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Bericht zur Veranstaltung zum Weltkindertag am 20. September 2010

Für eine bessere Kinderbetreuung - Chancen für Kinder, Chancen für Eltern

Zum Weltkindertag am 20. September 2010 veranstaltete BDA und BDI gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Deutschen Jugendinstitut eine große Tagung zum Thema "Für eine bessere Kinderbetreuung - Chancen für Kinder, Chancen für Eltern" im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin.

Wurde vor 10 Jahren noch über Sinn und Zweck der Betreuung von Kindern unter drei Jahren gestritten, geht es heute nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie der weiteren Ausgestaltung frühkindlicher Förderung. Dies betonte Ministerin Prof. Dr. Johanna Wanka, die als stellvertretende Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung die gemeinsame Tagung von BDA, BDI, Adenauer-Stiftung und Deutschem Jugendinstitut "Für eine bessere Kinderbetreuung - Chancen für Kinder, Chancen für Eltern" im Haus der Deutschen Wirtschaft am 20. September 2010 eröffnete. Bundesministerin Dr. Kristina Schröder hob auf die Unzufriedenheit der Eltern mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ab und bekannte sich zum geplanten Ausbau mit Rechtsanspruch auf Betreuung für 2013. Die Entwicklung der Betreuungsangebote seit Verabschiedung des „Kinderförderungsgesetzes“ zeige, dass das ehrgeizige Ziel, 35% der Unterdreijährigen bis 2013 versorgt zu haben, erreicht werde. Der Bund stellt 4 der benötigten 12 Mrd. € für den Ausbau zur Verfügung, ab 2014 zusätzlich 7 Mrd. € für Betriebskosten – dies sei von der Sparliste ausgenommen.


Dr. Gerhard F. Braun, BDA-Vizepräsident, unterstrich im Gespräch mit Monika Jones die Relevanz einer guten Kinderbetreuung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Dies gelte zum einen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die damit verbundene Entfaltung des Erwerbspotenzials der Eltern, vor allem der Frauen in Führungspositionen. Zum anderen geht es ebenso um eine frühe und wirksame Förderung der Kinder, ihre Bildungs- und Lebenschancen. Hier besteht nach wie vor erheblicher Nachholbedarf in Deutschland. Es ist also viel zu tun - aber die Kommunen sehen sich gerade jetzt in Nöten und kaum in der Lage, die Beschlüsse umzusetzen. Darauf verwies sehr deutlich Uwe Lübking von Deutschen Städte- und Gemeindebund in der anschließenden Diskussionsrunde: Die Kommunen seien schon mit ihren bisherigen Pflichtaufgaben völlig überlastet. Die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Kinderbetreuung würden sie zwar gewährleisten, aber keinesfalls mit der angestrebten Qualität. Die Bundesgelder für die Kommunen kämen bei diesen oft gar nicht an, sondern würden von den Ländern anders eingesetzt. Als Kernproblem geißelte Ilse Wehrmann, Expertin für Frühpädagogik, dass die Qualität der Kinderbetreuung von der Finanzkraft der einzelnen Kommune abhänge und damit die Kluft zwischen den Regionen wie die Ungerechtigkeit der Chancen weiter wachse. Sie forderte bundesweite Qualitätsstandards mit System und Kontrolle. Frau Prof. Dr. Ott bestätigte den Zielkonflikt zwischen Qualität und Quantität und sah eine Umsetzung des Rechtsanspruchs eher für 2020 als 2013.


In der zweiten Podiumsrunde am Nachmittag verwies Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, Direktor des Deutschen Jugendinstituts, darauf, dass Bildung im Kindergarten etwas anderes sei als Schulbildung – lebensweltliche Orientierung sei gefragt, nicht Fächerdenken. Eltern wünschten sich vor allem Zuverlässigkeit und Qualität bei den Einrichtungen; sie brauchen zudem mehr Unterstützung bei der Erziehung z.B. in Familienzentren. Der Kindergarten mit seinem Anregungspotenzial sei für alle Kinder wichtig, nicht nur für bildungsferne Schichten. Eine Pflicht sei aber nicht das richtige Mittel. Gisela Erler vom Familienservice plädierte für mehr Flexibilität und Zusammenarbeit der Angebote je nach Bedarf. Die 160 Teilnehmer aus Kindergärten, Kommunen, Verbänden und Politik diskutierten engagiert mit, insbesondere über den Föderalismus und das Kooperationsverbot sowie pro und kontra Betreuungsgeld.
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