft gestalten

BDA AGENDA 01/26 | KOMMENTAR DER WOCHE | 08. Januar 2026

Von Petra Justenhoven, Sprecherin der Geschäftsführung PwC Deutschland & Chairwoman of the Management Board PwC Europe

Mut zur Reinvention: Wie Unternehmer Zukunft gestalten

Der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Schumpeter hatte 1942 den kühnen Gedanken, dass Wirtschaft sich nicht stetig entwickelt, sondern in Sprüngen. Eine zentrale Rolle spielt für ihn dabei die Initiative von Unternehmern, die Neues schaffen und dadurch Altes verdrängen.

Im vergangenen Jahr haben Joel Mokyr, Philippe Aghion und Peter Howitt für ihre Forschung zu Schumpeters „Schöpferischer Zerstörung“ den Wirtschaftsnobelpreis erhalten. Das zeigt, wie relevant dieser Gedanke weiterhin ist. Und vielleicht gibt er uns auch Orientierung, wie wir aus der desolaten Wirtschaftslage in Deutschland herauskommen. Nämlich nicht mehr durch vorsichtiges, schrittweises Optimieren des Bestehenden, sondern durch mutige Sprünge.

Erster Sprung – über Branchengrenzen hinweg

Die großen Wertschöpfungspools der Zukunft entstehen nicht innerhalb der bekannten Branchengrenzen, sondern darüber hinaus: Automobilhersteller entwickeln Gesundheitsdienstleistungen oder Finanzdienstleister Lösungen für Cybersecurity. Wachstum entsteht dort, wo Unternehmen Ökosysteme bilden – gemeinsam mit Technologieanbietern, Start-ups oder sogar Wettbewerbern. Unsere Analysen bei PwC zeigen: Bis 2035 werden rund 40 Prozent der globalen Umsätze in solchen neuen, heute noch nicht existierenden Ökosystemen generiert. Kooperationen über Branchengrenzen hinweg können Entwicklungszeiten halbieren und Innovationskosten senken. Wer jetzt Partnerschaften eingeht, sichert sich Zugang zu neuen Märkten und beschleunigt die Transformation des eigenen Unternehmens.

Zweiter Sprung – über die menschliche Intelligenz hinaus

Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig, die Zeit des Experimentierens und der Pilotprojekte vorbei. Unternehmen, die KI flächendeckend einsetzen, steigern ihre Produktivität, verkürzen Entwicklungszyklen und sind langfristig erfolgreicher. Aber KI ist kein reines Technologieprojekt. Für eine erfolgreicher AI-Adoption muss sich die Unternehmenskultur wandeln. Unternehmen brauchen eine Kultur des Lernens, gezieltes Upskilling für Mitarbeitende und eine klare Governance für den verantwortungsvollen Einsatz und die Integration in den Arbeitsalltag. KI ist kein kurzfristiger Hype, sondern ein Werkzeug, um die Produktivität und Qualität der Arbeit zu steigern.

Dritter Sprung – über das Alltagsgeschäft hinaus

Gegen Mitbewerber gewinnt man nicht mit perfekter Buchhaltung. Wer vorne mitspielen will, muss deshalb seine Ressourcen auf das Wesentliche konzentrieren: Strategie, Innovation, Kundenerlebnis. Managed Services sind hier ein Hebel – nicht als Kostenthema allein, sondern, um Unternehmen von komplexen Support-Funktionen zu entlasten. Durch Outsourcing von Finance, HR oder IT können Unternehmen ihre Fixkosten senken und ihre internen Prozesse verbessern. Das schafft Freiraum für Investitionen in neue Produkte und Märkte – und für die Transformation, die über die Zukunft entscheidet.


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