Nov

11

Tarifplanspiel …

Von Mareike Krug und Stefan Voßhage

Vorletzte Woche nahmen wir beide an dem Tarifplanspiel von GESAMTMETALL teil. Der Dachverband der Metall- und Elektroindustrie bietet das Tarifplanspiel für Verbandsmitarbeiter in der Regel einmal im Jahr an, damit vor allem neue Verbandsmitarbeiter die verschiedenen Phasen einer Tarifverhandlung kennenlernen. Neben uns beiden gab es noch 14 weitere Teilnehmer, so dass 8 Teilnehmer die Seite der Arbeitgeber und die anderen 8 Teilnehmer die Arbeitnehmerseite vertraten. Wir beide waren auf der Arbeitgeberseite. Das Tarifplanspiel dauerte insgesamt 2 Tage und es wurde - wie auch bei echten Tarifverhandlungen - bis spät in die Nacht diskutiert und verhandelt. Weil alles so realitätsnah wie möglich sein sollte, wurde sogar ein Kamera- und Journalistenteam organisiert, die die jeweiligen Verhandlungsführer vor und nach jeder Verhandlungsrunde interviewten und Pressestatements herausgegeben haben. Nach einer kurzen Kennenlernrunde erhielten wir von den beiden GESAMTMETALL- Mitarbeitern Dr. Michael Stahl und Dr. Thomas Vajna eine Einführung in die Struktur und den Ablauf von Tarifverhandlungen. Zudem bekamen wir als Grundlage für die Verhandlungen alle notwendigen Wirtschaftsprognosen für das Jahr 2014, insbesondere Daten über die wirtschaftliche Lage der Metall- und Elektroindustrie und über die letzten Tarifabschlüsse. Im Anschluss zogen sich die Gruppen in ihre Räume zurück, um die Besetzung der Funktionen innerhalb der Gruppe vorzunehmen und eine erste Strategie zu besprechen. Am ersten Abend hatte vor allem die Arbeitnehmerseite zu tun, da sie den ersten Schritt machen und der Arbeitgeberseite ihre Forderung vorlegen musste. Wie von uns erwartet, fiel diese ganz schön happig aus: Erhöhung der Entgelte um 7 Prozent plus 3 (nicht weniger günstige) Nebenforderungen. Nachdem wir uns die Forderungen angehört hatten, ging es zurück in die Arbeitsräume. Nun mussten wir uns überlegen, wie wir auf diese Forderungen reagieren und was für ein Angebot wir der Arbeitnehmerseite am nächsten Tag vorlegen wollen.


Am darauffolgenden Tag begann „Runde 2“ in dem Tarifplanspiel 2013. Wir teilten der Gewerkschaft unsere Ansichten mit, ohne jedoch zunächst ein eigenes Angebot zu unterbreiten. Nach unserer Darstellung kam es zu der erwarteten Diskussion zwischen den Parteien. Diese blieb weitestgehend sachlich, aber bereits hier kam es zu ersten „Gefühlsausbrüchen“. Da weder die zweite noch die dritte Runde zu einem Ergebnis führte, legte die Arbeitgeberseite in der vierten Runde ein Angebot vor, welches natürlich als „unverschämt“ zurückgewiesen wurde. Auch die nächsten zwei weiteren Runden waren zwar von Emotionen getragen, brachten jedoch keine Ergebnisse zu Tage. Aus diesem Grund einigten wir uns, die Nebenforderungen in sog. Arbeitsgruppen zu besprechen. Hier folgten konstruktive „8-Augengespräche“. Alle Parteien kamen so zu annehmbaren Ergebnissen.

Und so war es am Ende Sache der Verhandlungsführer, in einem „4-Augengespräch“ (welches gut eine Stunde dauerte), über eine realistische Gehaltserhöhung zu beraten. Auch diese Verhandlung war letzten Endes von Erfolg gekrönt. Aufgrund des guten Miteinanders gelang es uns etwa um 24:00 Uhr einen Tarifabschluss zu erzielen. Als zentrales Element einigten wir uns auf eine Lohnerhöhung von 4,2 Prozent bei einer Laufzeit von 14 Monaten.

An dieser Stelle sei noch einmal auf den enormen Lehrwert der Veranstaltung hinzuweisen. Der „Spielecharakter“ war bereits nach der ersten Tarifrunde verflogen und wir befanden uns dementsprechend in einer realen Situation. Darum gilt unser Dank, neben der BDA, dem Arbeitgeberverband GESAMTMETALL.

Bis bald, Mareike Krug und Stefan Voßhage

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