13.05.2020

Corona: Die Herausforderungen für den Arbeitsmarkt fangen erst richtig an

Die Corona-Krise hat in einem nie dagewesenen Tempo die schwerste Rezession in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands ausgelöst. Die aktuelle Vorausschau des IAB zeichnet ein düsteres Bild. Insgesamt wird für 2020 ein Rückgang des BIP in Deutschland um 8,4% erwartet.
Kommentar der Woche: Prof. Bernd Fitzenberger, PhD, Direktor des IAB

Die Zahl der Erwerbstätigen könnte in der Spitze um rund 1 Million Personen sinken und die Arbeitslosigkeit auf über 3 Millionen Personen ansteigen. Ende April wurde Kurzarbeit für 10 Millionen Beschäftigte angezeigt. Nach aktuellen Umfragen waren im April zwischen 4 und 5 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Angesichts des Risikos einer systemischen Weltwirtschaftskrise könnte es sogar noch schlimmer kommen.

Trotz der Lockerungen des Shutdowns steht die eigentliche Bewährungsprobe für den Arbeitsmarkt noch bevor. Die Krise kennzeichnet eine Kombination von negativen Nachfrage- und Angebotsschocks. Ganze Bereiche der Wirtschaft wurden geschlossen, die Exportnachfrage bricht ein, Lieferketten funktionieren nicht. Aufgrund des Gesundheitsschutzes müssen Arbeitsabläufe geändert werden. Eine Corona-Infektion kann die Arbeitsfähigkeit des Betriebes gefährden. Die Arbeitsproduktivität sinkt und Betriebe geraten in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Um das Überleben zu sichern, sind betriebliche Flexibilisierungspotenziale zu nutzen und Arbeitsabläufe anzupassen. Den Sozialpartnern kommt eine große Rolle im Interessenausgleich zu, denn der Staat wird nicht alle Härten abfangen können.

Sehr schwierig ist die Situation für Stellensuchende und Arbeitsmarkteinsteiger. Es drohen ein Einbruch am Ausbildungsmarkt und ein Rückgang der Übernahme von Auszubildenden. Offene Stellen und Neueinstellungen sind rückläufig. Ein missglückter Einstieg in den Arbeitsmarkt und hohe Jugendarbeitslosigkeit können die weiteren Erwerbsperspektiven nachhaltig verschlechtern. Es ist großer Anstrengung von Wirtschaft und Politik wert, die negativen Auswirkungen auf Stellensuchende und Arbeitsmarkteinsteiger so gering wie möglich zu halten. Angesichts weiterhin bestehender Fachkräfteengpässe werden sie gebraucht. Verlorene Corona-Jahrgänge darf es nicht geben.