07.04.2020

Finanzierungshilfen schnell und wirksam ergänzen

Das neuartige Corona-Virus hat sich bereits tief in die Wirtschaft gefressen. Bislang sehen wir nur die Spitze des Eisbergs, der weitaus größere Teil liegt noch vor uns.
KOMMENTAR DER WOCHE

Von Dr. Holger Bingmann,
Präsident Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen


Regierung und Parlamente haben in bemerkenswerter Geschwindigkeit einen gigantischen Schutzschirm zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus aufgespannt. Für den Erfolg aller stabilisierenden Maßnahmen wird entscheidend sein, dass die beschlossenen finanziellen Hilfspakte die Unternehmen auch erreichen, insbesondere den breiten Mittelstand, aber auch dass die Lieferketten nicht reißen.

Störungen in globalen Lieferketten, dramatische Auftragseinbrüche, Arbeitsausfälle und Einschränkungen von betrieblichen Tätigkeiten durch behördliche Maßnahmen stellen die Unternehmen vor unübersehbare Herausforderungen. Vielen Unternehmen steht das Wasser bereits bis zum Hals und bleiben nur noch wenige Tage Zeit. Daher gilt es nun vordringlich, die Stolpersteine und Fallstricke bei der Umsetzung zu identifizieren, die einem schnellen Durchreichen der Hilfen an die Unternehmen im Wege stehen, und die Lücken im Hilfsnetz zu schließen.

So müssen die Finanzierungshilfen schnell und wirksam ergänzt werden. Der Sicherung der Liquidität über die schnelle und unbürokratische Finanzierung und der Absicherung von Forderungen sind dabei zentrale Bedeutung beizumessen.

Ebenso brauchen die Unternehmer beispielsweise Klarheit, dass sie nicht auf den Kosten sitzenbleiben, wenn ihre Mitarbeiter wegen der Schul- und Kitaschließungen zur Betreuung ihrer Kinder nicht arbeiten können. Darüber hinaus müssen sie dort, wo die Auftragslage krisenbedingt steigt, zeitlich flexibel arbeiten dürfen. Hier brauchen wir eine bundesweit einheitliche Lockerung der Vorschriften zur Höchstarbeitszeit und Sonntagsarbeit.

Auch mit Blick auf den Weg aus dieser Krise ist es entscheidend, wie es uns gelingen wird, die Grenzen des europäischen Binnenmarktes offen zu halten. Insbesondere mit Blick auf die Personenfreizügigkeit und Warenverkehrsfreiheit sehen wir die Entwicklungen in der EU mit großer Sorge. Umso mehr begrüßen wir das nun angestrebte, abgestimmte Vorgehen der EU-Mitgliedsstaaten. Dies ist dringend nötig, denn schließlich ist die EU unser größter Handelspartner.

Damit der schnelle Wiederaufstieg gelingen kann, müssen aber endlich strukturelle Defizite ebenfalls angegangen werden. Die Bundesregierung sollte die Unternehmensbesteuerung – hier liegt Deutschland mit über 30 Prozent inzwischen mit Belgien weltweit an der Spitze der Besteuerung – reduzieren.

Wir müssen den Unternehmern und ihren Mitarbeitern die Angst vor der existenziellen Bedrohung nehmen. Es ist schon psychisch sehr belastend, mit der gesundheitlichen Problematik in den Familien und Betrieben fertig zu werden. Jetzt gilt es nicht in Panik zu verfallen, sondern alle Kräfte zu mobilisieren und zu bündeln. Die deutsche Wirtschaft war bereits mit vielen Krisen konfrontiert und ist jedes Mal gestärkt daraus hervorgegangen. Das sollte uns Mut machen in der aktuellen Situation.