Moderne Ausbildungsstrukturen

Ausbildung flexibler gestalten

Damit die duale Ausbildung die zentrale Quelle für Fachkräftenachwuchs bleibt, braucht sie mehr Flexibilität, Vielfalt, Durchlässigkeit und Transparenz. Dies kann nicht über ein Einheitspflichtmodell geschehen, sondern nur in Form von Optionen für geeignete Berufe und interessierte Branchen.

Ausbildung hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. In verschiedenen Ausbildungsberufen sind in punkto Flexibilität mit innovativen Strukturkonzepten bereits erhebliche Fortschritte erzielt und passgenaue Lösungen gefunden worden (z.B. durch Einführung von Fachrichtungen oder Schwerpunkten in Ausbildungsordnungen, durch die Ausbildung in Kompetenzfeldern, durch Differenzierung nach Einsatzgebieten sowie durch Einteilung in Qualifikationseinheiten mit Pflicht- und Wahlqualifikationen). Da sich das Leistungsspektrum der Jugendlichen und die Anforderungen der Betriebe zunehmend ausdifferenzieren, braucht das duale Ausbildungssystem in seiner Gesamtheit betrachtet aber ein „Mehr“ an Differenzierungsmöglichkeiten in einer Ausbildung, die immer auf ganzheitliche Berufe ausgerichtet bleibt. Ziel ist die Stärkung der dualen Ausbildung.

Vorschläge der Arbeitgeber

Für mehr Flexibilität und passgenaue Angebote soll Ausbildung in Ausbildungsbausteine gegliedert werden können. Diese bleiben in Berufe eingebettet; das Berufsprinzip bleibt erhalten. Ausbildung soll auch innerhalb einer mehrere Einzelberufe umfassenden Berufsgruppe erfolgen können, deren Bausteine zum Teil übereinstimmen und die kombinierbar sind. Ermöglicht werden soll auch eine zweijährige Erstausbildung, in der Kern- und grundlegende Fachqualifikationen vermittelt werden, in Kombination mit einer anschließenden Spezialisierungsphase (als drittes Ausbildungsjahr, als Fortbildung, als in Berufstätigkeit integrierte Weiterbildung). Es soll auch möglich werden, Teilleistungen (Ausbildungsbausteine) zu dokumentieren und zu zertifizieren. Am Ende der Ausbildung soll weiterhin eine - auf die Abprüfung der ganzheitlichen beruflichen Handlungsfähigkeit konzentrierte - öffentlich-rechtliche Prüfung durch die zuständige Stelle stehen.

Sehr zu begrüßen ist, dass auch der Innovationskreis Berufliche Bildung des BMBF im Juli 2007 wichtige Schritte zur stärkeren Flexibilisierung der Ausbildung vereinbart hat. Es wurden zunächst Ausbildungsbausteine in 14 Ausbildungsberufe erprobt, 2015 folgten 8 weitere Ausbildungsberufe. Eine Ausweitung auf weitere Berufe ist vorgesehen. Dies erfolgt im Rahmen des BMBF-Förderprogramms JOBSTARTER CONNECT. Zudem prüfen Wirtschaft und Gewerkschaften bei der Novellierung und Neuordnung von Berufen jeweils die Möglichkeit der Bildung von Gruppen von Berufen in verwandten Tätigkeitsbereichen. Auch soll im Prüfungswesen das betriebliche Know-how stärker genutzt werden.

Berufsgruppen nicht selten

Beim Thema Berufsgruppen ist zu beachten, dass bereits heute 76 Prozent der Ausbildungsberufe mit 96 Prozent aller Auszubildenden gemeinsame Qualifikationsanteile aufweisen (d.h. große Branchen- oder Querschnittsberufe, „echte“ Berufsgruppen, Berufe mit gemeinsamen Rahmenlehrplänen, gemeinsamer Beschulung). Gerade für die Beschulung ist dies von Vorteil. Entgegen der oft zu hörenden Behauptung, die Zahl der Ausbildungsberufe sei v.a. durch sog. „Splitterberufe“ insgesamt gestiegen, ist die Zahl deutlich gesunken: Von 620 im Jahr 1960 auf aktuell rund 330. Bei den neuen Ausbildungsberufen (seit 1996 immerhin über 70 Berufe) weisen gerade einmal 13 (bisher noch) weniger als einhundert Ausbildungsplätze auf.

Vielfältige Chancen durch neue Strukturen

Neue Strukturen als optionale Ergänzung bestehender bringen Vorteile: Ausbildung kann besser an betriebliche Anforderungen und das Leistungsprofil der Jugendlichen angepasst werden. Gerade auch kleine und mittelständische Unternehmen können so attraktive, individuelle Angebote im Wettbewerb um leistungsfähige Jugendliche gestalten – etwa die Vermittlung zusätzlicher Bausteine als Zusatzqualifikation. Durch die Zertifizierung von einzelnen Bausteinen können die Leistungen der Jugendlichen in der betrieblichen Praxis besser dokumentiert und besser mit anderen Bildungsabschnitten, z.B. der Berufsvorbereitung oder der hochschulischen Bildung, verknüpft werden. Auch für die Nachqualifizierung Ungelernter ergeben sich neue Chancen, die Qualifizierung kann je nach Bedarf Schritt für Schritt vorgenommen werden.
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN