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Über 100 Schulabgänger bekamen schon eine „Nordchance“

Projekt hilft förderbedürftigen Jugendlichen beim Berufsstart

Was tun mit Schulabgängern, die einen Metallberuf suchen und keinen Ausbildungsplatz gefunden haben? Arbeitgeber und Arbeitsagentur haben im Land Bremen seit 2008 eine besonders erfolgreiche Antwort darauf: das Projekt „Nordchance“. Anfang Oktober starteten 30 neue Teilnehmer in die dritte Runde des Projekts.

Initiiert vom Arbeitgeberverband Nordmetall bietet „Nordchance“ Jugendlichen mit sogenannten Vermittlungshemmnissen die Chance, über einen Zwischenschritt in die reguläre Berufsausbildung zu kommen. Dazu absolvieren sie zunächst einen dreimonatigen Orientierungslehrgang bei einem qualifizierten Bildungsträger. Er bereitet auf ein siebenmonatiges Betriebspraktikum, das vom Bildungsträger vermittelt wird. Hier erfahren die Teilnehmer nicht nur technisches Know-how in den Werkstätten, sondern auch die nötigen sozialen Kompetenzen, um sich erfolgreich zu profilieren. Denn das Ziel ist, im Anschluss an die Maßnahme einen regulären Ausbildungsplatz zu erhalten. Während der gesamten Maßnahme werden die Jugendlichen sozialpädagogisch betreut.

Nordmetall hatte das Programm 2008 ins Leben gerufen und für eine Laufzeit von fünf Jahren und insgesamt bis zu 1.000 Teilnehmer in ganz Norddeutschland ingesamt 7,5 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Im Land Bremen ist das Projekt besonders erfolgreich. Hier wirken das Bildungszentrum der Wirtschaft (BWU) und die Agenturen für Arbeit in Bremen und Bremerhaven erfolgreich zusammen. Inklusive der Teilnehmer des neuesten Jahrgangs haben bereits 105 junge Menschen die „Nordchance“ ergriffen. Bei den meisten Teilnehmern handelt es sich um Hauptschüler, die schon viele erfolglose Bewerbungen hinter sich haben. Diesen Kandidaten wird vom Projekt der Einstieg in Berufe ermöglicht, in denen sie mit ihrem Schulabschluss sonst kaum Chancen haben.

54 von 75 Teilnehmern der beiden letzten Jahrgänge nutzten diese Chance als Sprungbrett in eine reguläre Lehrstelle. „Unsere Vermittlungsquote von über 70 Prozent sucht ihresgleichen in anderen Projekten“, sagt Cornelius Neumann-Redlin, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände im Lande Bremen und Leiter der Bremer NORDMETALL-Geschäftsstelle: „Wir sind wirklich überzeugt, hier das richtige Instrument sowohl für Jugendliche mit Startschwierigkeiten als auch für Unternehmen auf Nachwuchssuche entwickelt zu haben.“ Nordmetall folge damit der gesellschaftlichen Verantwortung der Wirtschaft, aber auch den Erfordernissen des demografischen Wandels: „Bald gibt es keinen Wettbewerb um die besten Bewerber mehr, sondern nur noch einen Wettbewerb um Bewerber generell“, so Neumann-Redlin.


Die Idee zum Projekt stammte von Ingo Kramer, Unternehmer in Bremerhaven sowie Präsident des Arbeitgeberverbands Nordmetall und Vorsitzender der Unternehmensverbände im Lande Bremen. Er wollte ein Programm, in der Jugendliche nicht geparkt, sondern fachlich, sozial und vor allem praxisnah auf eine Ausbildung vorbereitet werden. „Unsere soziale Verantwortung und auch der demografische Wandel verpflichten uns dazu, in Zukunft noch mehr Jugendliche mit Vermittlungshemmnissen in unser Ausbildungssystem zu integrieren“, so Kramer. Der Wettbewerb um den Nachwuchs werde intensiver. Man könne auf keinen Jugendlichen verzichten.


Dr. Götz von Einem: „Ich freue mich über den bisher außerordentlich erfolgreichen Verlauf dieses Projektes. Es zeigt sich, dass viele Jugendliche unabhängig von Ihren Zeugnissen und eventuell auch anderen Problemlagen in der Praxis einfach überzeugen. Diese Jugendlichen wären für den gewerblich-technischen Fachkräftenachwuchs verloren, würden sich Nordmetall und das BWU, insbesondere aber natürlich die beteiligten Unternehmen nicht derartig für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer engagieren.“


An dem Projekt wirken 40 vor allem kleine und mittlere Unternehmen mit, aber auch Daimler mit seinem Bremer Mercedes-Benz-Werk, GESTRA, die JHK-Firmengruppe, die Firmen Könecke, KUKA-Systems, Lürssen, swb und Siemens. Dazu Uwe Kleinow, Geschäftsführer des Bildungszentrums der Wirtschaft: „Wir freuen uns, dass unter den Partnerunternehmen viele renommierte große und mittelständische Unternehmen der Region sind. Das wachsende Vertrauen der Unternehmen bestärkt uns in unserem Ansatz.“
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