Teilzeitarbeit

Teilzeit flexibel gestalten

Teilzeitbeschäftigung gibt Arbeitnehmern die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit an ihre individuellen Bedürfnisse anzupassen und fördert damit auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Fast ein Drittel der Erwerbstätigen gibt familiäre Pflichten als Grund für eine Teilzeittätigkeit an, wie die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Personen. Bei den teilzeitbeschäftigten Frauen sind es sogar 54 Prozent (Destatis, Qualität der Arbeit, 2012, S. 33). Darüber hinaus arbeiten 14,7 Prozent der Teilzeitbeschäftigten aus Gründen der Aus- und Weiterbildung nicht in Vollzeit.

Reduzierung der Arbeitszeit

Ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht, kann unter bestimmten Bedingungen einseitig eine Reduzierung seiner Arbeitszeit verlangen. Der Anspruch besteht in Unternehmen mit in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmern. Der Arbeitnehmer muss sich mindestens drei Monate im Vorfeld mit seinem Verlangen an den Arbeitgeber wenden. Er kann über den Umfang der Verringerung und über die Lage seiner Arbeitszeit entscheiden.

Der Arbeitgeber hat mit dem Arbeitnehmer dessen Wunsch mit dem Ziel zu erörtern, eine entsprechende Vereinbarung zu treffen. Grundsätzlich hat er dem Verringerungswunsch zuzustimmen, es sei denn, es stehen betriebliche Gründe entgegen. Das können Beeinträchtigungen der Organisation, des Arbeitsablaufs oder der Sicherheit im Betrieb sein, soweit diese wesentlich sind oder wenn die Teilzeittätigkeit unverhältnismäßige Kosten verursachen würde. Dabei hat der Arbeitgeber grundsätzlich auch Arbeitnehmern in leitenden Positionen Teilzeitarbeit zu ermöglichen. In der Praxis hat diese Regelung für Unternehmen einen hohen Verwaltungsaufwand geschaffen. Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer seine Entscheidung einen Monat vor dem gewünschten Beginn der Teilzeittätigkeit schriftlich mitzuteilen. Unterlässt er das, beginnt automatisch die Teilzeittätigkeit in der gewünschten Form, selbst dann, wenn gar keine Einigung zwischen den Parteien erzielt wurde.

Wunsch auf Verlängerung der Arbeitszeit

Teilzeitbeschäftigte haben einen Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber sie auf Wunsch bei der Besetzung vorhandener freier Arbeitsplätze mit einem entsprechend höheren Arbeitszeitvolumen bevorzugt berücksichtigt. Der Arbeitgeber muss keinen solchen Arbeitsplatz mit höherer Stundenzahl schaffen. Er muss aber dann tätig werden, wenn ein dem Wunsch des Teilzeitbeschäftigten entsprechender freier Arbeitsplatz besteht. Dem Verlängerungswunsch des Arbeitnehmers kann er dann nur „dringende betriebliche Gründe“ entgegenhalten. Die Rechtsprechung macht bei der Durchsetzung des Anspruchs auf Verringerung der Arbeitszeit und dem bloßen Wunsch auf Verlängerung der Arbeitszeit zu Lasten des Arbeitgebers keinen erkennbaren Unterschied mehr, ob der Arbeitgeber diesem „betriebliche“ oder „dringende betriebliche“ Gründe entgegenhalten muss. Das ist hochproblematisch. Denn für Arbeitgeber ist die Beständigkeit der Arbeitszeiten seiner Arbeitnehmer unerlässlich, um den betrieblichen Alltag und die Bearbeitung von Aufträgen organisieren zu können.

pro-rata-temporis-Grundsatz

Lediglich § 23 S. 4 KSchG folgt dem pro rata temporis-Grundsatz bei der Zählung von Teilzeitkräften hinsichtlich kündigungsschutzrelevanter Sachverhalte. Danach werden Arbeitnehmer mit einer Arbeitszeit bis zu 10 Wochenstunden mit dem Faktor 0,25 berücksichtigt, bei bis zu 20 Wochenstunden mit dem Faktor 0,5 und bei bis zu 30 Wochenstunden mit dem Faktor 0,75. Das ist sinnvoll und notwendig für jeden Schwellenwert. Denn Unternehmen mit vielen Teilzeitkräften werden benachteiligt, wenn gesetzliche Schwellenwerte bei der Beschäftigtenzahl die jeweilige wöchentliche Arbeitszeit der Mitarbeiter unberücksichtigt lassen. Dies steht dem Ziel der Förderung der Teilzeitarbeit entgegen.