Klasse Zukunft - wie wird das Bildungssystem wieder zur Nummer eins?

BDA AGENDA 02/26 | KOMMENTAR DER WOCHE | 22. Januar 2026

Von Angela Papenburg, Vorstand der GP Günter Papenburg AG und Vorsitzende Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT

Klasse Zukunft - wie wird das Bildungssystem wieder zur Nummer eins?

Gute Bildung in der heutigen Zeit bedeutet weit mehr als reine Wissensvermittlung. Basierend auf den vier Bildungssäulen der UNESCO – Lernen, Wissen zu erwerben; Lernen, zu handeln; Lernen, zusammenzuleben; und Lernen für das Leben – muss die Förderung von Kreativität, individuellen Fähigkeiten und Problemlösungskompetenz sowie die Anpassung an den digitalen Wandel im Mittelpunkt des Lernprozesses stehen. Zentrale Merkmale zeitgemäßer Bildungseinrichtungen sind motivierende Lernumgebungen, Beziehungsarbeit in unterschiedlichen Lernsettings, Gemeinschaftlichkeit von Schulfamilie und Quartier, partizipative Schulentwicklung und die gezielte Kooperation mit außerschulischen Partnern wie Unternehmen, Initiativen und Netzwerken. Dieses Zusammenwirken eröffnet Lernenden praxisnahe Erfahrungen, ermöglicht innovative Projekte, selbstbestimmtes Lernen und fördert zukunftsrelevante Kompetenzen wie Selbstorganisation, Eigenverantwortung und nachhaltiges Denken.

Unternehmen engagieren sich sehr vielfältig und können in vielerlei Hinsicht wertvolle Beiträge im Schulalltag liefern: Sie bieten Praktika, Betriebsbesichtigungen und -erkundungen, Bewerbungstrainings, unterstützen Berufsorientierungsmaßnahmen und Projektwochen, flankieren Unterricht inhaltlich im Betrieb oder in der Schule und bringen sich aktiv im Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT ein. All diese Elemente tragen dazu bei, Bildung lebendig, praxisnah und gesellschaftlich relevant zu gestalten.

Gerade diese innovativen Ansätze in Schulen und innerhalb von Kooperationen werden regelmäßig durch renommierte Auszeichnungen wie den Deutschen Arbeitgeberpreis für Bildung, den SCHULEWIRTSCHAFT-Preis „Das hat Potenzial“ oder das Berufswahl-SIEGEL gewürdigt. Die jeweiligen Jurys sind hochkarätig besetzt und verfügen über große Expertise. Alljährlich werden hervorragende Bildungseinrichtungen ausgezeichnet, die ideenreich und engagiert Bildung neu denken und danach handeln. Diese guten Beispiele sollten im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen, damit ein innovatives, zeitgemäßes Bildungssystem in Deutschland entsteht.

Von Seiten der Bildungsministerien wird diesen ausgezeichneten Beispielen in der Bildungslandschaft leider zu wenig Beachtung geschenkt. Es fehlt bundesweit an systematischem Lernen von den Besten und an der konsequenten Übertragung erfolgreicher Modelle in die Breite. Stattdessen verharren viele Strukturen im Status quo, anstatt mutig und offen von den nachweislich erfolgreichen Initiativen zu profitieren. Hier braucht es mehr Offenheit, Wertschätzung und die Bereitschaft, innovative Impulse aus der Praxis in die Bildungspolitik zu integrieren – für ein Bildungssystem, das wirklich zukunftsfähig ist.

Fazit:
Gute Bildung lebt von Vernetzung, Praxisbezug und Innovationsfreude. Sie braucht starke außerschulische Partner und die Bereitschaft, von den Besten zu lernen – auch und gerade auf politischer Ebene.