Projektmanagement in Zeiten des Wandels – Was Unternehmen jetzt brauchen

BDA AGENDA 03/26 | KOMMENTAR DER WOCHE | 05. Februar 2026
Von Johannes Heinlein, Chief Growth Officer, Project Management Institute (PMI)
Projektmanagement in Zeiten des Wandels – Was Unternehmen jetzt brauchen
Beim Deutschen Arbeitgebertag im vergangenen November wurde eines deutlich: Die Herausforderungen, vor denen deutsche Unternehmen stehen, ähneln sich – unabhängig von Branche oder Größe. Es geht um die Frage, wie wir Transformation nicht nur planen, sondern auch umsetzen. Aus meiner Perspektive als jemand, der täglich mit Unternehmen weltweit arbeitet, sehe ich das Projektmanagement als einen der entscheidenden Hebel, der darüber entscheidet, ob Strategien Realität werden oder scheitern.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Kluft zwischen Strategie und Umsetzung wächst. 99 Prozent der CEOs wollen ihre Nachhaltigkeitsverpflichtungen ausbauen, doch nur die Hälfte kann konkrete Fortschritte vorweisen. Das Problem ist nicht mangelnder Wille, sondern mangelnde Umsetzungskompetenz. Projekte mit klarem Nachhaltigkeitsfokus haben eine 2,6-fach höhere Erfolgswahrscheinlichkeit – aber nur, wenn die Menschen, die sie leiten, entsprechend qualifiziert sind.
Hier liegt eine der größten Herausforderungen für deutsche Arbeitgeber: Wir stehen vor einem massiven Fachkräfteengpass. Bis 2035 könnten allein in Deutschland bis zu 591.000 Projektfachkräfte fehlen. Gleichzeitig wächst die Projektwirtschaft überdurchschnittlich. Diese Schere müssen wir schließen – nicht durch Abwerben, sondern durch systematische Aus- und Weiterbildung.
Was mich beim Arbeitgebertag beeindruckt hat, war die Bereitschaft vieler Unternehmen, dieses Thema strategisch anzugehen. Denn die Realität sieht oft anders aus: Menschen gelangen zufällig ins Projektmanagement, ohne formale Qualifikation. Bei kleineren Vorhaben mag das funktionieren, bei komplexen Transformationen – etwa zur KI-Einführung oder Dekarbonisierung – stößt man an Grenzen.
Die KI-Revolution macht das deutlich. Unsere Studien zeigen: Wer generative KI gezielt in Projekten einsetzt, erzielt 16-mal häufiger signifikante Effizienzgewinne. Bei Energieinitiativen erreichen fortgeschrittene Anwender Erfolgsquoten von 31 Prozent – gegenüber nur acht Prozent bei Unternehmen am Anfang. Der Unterschied liegt nicht in der Technologie, sondern in der Kompetenz der Menschen.
Deshalb muss Weiterbildung 2026 oberste Priorität haben. Es geht nicht nur um technische Skills, sondern um Business Acumen – unternehmerisches Denken, Stakeholder-Management, strategisches Risikomanagement. Projektfachleute müssen sich von Ausführenden zu strategischen Partnern entwickeln. Das erfordert Investitionen in Qualifizierung, Mentoring und klare Karrierewege.
Die gute Nachricht: Der Beruf ist attraktiv für junge Talente und Quereinsteiger. Die Zukunftsperspektiven sind hervorragend, die Gehaltsaussichten gut, die Arbeit sinnstiftend. Wer heute in Projektmanagement-Kompetenzen investiert, sichert nicht nur die eigene Wettbewerbsfähigkeit, sondern trägt dazu bei, dass Deutschland als Wirtschaftsstandort handlungsfähig bleibt.








