Durchlässigkeit im Bildungsbereich erhöhen

 

Der Zugang zu Bildung darf nicht von der sozialen Her­kunft abhängen. Unser Bildungs­system muss daher noch durch­lässiger werden. Jeder und jede sollte die Chance haben, die indivi­duellen Kompe­tenzen zu ent­falten. Denn kluge Köpfe sind die zen­trale Ressource für die Innovations­kraft und den Wohl­stand unseres Landes.

Gerhard F. Braun, BDA-Präsidiumsmitglied, Vorsitzender Fachausschuss Bildung, Berufliche Bildung von BDA und BDI

Mangelnde soziale und strukturelle Durchlässigkeit im Bildungssystem behindern die Entfaltung aller Potenziale und gefährdet die Fachkräftesicherung. Die BDA ist überzeugt: Kein Bildungsweg darf zur Sackgasse werden. Wir brauchen zwischen allen Bildungsbereichen Brücken und Übergänge.

Die Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen ist eine gesellschaftliche und . Das gilt für die gesamte Bildungskette. Einem durchlässigen Bildungssystem stehen in Deutschland allerdings immer noch soziale und strukturelle Hindernisse entgegen. Der Zugang zu Bildung hängt auch aktuell noch zu stark von der sozialen Herkunft ab – dabei gilt es gerade mit Blick auf die Fachkräftesicherung, alle Bildungsressourcen zu mobilisieren.
Die strukturellen Hindernisse wurden in den letzten Jahren zwar weniger, gesetzliche Grundlagen wurden geschaffen, neue Angebote sind entstanden. Hierüber muss jedoch weit besser informiert werden.

Berufsbegleitendes Lernen ermöglichen – Leistungsanrechnung verbessern

Beruflich Qualifizierte wollen sich meist parallel zum Beruf weiterbilden. Auf diese Bedarfe müssen auch Hochschulen mit einem Ausbau ihrer berufsbegleitenden Studienangebote (Studiengänge, Zertifikatskurse, Module) reagieren – davon gibt es nach wie vor zu wenige. Zudem müssen diese Angebote die berufliche Erfahrung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer berücksichtigen und einbeziehen. Studieninteressierte müssen auch besser über Möglichkeiten der Anrechnung informiert werden – und die Hochschulen den von der Kultusministerkonferenz (KMK) eröffneten Rahmen zur Anrechnung auf bis zu 50 Prozent eines Curriculums weit stärker nutzen.

Durchlässigkeit in beide Richtungen fördern

Durchlässigkeit bedeutet nicht nur Wege von der beruflichen Bildung in die Hochschulen – sondern auch von der Hochschule in die berufliche Bildung. Diese ist nicht nur für Studienabbrecherinnen und -abbrecher wichtig, die nach ihrem Abbruch eine duale Ausbildung aufnehmen und für die es auch in der höheren Berufsbildung attraktive Angebote gibt. So ist es bspw. möglich, dass Studienabbrecher mit mindestens 90 erworbenen ECTS und zwei Jahren Berufserfahrung direkt die Aufstiegsfortbildungsprüfung zum/zur Handelsfachwirt/in absolvieren können.

Auch für Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit Abschluss ist die berufliche Bildung attraktiv. Hier sind alle Beteiligten – Hochschulen, Unternehmen, Akteure der Berufsbildung – in der Pflicht, verstärkt über die Möglichkeit einer Ausbildungszeitverkürzung bzw. des unmittelbaren Einstiegs in die berufliche Fortbildung statt Ausbildung zu informieren. Gelungene Beispiele sind die Architektin, die sich nach Abschluss des Studiums über eine Qualifizierungsprüfung zur Gebäudeenergieberaterin Handwerkskammer (HWK) weiterqualifiziert, der BWL-Absolvent, der die Fortbildungsprüfung zum Bilanzbuchhalter ablegt oder die Absolventin eines Pädagogikstudiums, die eine Fortbildung zur Berufspädagogin absolviert.

Neue Formen der strukturierten Verzahnung ausprobieren

Auch für neue Formen der Verzahnung sollten sich die beiden Bildungsbereiche, wo dies Sinn macht, öffnen. Ein interessantes Modell ist die studienintegrierende Ausbildung mit einer gemeinsamen beruflich-akademischen Orientierungsphase. So ein Modell hat den Vorteil, dass sich die Auszubildenden erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden müssen, ob sie ihre Ausbildung fortsetzen, in ein duales Studium wechseln oder sich für ein Vollzeitstudium entscheiden.

BDA setzt sich für ein durchlässiges Bildungssystem ein

Gemeinsam mit der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und dem Stifterverband für die deutsche Wissenschaft hat die BDA das „Expertenforum Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung“ ins Leben gerufen. Hier tauschen sich Expertinnen und Experten aus beruflicher und hochschulischer Bildung, Forschungsinstituten, Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, Bund und Ländern regelmäßig aus, diskutieren neue Ansätze und informieren über Best Practices. In der AG „Durchlässigkeit“ im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hatte die BDA bei der Entwicklung neuer den Vorsitz.


10. November 2020

Durchlässigkeit

Arbeitgeberportal