Flüchtlinge

Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt voranbringen

Zwischen 2015 und 2018 sind ca. 1,52 Mio. Asylerstanträge in Deutschland gestellt worden (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Asylzahlen, Juli 2019). Viele dieser Menschen, denen wir humanitären Schutz vor Krieg, Vertreibung und politischer Verfolgung gewähren, werden für längere Zeit oder für immer in Deutschland bleiben. Ein Arbeitsplatz mit sicherem Einkommen ist der zentrale Ansatzpunkt für ihre Integration. Es ist deshalb wichtig, schnell mit der Integration in den Arbeitsmarkt zu beginnen und so die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Die Erwartungen sollten aber auch realistisch sein: Die Arbeitsmarktintegration der Geflüchteten braucht Zeit.

Arbeitsmarktintegration fördern, schnelle Klarheit für Bleiberecht schaffen

Anerkannte Geflüchtete, Asylbewerberinnen und Asylbewerber, die nicht aus einem sicheren Herkunftsland kommen und Geduldete ohne Arbeitsverbot müssen schnellstmöglich in Schulbildung, Ausbildung und Beschäftigung integriert werden. Das ist eine wesentliche Voraussetzung zur dauerhaften Integration und zügigen Beendigung des Bezugs von Sozialleistungen. Dazu ist es erforderlich, Asyl- und eventuell anschließende Klageverfahren schnell durchzuführen, damit Klarheit über die Bleibeperspektive der Betroffenen herrscht. Denn unzweifelhaft ist auch: Wer keinen Schutzgrund hat, muss das Land wieder verlassen. Für Geduldete, die ihre Ausreise nicht durch eigenes Verhalten verhindern, diese aber trotzdem nicht möglich ist, sollten die Bleiberechtregelungen wie z. B. die Beschäftigungsduldung genutzt werden.

Sprachförderung und Zugang zu Bildung von Geflüchteten zielgenau stärken

Der Erwerb der deutschen Sprache gehört zu den zentralen Voraussetzungen für die Integration von Geflüchteten und ihre späteren Berufschancen. Entscheidend ist eine zielgruppengerechte, qualitativ hochwertige und ausreichende Sprachförderung. Mit einer Kombination aus Sprach- und Orientierungskurs, der auf das Leben in Deutschland vorbereiten soll, bilden die Integrationskurse hierbei den ersten Baustein. Dabei ist sicherzustellen, dass ausreichende Kapazitäten für die Integrationskurse, insbesondere im ländlichen Raum zur Verfügung stehen. Der gezielte Ausbau der berufsbezogenen Sprachkurse, der auf die Integrationskurse aufbauen soll, ist der nächste Baustein, um die allgemeine Sprachkompetenzen weiterzuentwickeln und branchenspezifische Fachsprache zu erlernen.

Grundlage für die Integrationspolitik sollte immer das „Prinzip des Förderns und Forderns“ sein: Die Teilnahme am Integrationskurs sollte deshalb auch verpflichtend sein. Denn Integration bedeutet auch, dass die Aufnahmegesellschaft die Erwartungen an die Aufgenommen klar formuliert. Neben dem Erlernen der deutschen Sprache ist es unabdingbar, dass Geflüchtete die Werte der demokratischen Gesellschaft und die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung und Toleranz kennenlernen und anerkennen.
Kinder und Jugendliche gilt es frühzeitig in das Bildungssystem zu integrieren. Kitas, Schulen, Berufsschulen und Bildungszentren müssen mit den nötigen Ressourcen, Erziehungs- und Lehrkräften ausgestattet werden. Notwendig ist zudem eine bundesweite Schulpflicht nach drei Monaten Aufenthalt und eine Sprachförderung, die bereits in den Erstaufnahmeeinrichtungen beginnt.

Aktives Engagement der Wirtschaft für die Integration der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt

Die Arbeitgeber engagieren sich vielfältig für die erfolgreiche Integration von Geflüchteten. Die Aktivitäten reichen vom sozialen Engagement bis zur Bereitstellung von Praktikums-, Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Monat für Monat schaffen immer mehr Geflüchtete den Sprung in eine Ausbildung oder Beschäftigung. Fast ein Viertel der Unternehmen hat in den vergangenen drei Jahren Flüchtlinge qualifiziert und beschäftigt. Die Entwicklung zeigt sich auch in der Zahl der Geflüchteten in Beschäftigung: Die Zahl der Beschäftigten aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern ist im Sommer 2019 auf 400.000 gestiegen.

Rechts- und Planungssicherheit in der Ausbildung für bessere Integrationschancengewährleisten –

Da die Mehrheit der Geflüchteten unter 30 Jahre alt ist, stehen sie noch am Anfang ihres Berufslebens. Das junge Alter ist eine Chance, da viele Geflüchtete für eine duale Berufsausbildung in Betracht kommen. So können ihre Qualifikationen in der Berufsschule ausgebaut und mit der Praxis aus dem Berufsalltag kombiniert werden. Für Arbeitgeber ist es wichtig, dass Auszubildende während ihrer Berufsausbildung nicht abgeschoben werden können. Die mit dem Integrationsgesetz im August 2016 eingeführte Ausbildungsduldung (sog. 3+2-Regelung) für abgelehnte Asylbewerberinnen und -bewerber sowie Geduldete für die gesamte Dauer der Ausbildung und zwei weitere Jahre bei Beschäftigungsaufnahme bzw. sechs Monate zur Arbeitsplatzsuche nach der Ausbildung verbessert die Integrationschancen in Ausbildung deutlich. . Dabei ist eine bundesweit abgestimmte und transparente Anwendungspraxis dieser Regelung entscheidend, um effektive Rechtssicherheit für Ausbildungsbetriebe und Auszubildende zu schaffen.

Die Fördermöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit sind für viele Jugendliche – Geflüchtete wie Einheimische – wesentlich, um den Weg einer (duale) Ausbildung zu unterstützen. Die erfolgte Öffnung der Instrumente der Ausbildungsförderung ist deshalb ein deutlicher Fortschritt. Wichtig ist zudem eine kontinuierliche, individuelle Begleitung vor und während der Ausbildung oder berufsbegleitenden Qualifizierung (z. B. über Teilqualifizierungen) durch einen „Kümmerer“, der als zentraler Ansprechpartner – auch für den Arbeitgeber – fungiert.

Dauerhafte Lösung nur gesamteuropäisch möglich

Die EU steht in der Asyl- und Flüchtlingspolitik weiterhin vor immensen Herausforderungen, die nur gemeinsam geschultert werden können. Ein abgestimmtes Vorgehen innerhalb der Europäischen Union (EU) für eine gerechte Lastenteilung zwischen den Mitgliedstaaten, eine wirksame Sicherung der EU-Außengrenzen, finanzielle Unterstützung für die Staaten in den Herkunftsregionen, wohin die mit Abstand meisten Menschen geflohen sind, sowie eine effektive Bekämpfung der Fluchtursachen sind dringend notwendig für die Bewältigung der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen.
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