Globalisierung und Freihandel

Herausforderungen annehmen und Chancen nutzen

Deutschlands Wohlstand ist zu einem wesentlichen Teil der Globalisierung zu verdanken. Damit das erreichte Wohlstandsniveau langfristig gesichert werden kann, müssen die mit der zunehmenden Verflechtung der Weltwirtschaft verbundenen Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland angenommen werden.
Die Globalisierung steht für die zunehmende internationale Arbeitsteilung und Verflechtung nationaler Wirtschaftsräume. Wichtigste Voraussetzung ist dabei eine Öffnung der Märkte. Deutschland hat dies in der Vergangenheit erfolgreich praktiziert und damit zum Wohlstand seiner Bevölkerung maßgeblich beigetragen. 2017 erreichten die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen 47 Prozent der Wirtschaftsleistung. Während die Öffentlichkeit mit Globalisierung häufig immer noch Arbeitsplatzabbau und Standortverlagerungen assoziiert, werden die Wirkungen für Unternehmen und Konsumenten kaum registriert: Höhere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, mehr Innovationen und Investitionen, geringere Beschaffungspreise, preiswertere Produkte, größere Produktvielfalt sowie Arbeit und Einkommen.  
 

Deutschland ist ein Nutznießer der Globalisierung und verzeichnet nach Finnland, Dänemark und Japan die höchsten Globalisierungsgewinne (Bertelsmann Stiftung 2014). Gleichwohl werden die Chancen nicht voll ausgeschöpft. Die Politik sollte daher die bestehenden Defizite am Unternehmensstandort beseitigen. Zur Erhöhung des Verständnisses für die Erfordernisse der Globalisierung müssen alle gesellschaftlichen Kräfte die daraus resultierenden Vorteile stärker in der Öffentlichkeit kommunizieren.
 
 

Globalisierung fördert gesellschaftliche Entwicklungen
 

Mit der Entwicklung hin zu einer multipolaren Welt hat eine neue Phase der Globalisierung eingesetzt. Weltweit entstehen neue Wirtschaftszentren. Die fortschreitende Globalisierung ist dabei auch eine große Chance, die Lage der Menschenrechte weltweit zu verbessern. Unternehmen sind daran interessiert, dass in den Ländern, in denen sie investieren, Rechtsstaatlichkeit herrscht, die immer mit einer Verbesserung der Menschenrechtssituation einhergegangen ist. Rechtssicherheit, die nur ein Rechtsstaat gewährleisten kann, ist zudem eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit offene Märkte und Globalisierung funktionieren.
 
 

Die Unternehmen selbst können zwar keinen Rechtsstaat schaffen. Dennoch können sie die Lage verbessern, indem sie mit gutem Beispiel vorangehen und sich verantwortungsvoll für die Förderung der Menschenrechte engagieren. Es gibt unzählige Beispiele, wie Unternehmen mit ihren Corporate Social Responsibility-Strategien die Vermittlung von Menschenrechten und demokratischen Standards sowie die Entwicklung offener und toleranter Gesellschaften fördern. Die Ansätze der Unternehmen sind dabei vielfältig: Sie setzen sich gegen Kinderarbeit ein, entwickeln Kodizes für Zulieferer, richten Ausbildungszentren ein und vieles mehr. In Entwicklungsländern schaffen deutsche Unternehmen durch ihre Investitionen Arbeitsplätze und ermöglichen größeren Wohlstand, höhere Sozialstandards, mehr Umweltschutz sowie eine bessere Bildung. 
 
 

Handels- und Investitionsabkommen bergen beträchtliche Chancen
 
 

Umfassende Handels- und Investitionsabkommen können durch die Verankerung von verbindlichen Regeln und hohen Standards neue Maßstäbe für die Weltwirtschaft und das multilaterale Handelssystem setzen. Die umfassenden Freihandelsabkommen der EU mit Kanada (CETA),Japan, Singapur sowie weiteren Staaten bieten die Möglichkeit, der politischen Gestaltung der wirtschaftlichen Globalisierung neuen Schwung zu verleihen. Dass die Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) vorerst zum Erliegen gekommen sind, ist vor diesem Hintergrund sehr bedauerlich.
 
 

Diese Handels- und Investitionsabkommen ermöglichen es, überflüssige Doppelzulassungen und unterschiedliche Prüfanforderungen in der EU und den Partnerstaaten aus dem Weg zu räumen. Dies geht selbstverständlich nur, wenn dabei hohe europäische Schutzstandards für Arbeitnehmer, Verbraucher und Umwelt gewahrt werden. Wo ein vergleichbares Schutzniveau sichergestellt ist, kann die gegenseitige Anerkennung von Zulassungsanforderungen erhebliche Erleichterungen bringen. So können jeweils beide Handelspartner von ökonomischen Vorteilen, u. a. durch mehr Wachstum, mehr Beschäftigung und mehr Handel profitieren. Dies kommt nicht nur Unternehmen und ihren Beschäftigten zugute: Neue Absatzchancen bedeuten auch mehr Produktvielfalt für Kunden und Verbraucher. 
 
 

Im Hinblick auf weltweite protektionistische Strömungen ist es gegenwärtig umso wichtiger, ein entschiedenes Signal für freien und fairen Handel zu setzen und unseren zukünftigen Wohlstand zu sichern. Eine zügige Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen mit den USA, ein vollständiges Inkrafttreten des CETA-Abkommens mit Kanada sowie die Ausverhandlung und Ratifizierung der Abkommen mit Japan und Singapur sind deswegen von großer Relevanz. 
 
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