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Rente mit 67 notwendig und sinnvoll

Die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 67 Jahre ist sowohl renten- als auch arbeitsmarktpolitisch notwendig und sinnvoll. Diese wegweisende Rentenreform von 2007 darf weder zurückgenommen noch weiter verwässert werden.

Fakt: Die Altersgrenzenanhebung sichert die Finanzierbarkeit der Rentenversicherung.
  • Notwendig ist die Anhebung der Regelaltersgrenze vor allem mit Blick auf die gesetzliche Rentenversicherung. Die gesetzlichen Beitragssatz- und Rentenniveauziele (max. 22 % bzw. mind. 43 % bis 2030) können ohne Rente mit 67 nicht eingehalten werden.
  • Bereits zwischen 1960 und 2014 hat die durchschnittliche Rentenbezugsdauer von Männern um fast 8 und von Frauen sogar um fast 11 Jahre zugenommen (DRV Bund, 2015). Wer die Rente für die Älteren sichern und für die Jüngeren bezahlbar halten will, muss dieser Entwicklung Rechnung tragen.
  • Die schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre bedeutet nicht, dass die Renten für eine kürzere Zeit gewährt werden. Vielmehr wird vorübergehend erreicht, dass sich die Rentenlaufzeiten nicht noch weiter verlängern.
Irrtum: Die Rente mit 67 entlastet die Rentenversicherung kaum.
  • Kritiker behaupten, der Entlastungseffekt der Rente mit 67 sei nur gering. Sie verweisen auf die Gesetzesbegründung des RV-Altersgrenzenanpassungsgesetzes, in der ein Entlastungseffekt von nur einem halben Beitragssatzpunkt ausgewiesen ist. Allerdings werden dabei drei Dinge übersehen:
  • Erstens: Die in der Gesetzesbegründung (BT-Drs. 16/3794) genannte Entlastung von einem halben Beitragssatzpunkt bezieht sich auf das Jahr 2030. Dann jedoch wird noch kein einziger Geburtsjahrgang mit dem neuen Rentenalter von 67 Jahren in Rente gegangen sein. Denn die Jahrgänge ab 1964, für welche die Regelaltersgrenze um volle zwei Jahre angehoben wird, vollenden frühestens im Jahr 2031 das 67. Lebensjahr. Im Jahr 2050, wenn auf nahezu den gesamten Rentenbestand die Regelaltersgrenze von 67 Jahren Anwendung findet, wird der Entlastungseffekt nach Berechnungen des Sachverständigenrats Wirtschaft dagegen bei einem vollen Beitragssatzpunkt liegen.
  • Zweitens: Der Gesetzgeber hat die Altersgrenze 67 nur für gut zwei Drittel der Versicherten eingeführt und insbesondere die sog. besonders langjährig Versicherte ausgenommen. Dieses Rentenprivileg reduziert den Entlastungseffekt der Rente mit 67 um mindestens ein
    Viertel, wie Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung Bund ergeben haben. Insofern wird durch dieses Rentenprivileg, von dem vor allem Bezieher höherer Renten profitieren, der Entlastungseffekt der Rente mit 67 deutlich verwässert.
  • Drittens: Aufgrund des sog. Nachhaltigkeitsfaktors in der Rentenformel wirkt die Rente mit 67 rentensteigernd: Weniger Rentner und mehr Beitragszahler führen über den Nachhaltigkeitsfaktor zu höheren Renten. Wer nur auf die absolute Höhe des Beitragssatzes schaut, übersieht deshalb, dass mit der Rente mit 67 die Renten höher ausfallen als bei Beibehaltung der Regelaltersgrenze von 65 Jahren.
  • Rechnet man diese drei Faktoren heraus und kalkuliert, wie viel niedriger der Beitragssatz der Rentenversicherung bei vollständiger und ausnahmsloser Umsetzung der Rente mit 67 und gleichem Rentenniveau wäre, ergibt sich ein durchaus erheblicher Entlastungseffekt von rd. 2 Beitragssatzpunkten bzw. 22 Mrd. € in heutiger Kaufkraft.
Fakt: Die Rente mit 67 wirkt dem Fachkräftemangel entgegen.
  • Ein höheres gesetzliches Rentenalter setzt Anreize zu einem späteren Austritt aus dem Erwerbsleben und begrenzt damit den demografisch bedingten Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials. Dies ist ein Beitrag zur Fachkräftesicherung und wirkt sich positiv auf die volkswirtschaftliche Leistung aus.
  • Dass das gesetzliche Rentenalter Auswirkungen auf den Zeitpunkt des Erwerbsaustritts hat, ist hinreichend belegt. Nachdem 1972 die Möglichkeit geschaffen wurde, bereits vor dem vollendeten 65. Lebensjahr ohne Abschläge in Rente zu gehen, sank die
    Erwerbsbeteiligung Älterer deutlich ab. Seit Einführung der versicherungsmathematischen Abschläge bei vorzeitigem Rentenzugang 1997 verschieben die Versicherten ihren Berufsausstieg dagegen wieder nach hinten. Das durchschnittliche Erwerbsaustrittsalter ist seitdem um rd. zwei Jahre gestiegen (DRV Bund, 2015).
  • Die im Jahr 2014 eingeführte „Altersrente für besonders langjährige Versicherte“ (abschlagsfreie „Rente ab 63“) torpediert den Anstieg des gesetzlichen Rentenalters und verstärkt damit den Fachkräftemangel. Seit Mai 2014 bis Ende August 2017 wurden 856.000 Anträge gestellt, von denen rd. 800.000 Anträge bewilligt worden sind.
Irrtum: Ältere haben am Arbeitsmarkt keine Chance.
  • Die Erwerbstätigenquote der 55- bis unter 65-Jährigen hat sich von 2000 bis 2016 beinahe verdoppelt – von 37 % auf 69 % (Eurostat, 2017). In keinem anderen EU-Land mit Ausnahme von Schweden geht ein größerer Anteil Älterer einer Erwerbstätigkeit nach. Im Jahr 2015 beschäftigten die Unternehmen in Deutschland über 4 Millionen mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Altersgruppe „50 Plus“ als noch vor zehn Jahren (BA, 2016). Der Anteil der Betriebe, die Ältere beschäftigen, hat von 29 % im Jahr 2002 auf 78 % in 2015 zugenommen (IAB, 2016). Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bei der Bundesagentur für Arbeit (IAB) zeigen daher auch, dass der beharrlich wiederholte Vorwurf, viele Unternehmen in Deutschland würden keine älteren Mitarbeiter
    beschäftigen, falsch ist. Das Gegenteil ist heute der Fall. Die Betriebe wollen bereits heute ein Viertel der rentenberechtigten Mitarbeiter weiterbeschäftigen.
Irrtum: Ältere sind ausgebrannt und „können nicht mehr“.
  • Die Menschen in Deutschland leben heute erfreulicherweise deutlich länger und sind viel länger fit als früher. Epidemiologen und Demografen haben festgestellt, dass die heute 60-Jährigen biologisch etwa fünf Jahre jünger sind als die 60-Jährigen der vorangegangenen Generation.
  • Mit einer stärkeren Berücksichtigung ergonomischer Prinzipien bei der Arbeitsplatzgestaltung und einer Arbeitsorganisation, die die Einsatzflexibilität der Mitarbeiter fördert, leisten die Unternehmen viel zur weiteren Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit Älterer.
  • Beispiele guter Praxis zeigen, dass durch Maßnahmen der Arbeitsplatzgestaltung und der Arbeitsorganisation – entgegen einer weit verbreiteten Auffassung – alterskritische Belastungen wirksam verringert werden können. Dementsprechend können sogar Berufe wie der des Dachdeckers bis zur Rente ausgeübt werden. Der Einsatz von Hebehilfen oder die Schulung der Mitarbeiter über Fehlbelastungen und gesundheitsbewusstes Verhalten sind hier wichtige Ansatzpunkte.
  • Wenn arbeitsgestalterische Möglichkeiten für einen Betrieb erschöpft sind, kann die Weiterbeschäftigung eines leistungsgewandelten Mitarbeiters (z. B. eines Gerüstbauers) durch körperlich weniger belastende Aufgaben gesichert werden. Erfahrene Facharbeiter können beispielsweise zu Projektverantwortlichen weiterqualifiziert werden.
  • Klar ist aber auch: Wer körperlich nicht mehr in der Lage ist, soll und kann auch künftig sofort in Rente gehen. Die Rente mit 67 ändert nichts an der Möglichkeit, in Erwerbsminderungsrente zu gehen. Im Übrigen gilt auch nach Einführung der Rente mit 67, dass die vorgezogene Altersrente für langjährig Versicherte weiter ab 63 Jahren möglich bleibt.

Deutlicher Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials absehbar

Nach der „13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung“ des Statistischen Bundesamtes (2015) werden 2060 voraussichtlich nur noch zwischen 36,1 und 41,5 Mio. Personen im erwerbsfähigen Alter sein, während das Erwerbspersonenpotenzial Ende 2013 noch bei 51,0 Mio. lag. Zudem wird sich der Altenquotient – die Relation der 67-Jährigen und Älteren zu den 20- bis unter 67-Jährigen – stetig und kräftig von 30 % (2013) auf 51 % bis 61 % (2060) erhöhen.

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November 2018