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Neues Online-Portal der M+E-Industrie 

Die Nachwuchs-Community

Die Metall- und Elektro-Industrie wirbt seit vielen Jahren mit einem ganzen Bündel an Initiativen und Projekten für die Berufswelt der Branche. Jetzt hat sie das neue Internetportal „Faszination Technik vermitteln“ vorgestellt. Es soll Schulen, Unternehmen und Schüler vernetzen und bei der Berufsorientierung und Berufswahlentscheidung unterstützen.

Steffen Harke war spürbar überzeugt: „Ich werde jetzt als erstes den Kontakt zu meinen Lehrerkollegen herstellen, die mit der Berufsorientierung vertraut sind“, sagte der Fachbereichsleiter für Naturwissenschaften an der Albert-Einstein-Oberschule in Berlin. Er meinte vor allem die Lehrkräfte, die Ver-anstaltungen zur Berufskunde organisieren, bei denen Eltern oder Unternehmensvertreter ihr Berufsfeld Schülerinnen und Schülern vorstellen. „Meine Kollegen haben es dadurch wesentlich leichter, Kontakte herzustellen und gute Angebote zu finden“, so der Pädagoge. Was Harke begeisterte, ist das neue Internetportal „Faszination Technik vermitteln“ der Metall- und Elektro-Industrie.

Dieses Portal wurde Ende Januar 2011 unter der Adresse
www.me-vermitteln.de online gestellt. Der Internetauftritt soll „Informationen über die Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten in der M+E-Industrie verbreiten, die Kommunikation unter Schülern, Lehrern und Unternehmen fördern sowie Kooperationen zwischen Schulen und Ausbildungsstätten entwickeln und ausbauen“, wie Wolfgang Gollub, verantwortlich für die Nachwuchssicherung beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall, erläutert.

Gesamtmetall will eine web-basierte Plattform für Lehrer, Unternehmen und Schüler nach Vorbild der sozialen Netzwerke aufbauen. Gestartet wurde das Portal für Lehrkräfte, Unternehmen und regionale M+E-Verbände. Im Laufe des Jahres wird ein eigenständiges Schülerportal folgen – beide werden dann untereinander vernetzt. Vergleiche mit anderen sozialen Netzwerken, wie beispielsweise Facebook, wollen die Verantwortlichen nicht aufkommen lassen. „Wir wollen mit diesem Lehrerportal eine Gruppe aufbauen, in der wir Schulen, Unternehmen und Verbände aus der Region zusammenbringen, um die Berufsorientierung für Schüler zu optimieren“, sagt Kerstin Bachmann von der IW Medien GmbH, verantwortlich für die M+E-Berufsinformationen. Das eigentliche Ziel dabei: möglichst viele junge Menschen für technische Berufe zu interessieren.

Obwohl sich das jetzt freigeschaltete Portal vornehmlich an Lehrkräfte und Unternehmen richtet, profitieren natürlich auch Schülerinnen und Schüler. So können Lehrer Kontakte zu M+E-Unternehmen in der Region knüpfen, indem sie ihr Interesse für Kooperationen angeben. Sie können aber auch selbst gezielt nach Firmen suchen, die Unterstützung anbieten, beispielsweise in Form von Technikkursen für Schulklassen im Betrieb.

Doch damit nicht genug: Lehrkräfte können auf dem Portal alle Seiteninhalte sammeln und in einem eigenen Portfolio nach Klassen, Schülergruppen und jeweiligem Leistungstand für den Unterricht zusammenstellen, archivieren und später wieder verwenden. Fachbereichsleiter Harke hat das alles ausprobiert und fühlt sich mit den Möglichkeiten des Portals rundum betreut: „Ich kann Kontakte herstellen zu Unternehmen, wenn Schülerinnen und Schüler Praktikumsplätze suchen, ich kann Unterstützung von Unternehmen erbitten, wenn ich in der Schule Projekte durchführen möchte wie Wahlpflichtkurse oder Wettbewerbsteilnahmen von Schülern. Ich kann Unternehmensbesuche organisieren mit größeren Schülergruppen, die interessiert sind. Ich kann das Infomobil anfordern, wenn ich es direkt an der Schule haben oder mit einem Unternehmensbesuch verknüpfen möchte.“

Darüber hinaus gibt es umfassendes Material für die Unterrichtsvorbereitung und zum Einsatz im Unterricht, beispielsweise bereits erprobte Stundenbeispiele, die viele neue Anregungen für den MINT-Unterricht (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) geben. Und es gibt kostenlose M+E-Medien, wie Broschüren, Berufeflyer oder DVDs, die von den Pädagogen in Klassensätzen bestellt werden können. Um all diese Möglichkeiten zu nutzen, ist bei „Faszination Technik vermitteln“, ähnlich wie bei anderen sozialen Netzwerken, eine Registrierung notwendig. Damit kommt man dann auch in den geschlossenen Bereich des Portals. Hier kann jeder Nutzer sein eigenes Profil erstellen und veröffentlichen – dies ist besonders wichtig für Unternehmen bei der Bewerbersuche.

In dem neuen Portal mit seinem Berufe- und Unternehmenskompass lässt sich auch gezielt und einfach nach Ausbildungsberufen und -unternehmen in der Region suchen. Betriebe können ihre Profile mit Beschreibungen des gesamten Ausbildungsangebotes, mit Fotos, Videos oder Downloads von Bewerbungs- und Ausbildungsflyern einstellen und so interessierten Besuchern einen guten Überblick über das Unternehmen vermitteln. Bieten Firmen beispielsweise Praktikumsplätze für Schüler oder Lehrer an oder beteiligen sie sich am Girls‘ Day, könnten sie gezielt nach Schulen suchen, die Interesse an ihren Angeboten haben. Auf diese Weise sollen die direkten Kontakte zwischen Schulen und Unternehmen ausgebaut und die gegenseitige Unterstützung für eine technisch ausgerichtete Berufsorientierung gefördert werden. Letztlich diene dies der Gewinnung geeigneter Lehrstellenbewerber.

Dies sieht auch Christoph Böhmer so. Für den Geschäftsführer des renommierten Berliner Medizintechnik-Unternehmens Biotronik ist das Internetportal „ eine sehr interessante Möglichkeit, Menschen auf uns aufmerksam zu machen“. Böhmer sieht für sein Unternehmen zwei Schwierigkeiten beim Finden von Nachwuchs: „Die eine liegt darin begründet, dass viele junge Menschen uns weder als Firma kennen, noch die Industrie oder den Metallberuf als solchen. Da kann das Portal gute Aufklärungsarbeit leisten. Die andere Thematik ist, dass es natürlich immer weniger Schulabgänger gibt, und auch da hoffen wir, dass diese Art von Informationsquelle dazu beiträgt, dass ein größerer Anteil der Schulabgänger einen Metallberuf wählt.“

Genau das erhoffen sich auch die Verantwortlichen von Gesamtmetall. Seit Jahren versucht man mit unterschiedlichsten Aktivitäten und großem Aufwand, das Interesse für die MINT-Fächer bei Schülern zu steigern. Noch drängender wird das Problem jetzt durch die Demographie: Den Unternehmen der Deutschen Metall- und Elektro-Industrie, der mit Abstand wichtigsten und stärksten Branche des Landes, geht der Nachwuchs aus. So fehlten der Wirtschaft im Oktober vergangenen Jahres rund 84.000 MINT-Fachkräfte und etwa 43.000 Ingenieure. „Wir brauchen aber, um in Deutschland weiter Hochtechnologie produzieren und vor allem auch weiter entwickeln zu können, junge Menschen“, sagt Gabriele Sons, Hauptgeschäftsführerin von Gesamtmetall.

Welche Bedeutung das Thema Berufsorientierung für die Branche haben dürfte, zeigt allein schon die demographische Entwicklung in den nächsten Jahren. So wird es bereits ab 2014 (das ist nur noch ein Ausbildungsjahrgang) einen dauerhaften Rückgang der Schulabgänger in Deutschland geben. Das geschätzte Nachfragepotenzial von interessierten Absolventen nach einer dualen Ausbildung wird sich dann nach Berechnungen von Gesamtmetall gegenüber 2007 um 70.000 Schüler verringern. Dabei beklagt schon heute jedes fünfte Unternehmen einen Bewerberrückgang. „Deswegen“, so Gabriele Sons, „werden wir für die Nachwuchsförderung vieles tun müssen – das wird für uns eines der wichtigsten Themen des nächsten Jahrzehnts.“

Wie wichtig da Betriebsbesuche bei der Berufswahl sein können, zeigte sich übrigens bei einer Schülergruppe der Albert-Einstein-Oberschule, die anlässlich der Portalfreischaltung bei der Firma Biotronik war. „Ich habe so etwas noch nie gemacht“, sagte anschließend der Oberstufen-Schüler Felix Buschbeck, „aber ich glaube, ich habe jetzt eine bessere Vorstellung davon bekommen, was ich später machen möchte. Ich bin mir zwar noch nicht ganz sicher, aber nach dem, was ich hier erfahren habe, wird es mit Informatik zusammenhängen.“
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