15.11.2016

Deutscher Arbeitgeberpreis für Bildung 2016 geht an Institutionen in Bayern, Hessen und Sachsen-Anhalt – Fokus auf Integration von Flüchtlingen

Heute wurde der Deutschen Arbeitgeberpreis für Bildung verliehen. Ulrich Weber, Personalvorstand der Deutschen Bahn AG, und Dr. Christian P. Illek, Personalvorstand der Deutschen Telekom AG, haben auf dem Deutschen Arbeitgebertag die herausragenden Leistungen in der Bildungsarbeit prämiert.
Die Preise sind mit je 10.000 Euro dotiert und wurden in den Kategorien frühkindliche, schulische, berufliche und hochschulische Bildung vergeben.

Der Arbeitgeberpreis für Bildung 2016 stand unter dem Motto: „Chance Vielfalt! Bildung für gelingende Integration – Fokus Flüchtlinge“. Die ausgezeichneten Institutionen zeigen beispielhaft, wie Integration nachhaltig unterstützt, Talente entfaltet und Vielfalt gefördert werden kann.

Die Preisträger sind:
  • Kategorie „Frühkindliche Bildung“: Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg, Sachsen-Anhalt
  • Kategorie „Schulische Bildung“: Westerwaldschule Waldernbach, Hessen
  • Kategorie „Berufliche Bildung“: Berufliche Schulen Altötting / Bayern
  • Kategorie „Hochschulische Bildung“: Hochschule Magdeburg-Stendal, Sachsen-Anhalt


BDA-Vizepräsident und Juryvorsitzender Dr. Gerhard F. Braun erklärt: „Durch die steigende Mobilität und die Aufnahme von Flüchtlingen wird Deutschland vielfältiger und internationaler. Das ist für uns Herausforderung und Chance zugleich. Voraussetzung dafür, dass Zugewanderte ihre Potenziale entfalten können, ist die Integration in unsere Gesellschaft und in unser Wertesystem. Das gilt vor allem für junge Menschen. Darum haben wir uns beim diesjährigen Arbeitgeberpreis für Bildung sehr bewusst für das Thema „Chance Vielfalt! Bildung für gelingende Integration“ entschieden.“

Ulrich Weber, Personalvorstand der Deutschen Bahn, betont: „Für viele Flüchtlinge liegt die erste große Hürde beim Spracherwerb. Die Sprache ist der Schlüssel zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Wir brauchen auf allen Bildungsstufen besonderes Engagement, damit jungen Menschen später der Übergang in Ausbildung und Beruf gelingt. Mit unserer diesjährigen Ausschreibung haben wir Best-Practice-Beispiele gesucht, die zeigen, wie Integration erfolgreich gestaltet werden kann.“

Dr. Christian P. Illek, Personalvorstand der Deutschen Telekom AG, ergänzt: „Vielfalt ist ein Innovationstreiber. Unterschiedliche Perspektiven fördern neues Denken und Handeln. Hier liegt für unseren Wirtschaftsstandort und für uns alle eine große Chance. Wir brauchen Kitas, Schulen, Berufsschulen und Hochschulen, die Integration fördern und gleichzeitig Diversität und Individualität stärken. Die Preisträger haben hier eine wichtige Vorbildfunktion und werden hoffentlich viele Nachahmer finden.“

Informationen zu den Preisträgern:

Frühkindliche Bildung: Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg, Sachsen-Anhalt

Die Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg ist ein anerkannter Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Mit der Fachstelle „Integration und Migration“ werden 22 Kindergärten und Horte unterstützt. Das Aufgabenspektrum reicht von der interkulturellen Sensibilisierung der Erzieherinnen und Erzieher bis zur Beratung der Eltern und zur Bereitstellung von Hintergrundinformationen zu Asyl, Flucht, Traumatisierung, Religionsvielfalt und Sprachförderung. Dies kommt den 2.800 Kindern zugute, die aktuell in den Einrichtungen spielen und lernen.

12 Prozent von ihnen haben einen Migrationshintergrund, rund 80 Kinder haben einen Fluchthintergrund. Die Kinder nutzen kultursensibles Spiel- und Lernmaterial. Für die Familien stehen mehrsprachige Informationsbroschüren zur Verfügung. Die Eltern mit und ohne Migrationshintergrund werden in die Arbeit eingebunden, u.a. auch durch ein interkulturelles Elterncafé. Für das eigene pädagogische Personal bietet der Träger ein umfangreiches Qualifizierungsprogramm an – auch die Vertiefung der Englischkenntnisse gehört dazu. Der Einsatz von Dolmetschern wird durch „Eltern-Dolmetscher-Pool“ ermöglicht und bei Bedarf werden Eltern bei Behördengängen durch „Elternpatenschaften“ unterstützt.

Schulische Bildung: Westerwaldschule Waldernbach, Hessen

An der Westerwaldschule lernen aktuell über 450 Schülerinnen und Schüler, etwa ein Drittel hat einen Migrationshintergrund, über 20 Kinder sind als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Die Schule setzt darauf, Flüchtlingskinder nicht nur in Integrationsklassen zum schnellen Spracherwerb zu führen, sondern sie von Anfang an in eine Regelklasse zu integrieren. Für jedes Kind gibt es eine Diagnostik, regelmäßige Entwicklungsgespräche, Förderpläne und Zielvereinbarungen. Die Eltern sind nachhaltig einbezogen. Die Ganztagsschule macht vielfältige Angebote am Nachmittag, die allen offen stehen. Schulfeste nehmen die Herkunftsländer der Flüchtlinge in den Blick. Die Lehrkräfte bilden sich regelmäßig fort. Engagierte Schülerinnen und Schüler erhalten für besonderes soziales Engagement ein Sozialzertifikat, in diesem Jahr wurden auch vier Flüchtlingskinder ausgezeichnet. Die Berufsorientierung beginnt ab Klasse 5 und erfasst alle Fächer und Jahrgänge. Die schulinterne Berufsmesse und die Praxisnähe sind möglich durch ein enges Netzwerk der Schule mit Patenfirmen; sie hat dafür das Berufswahl-SIEGEL erhalten.

Berufliche Bildung: Berufliche Schulen Altötting, Bayern

An den Beruflichen Schulen Altötting lernen aktuell knapp 2.800 Schülerinnen und Schüler, 11 Prozent davon haben einen Migrationshintergrund. Für die Integration von aktuell 250 Flüchtlingen haben die Beruflichen Schulen Altötting ein besonders systematisches Konzept etabliert, das einen wissenschaftlichen Ansatz verfolgt. Ziel ist die Berufsorientierung und die erfolgreiche Einmündung in Ausbildung oder Beschäftigung. Das didaktische Konzept des Kompetenzrasters ermöglicht eine individuelle Förderung und stellt durch IST-Analysen die Transparenz der Lernfortschritte für Lernende, Lehrende und Betriebe her. Die Anlehnung an Konzepte systematischer Personalentwicklung in Unternehmen ist deutlich erkennbar. Darüber hinaus geht bei der Integration auch der erzieherische Aspekt nicht verloren, so wird u.a. ein starker Fokus auf Wertevermittlung gelegt und Soft Skills gezielt gefördert. Das Konzept wird kontinuierlich evaluiert und ist Teil des Modellprojekts „Perspektive Beruf für Asylbewerber und Flüchtlinge“ der Stiftung Bildungspakt Bayern und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

Hochschulische Bildung: Hochschule Magdeburg-Stendal, Sachsen-Anhalt

Mit ihrer Initiative „Integration von politischen Flüchtlingen mit akademischen Hintergründen bzw. Ambitionen" ist die Hochschule Magdeburg Stendal eine der ersten Hochschulen bundes- und europaweit, die ein nachhaltiges Konzept für geflüchtete Menschen mit Hochschulzugangsberechtigung anbietet. Studieninteressierte Geflüchtete durchlaufen ein mehrstufiges Programm: Nach Einzelgesprächen mit Eignungsinterviews werden ihre Qualifikationen überprüft. Sind Dokumente unvollständig und können nicht vorgelegt werden, wird eine Feststellungsprüfung durchgeführt. Ist diese Hürde genommen, stehen den Studieninteressierten unterschiedliche Integrationsangebote vom Buddy-Programm, über Gasthörerschaft bis zur psychosozialen Begleitung und zur Summer School zur Studienvorbereitung und ein einjähriger studienvorbereitender Intensivsprachkurs mit dem Zielniveau C1 offen. Auch bei der späteren Bewerbung und beim Übergang ins Studium werden sie unterstützt. Das Integrationskonzept ist Teil der Gesamtstrategie der Hochschule, wird wissenschaftlich begleitet und baut auf einem breiten regionalen und bundesweiten Kooperationsnetzwerk.

PRESSE - INFORMATION Nr. 051/2016, 14. November 2016

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