

MINT-Report 2026
Die MINT-Fachkräftelücke beträgt im März 2026 rund 133.900 Personen. Der MINT-Fachkräftemangel birgt ein enormes Risiko für den Wohlstand und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Er lässt sich nur durch eine massive, koordinierte Kraftanstrengung aller gesellschaftlichen Akteure eindämmen. Notwendig ist ein Bündel strategischer Maßnahmen entlang der gesamten Bildungskette, welches es ermöglicht alle Potenziale, z. B. von Frauen, Älteren und Zugewanderten, zu heben.
Berlin, 5. Mai 2026. Trotz der wirtschaftlichen Krise bestehen weiterhin Fachkräfteengpässe in den MINT-Berufen. 133.900 MINT-Arbeitsplätze können aktuell rechnerisch nicht besetzt werden. Dies geht aus dem heute veröffentlichten MINT-Report hervor. Die MINT-Facharbeiterberufe (Berufsausbildung) bilden mit rund 77.400 Personen im März 2026 die größte Engpassgruppe, gefolgt von rund 44.200 Personen in den sogenannten MINT-Expertenberufen (Akademiker) sowie rund 12.300 im Bereich der Spezialisten- beziehungsweise Meister- und Technikerberufe. Die größten Engpässe bestehen in Energie-/Elektroberufen (rund 48.900), in den Berufen der Metallverarbeitung (26.500), in den Bauberufen (26.400) sowie in den Berufen der Maschinen- und Fahrzeugtechnik (22.900).
Engpässe werden sich weiter verschärfen, da demografiebedingt im Jahr 2034 rund 138.600 MINT-Beschäftigte weniger am Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden
„Auch in den aktuell wirtschaftlich schwierigen Phasen bleibt die Gesamtbeschäftigung in MINT-Berufen konstant“, sagt Prof. Dr. Axel Plünnecke, Leiter des Themenclusters Bildung, Innovation und Migration am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). „Umso bedrohlicher ist, dass in unserem Basisszenario demografiebedingt im Jahr 2034 rund 138.600 MINT-Beschäftigte weniger am Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Während die MINT-Beschäftigung von 2014 bis 2024 noch um 12,4 Prozent gestiegen ist, dürfte im darauffolgenden Jahrzehnt wegen des Fachkräftemangels die Beschäftigung um 1,8 Prozent abnehmen.“ Der MINT-Report zeigt: Für die kommenden Jahre ist es entscheidend, alle MINT-Potenziale zu heben. Gelingt es, mehr Frauen für MINT zu gewinnen, Ältere länger im Arbeitsmarkt zu halten und die bereits bestehende Zuwanderung in MINT-Berufe weiter zu erhöhen, kann im Optimalszenario die Beschäftigung in den MINT-Berufen bis 2034 um 263.000 steigen – ein Plus von 3,3 Prozent. „Auch dies würde die künftigen Wachstumsperspektiven der Volkswirtschaft zwar weiterhin stark hemmen, aber zumindest nicht vollständig ausbremsen“, so Plünnecke.
Notwendige Maßnahmen für die mittlere Frist
Das zukünftige MINT-Fachkräfteangebot ist ausschlaggebend dafür, ob die MINT-Beschäftigung weiter zunehmen kann. Mittelfristig – in einem Zeitraum von zehn Jahren – sind die im Optimalszenario gewonnenen Fachkräftepotenziale von Frauen, Älteren und Zuwandernden entscheidend. Um die MINT-Potenziale der Frauen zu heben, müssen die im gesamten Bildungssystem vorhandenen MINT-Kompetenzen junger Frauen besser gewürdigt und sichtbar gemacht werden. Zusätzlich sind Mentoringprogramme und eine Stärkung der klischeefreien Berufs- und Studienorientierung nötig. Für die Potenziale Älterer sind mehr bedarfsgerechte Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Anreize für einen späteren Renteneintritt erforderlich. Schnellere bürokratische Prozesse bei der Zuwanderung und eine nachhaltige Ausweitung der Maßnahmen zur Begleitung internationaler Studierender und Auszubildender können helfen, mehr qualifizierte Zuwanderinnen und Zuwanderer zu gewinnen.
MINT-Fachkräftesicherung: Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Der MINT-Fachkräftemangel birgt ein enormes Risiko für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit. Er lässt sich nur durch eine massive, koordinierte Kraftanstrengung aller gesellschaftlichen Akteure eindämmen. Notwendig ist ein Bündel strategischer Maßnahmen entlang der gesamten Bildungskette:
◼ MINT-Basis konsequent absichern: In der frühkindlichen Bildung und in der Schule, einschließlich dem Ganztag, müssen Basiskompetenzen, insbesondere Sprachkompetenz als Fundament gewährleistet und ausgebaut werden. Die Wirkung bildungspolitischer Maßnahmen kann nur auf der Basis verlässlicher Daten und verbindlicher Ziele gemessen werden. Bei der Mittelvergabe sollte der Sozialindex berücksichtigt werden, um Chancengerechtigkeit zu stärken.
◼ Digitalisierung voranbringen: Die Digitalisierung an Schulen muss ausgebaut werden. Schulen benötigen eine praxisnahe und entlastende IT-Unterstützung, zeitgemäße Ausstattung und verlässliche Kooperationen mit außerschulischen MINT-Angeboten. KI als maßgebliche Zukunftskompetenz muss fächerübergreifend in den Unterricht integriert werden.
◼ Fokus MINT-Unterricht stärken: Die mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Schwerpunkte an den Schulen müssen besonders gefördert werden. Unterrichtskonzepte sollten weiterentwickelt werden, um das Interesse und die Motivation an MINT-Inhalten zu stärken. Digitalisierung und KI-Unterstützung können hier einen wertvollen Beitrag leisten.
◼ Lehrkräftemangel bekämpfen: Um eine zeitgemäße und praxisnahe MINT-Bildung zu gewährleisten, müssen mehr Lehrkräfte gewonnen und gehalten werden. Aus- und Fortbildung von Lehrkräften müssen den Anwendungsbezug in den Mittelpunkt rücken und Digitalisierung und KI als verpflichtende Bestandteile zeitgemäßer Bildung berücksichtigen. Zusätzlich sollten multiprofessionelle Teams ausgebaut werden, um Lehrkräfte – etwa bei der Umsetzung digitaler Konzepte – gezielt zu unterstützen.
Studie ansehen: Hier klicken.
Über den MINT-Report
Der MINT-Report wird zweimal jährlich vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellt. Die Studie entsteht im Auftrag folgender Mitglieder des Nationalen MINT Forums: Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Arbeitgeberverband Gesamtmetall und Die Nationale Initiative „MINT Zukunft schaffen!“.



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