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MINT-EC: Das Schulnetzwerk wird erwachsen

Engagement für eine nachhaltige Bildungsarbeit

Der Verein MINT-EC fördert seit über zehn Jahren den mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht an Gymnasien. Auf einer Tagung in Berlin wurden die programmatischen Eckpunkte für die Arbeit der kommenden Jahre benannt. Angesichts des demographischen Wandels und einem nach wie vor zu geringen Interesse an den MINT-Fächern gewinnen die Aktivitäten des Vereins stetig an Bedeutung.

„Wir sind erwachsen geworden, doch Zeit zum Ausruhen haben wir nicht. Jetzt geht es darum, das Netzwerk zu stärken, die Qualität weiter zu entwickeln und nachhaltig in die Bildungslandschaft hinein zu wirken,“ brachte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Gollub die Entwicklung des Vereins MINT-EC auf den Punkt. Keiner der anwesenden Schulleiter des bundesweiten Excellence-Schulnetzwerkes, die sich Anfang Dezember in Berlin zu ihrer turnusmäßigen Tagung trafen, wollte da widersprechen. Mit der Aufnahme von 17 weiteren mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasien setzte das Schulnetzwerk dann gleich ein deutliches Zeichen in der deutschen Bildungslandschaft.

Der Verein betreut jetzt 132 Schulen mit einem MINT-Schwerpunkt, darunter auch eine deutsche Auslandschule, die türkische „Istanbul Lisesi“. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, und EC für Excellence-Center. MINT-EC (
www.mint-ec.de) ist 1999 als eine Arbeitgeberinitiative gegründet worden und wird heute insbesondere vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall im Rahmen der Initiative THINK ING. sowie der Siemens Stiftung unterstützt. Seit 2009 steht das Netzwerk zudem unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK). Die Sorge um gut ausgebildete Fachkräfte in mathematischen, naturwissenschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Berufsfeldern war bei der Gründung die Triebfeder der Initiative, und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Angesichts des demographischen Wandels, einem nach wie vor zu geringen Interesse an den MINT-Fächern und hoher Abbrecherquoten, seien die Aktivitäten des Vereins wichtiger denn je, wie auf der Schulleitertagung immer wieder betont wurde.



„Wir wollen noch besser werden, und wir wollen mehr tun“, war dementsprechend die Botschaft der Berliner Tagung. Schließlich sei das Ziel des gemeinnützigen Vereins, Schulen ein „prägnantes und qualitativ hochwertiges Profil“ im MINT-Bereich zu geben. „Dies ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Schülerinnen und Schüler Begeisterung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik entwickeln“, sagt Geschäftsführer Benjamin Burde. Das Wachstum des Schulnetzwerks sei daher besonders positiv. Immer mehr Gymnasien erkennen, dass die MINT-Qualität für Eltern und Kinder ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der weiterführenden Schule sei – und diese Schulen wirken wie Leuchttürme in der Schullandschaft. Um die Weiterentwicklung der Schulen zu sichern, werden Fortbildungen für Lehrkräfte und Schulleitungen, Schülercamps und Wettbewerbe sowie Veranstaltungen mit Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Hochschulen geboten.

Und das soll in den nächsten Jahren intensiviert und ausgebaut werden, wie der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Wolfgang Gollub, hervorhob. Zudem gäbe es bei mehr als 3.500 Gymnasien in Deutschland ja ein großes Potenzial für weitere neue Mitglieder. Gollub betonte aber auch, dass man eindeutig ein „Excellence-Netzwerk“ sei und dementsprechend exzellente Leistungen in den MINT-Fächern fördern wolle. Das drücke sich auch in den Auswahlverfahren aus, denen sich jede Schule im Rahmen einer Zertifizierung unterziehen müsse. „Allerdings rollen wir talentierten Schülern dann einen Teppich aus“, so der Vorstandsvorsitzende, „der in Deutschland seinesgleichen sucht.“

In seiner „Perspektive 2015“ skizzierte Gollub die Eckpunkte der weiteren Arbeit. Mit neuen Strukturen soll vor allem die Netzwerkkultur gefördert werden. Dazu gehört unter anderem die vermehrte Einrichtung von MINT-EC-Themen-Clustern. In denen arbeiten mehrere Schulen in jeweils einem Themenbereich zusammen. Sie entwickeln dann beispielsweise gemeinsam Unterrichtseinheiten zu Themen wie „Informations- und Kommunikationstechnik in der Schule“, „Materialprüfung“ sowie frühkindlicher Bildung. Aus diesem fachlichen Dialog können dann gemeinsame Veröffentlichungen, Unterrichtsmaterialien oder Veranstaltungen entstehen. Wie das in der Praxis aussieht, verdeutlichten auf der Schulleitertagung Vertreter von drei Themen-Clustern.

Besonderen Wert legen die Verantwortlichen auch auf den vor einem Jahr geschaffenen Alumni-Kreis des Netzwerks, in dem sich ehemalige MINT-EC-Schüler zusammenfinden und sich für den Verein und die Sache engagieren. Überhaupt spielen Außenbeziehungen für den MINT-EC eine wichtige Rolle. „Wir müssen künftig ein dichteres Netz von Förderern knüpfen“, forderte Gollub auf der Tagung. Das könnten Unternehmen sein, die den Verein allgemein unterstützen oder vor Ort als Schulpaten fungieren. Wichtig sind für Gollub aber auch Partner, die mit dem MINT-EC bei ganz bestimmten inhaltlichen Projekten zusammenarbeiten.

Außerdem wurde die Ausschreibung für die Teilnahme von MINT-EC-Schulen am internationalen Schülerwettbewerb zum Jahr der Chemie 2011 vorgestellt. Die Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker hatte den Verein angesprochen, die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern aus Deutschland exklusiv über MINT-EC-Schulen zu organisieren. Jede dieser Schulen kann eine unbegrenzte Anzahl von Teilnehmern für diesen weltweiten und anspruchsvollen Wettbewerb benennen. Dow Chemical, ein amerikanisches Chemieunternehmen mit über 20 Standorten in Deutschland, übernimmt als Sponsor die Kosten des Wettbewerbs.

Ein weiteres Partnerschaftsmodell präsentierte während der Schulleitertagung Michael Vogel, Leiter Personalentwicklung der Fraunhofer Gesellschaft, der größten Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa. „Mit dem Projekt Fraunhofer Talents“, so Vogel, „wollen wir einen nachhaltigen Ansatz zur Nachwuchsförderung und Sicherstellung von künftigen Fachkräften im MINT-Bereich realisieren.“ In den Talent-Schools bieten Fraunhofer-Wissenschaftler interessierten Jugendlichen, die Freude an der Auseinandersetzung mit aktuellen wissenschaftlichen Problemstellungen haben, verschiedene Workshops an. Dieses Programm besteht seit 2008. In der nun geplanten Kooperation werden Workshops ganz gezielt für Schülerinnen und Schüler aus MINT-EC-Schulen angeboten, wobei die Lehrer die jeweils Besten eines Schuljahres vorschlagen. Nach der Teilnahme an einem Workshop können sich die Schülerinnen und Schüler für weitere Bereiche der Talent-School bewerben, die über das Studium bis zur Promotion reichen. „Diese Kooperation bietet den jungen Leuten die einmalige Möglichkeit“, so Gollub, „von hochklassigen Wissenschaftlern aus den unterschiedlichsten Fachgebieten in einem einzigartigen Umfeld zu lernen.“

Dass allerdings auch schon im Schulalltag großartige Leistungen gezeigt werden, machte die Verleihung des Siemens Awards 2010 deutlich, dessen Gewinner im Anschluss an die Schulleitertagung bei einer Festveranstaltung bekannt gegeben wurden. Dieser, alle zwei Jahre von der Siemens Stiftung ausgelobte Preis, zeichnet die zehn engagiertesten Schulen aus. Mit 56 Einreichungen verzeichnete der Wettbewerb in diesem Jahr einen Teilnahmerekord. „Die prämierten Beiträge zeigen nicht nur eine beeindruckende Vielfalt und fachliche Breite an MINT-Themen“, zeigte sich Stephan Heimbach, Vorsitzender des Vorstands der Siemens Stiftung beeindruckt, „sondern spiegeln gleichzeitig das große Engagement der Schulen wider.“

Sieger beim Siemens Stiftung Award 2010 wurde das Friedrich-Koenig-Gymnasium Würzburg. Die Schule überzeugte die Fachjury durch „ihr didaktisch erfolgreiches Gesamtkonzept mit breit angelegten MINT-Aktivitäten“. Das naturwissenschaftliche Experimentieren bilde dabei ein Leitmotiv, das von der Unter- bis zur Oberstufe konsequent verfolgt würde. Ein Stück nachhaltige Bildungsarbeit, ganz im Sinne des MINT-EC.
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