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Erfolgsfaktor Psychische Gesundheit

Das Wohlbefinden ihrer Beschäftigten ist ein wichtiges Anliegen der Unternehmen. Eine zunehmende Rolle spielt dabei die psychische Gesundheit der Arbeitnehmer. Deshalb engagieren sich die Unternehmen, um psychisch bedingte Fehlzeiten und Leistungseinschränkungen ihrer Mitarbeiter zu vermeiden.

Unternehmen bieten Gesundheitsförderung

Wenn es um die psychische Gesundheit der Belegschaft geht, ist der Einflussbereich der Unternehmen begrenzt, da die Ursachen psychischer Erkrankungen meist außerhalb des beruflichen Umfelds liegen. Dennoch fördern viele Unternehmen die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter mithilfe verschiedenster Strategien. Dabei reicht das Engagement der Unternehmen weit über Arbeitsthemen wie z.B. Aufgabenmanagement hinaus: Gesundheitsprogramme umfassen präventive Maßnahmen wie Umgang mit Stress, Zeit- und Selbstmanagement, Sensibilisierung von Führungskräften, Stärkung der individuellen Widerstandskraft (Resilienz) sowie Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit der Lebensbereiche. Hinzu kommen kurative Angebote wie Beratungsangebote von Psychologen für Beschäftigte, aber auch Sozialberatung inklusive Schuldnerberatung, Suchtberatung oder Hilfen zur Konfliktbewältigung. Immer mehr Unternehmen unterhalten hierzu eigene regionale Kompetenznetzwerke vor allem mit Fachkliniken oder Psychotherapeuten. Andere haben Mitarbeiterberatungsprogramme aufgelegt.

Psychische Gesundheit ist ein wichtiger Produktivitätsfaktor

Unternehmen haben ein ureigenes Interesse an der psychischen Gesundheit und dem Wohlergehen ihrer Beschäftigten. Eine Beeinträchtigung ist auch ein wirtschaftliches Risiko: Psychische Erkrankungen können zu einer reduzierten Leistungsfähigkeit und krankheitsbedingten Fehlzeiten führen sowie das gesamte Arbeitsumfeld negativ belasten. Innerbetriebliche Abläufe funktionieren schlechter, es besteht die Gefahr von Fehlhandlungen und Unfällen. Ebenso kann ein Nährboden für ein schlechtes Betriebsklima bis hin zum Mobbing entstehen. Für Unternehmen bedeutet dies neben verringerter Produktivität auch eine geringere Wettbewerbsfähigkeit. Hinzu kommen milliardenschwere Kosten für Entgeltfortzahlung und ggf. Frühverrentungen psychisch erkrankter Arbeitnehmer.

Psychische Erkrankungen haben viele Ursachen und werden häufiger diagnostiziert

Psychische Erkrankungen entstehen durch ein Zusammenspiel vielfältiger Faktoren: So spielen unsere Biologie (z.B. Veranlagungen) eine Rolle, ebenso wie soziale Faktoren (z.B. Erziehung), unsere Psyche (z.B. Bewältigungsstrategien) und Stressfaktoren (z.B. Lebensereignisse wie ein schwerer Unfall) . D.h., negative Belastungsfaktoren aus der Arbeitswelt sind nicht die alleinige Ursache für eine psychische Erkrankung. Sie können lediglich dazu beitragen, dass man eine psychische Störung entwickelt. Auch dass drei Viertel aller psychischen Erkrankungen sich bereits bis zum 24. Lebensjahr entwickelt haben, zeigt, dass vor allem außerberufliche Faktoren diese bedingen. Die Krankenkassen melden in ihren Statistiken zur Arbeitsunfähigkeit einen deutlichen Anstieg psychischer Störungen. Auch bei den Rentenversicherungsträgern werden immer mehr Erwerbsminderungsrenten aufgrund psychischer Erkrankungen bewilligt. Das tatsächliche Ausmaß psychischer Erkrankungen hat sich hingegen in den letzten Jahren nicht erhöht. Die Ursache für den vermeintlichen Anstieg ist u.a. das Verschieben der Diagnosen: Heute werden mehr Patienten, die früher wegen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems behandelt wurden, als psychisch belastet diagnostiziert. Auch sprechen Beschäftigte psychische Probleme gegenüber Ärzten eher an, da das Thema zunehmend enttabuisiert ist.

Versorgung psychisch Erkrankter muss verbessert werden

Die bessere Diagnose psychischer Erkrankungen bietet die Chance einer frühzeitigeren und erfolgversprechenderen Behandlung. Leider wird diese Chance nicht ausreichend genutzt: Die Versorgung psychisch Erkrankter ist nach wie vor unzureichend. Durch lange Wartezeiten für eine psychotherapeutische Behandlung (rd. drei Monate für ein Erstgespräch) werden Leiden verlängert oder sogar verschlimmert und die Genesung erschwert. Problematisch ist, dass wegen unzureichender Psychotherapieangebote viele Erkrankte in stationäre Rehabilitationsmaßnahmen eingewiesen werden, wo sie erstmals eine psychotherapeutische Behandlung erfahren, welche früher und kostengünstiger hätte ambulant erfolgen können. Ärzte, Therapeuten, Bundesgesundheitsministerium und Sozialversicherungsträger sind gefordert, eine bessere Versorgung psychisch Erkrankter zu gewährleisten.

Auch Eigenverantwortung ist gefragt

Jeder kann dazu beitragen, seine psychische Gesundheit zu erhalten und zu stärken. Nicht nur Unternehmen, auch Ärzte und Krankenkassen bieten ein breites Spektrum an Maßnahmen, um negative Belastungsfaktoren (wie Konflikte bzw. Überlastung im Privaten oder bei der Arbeit) zu vermeiden und Resilienz zu stärken. Es reicht von Anleitungen zu Entspannungstechniken über Tipps zu Zeitmanagement bis zur Stressbewältigung. Auch ein ausgewogener Lebensstil trägt zur Stabilisierung der psychischen Gesundheit bei. Zur Eigenverantwortung zählt auch, dass sich Beschäftigte vertrauensvoll an ihren Arbeitgeber wenden, wenn sie von einer psychischen Störung betroffen sind. Nach einer Studie der Technischen Universität München informieren nur 16% der Berufstätigen ihre Vorgesetzten darüber, dass sie psychische Probleme haben. Das erschwert oft die notwendige Unterstützung.

Initiativen der BDA

    • Aktive Umsetzung der europäischen Sozialpartnervereinbarung zu arbeitsbedingtem Stress
    • Aktive Mitarbeit in der GDA-Arbeitsgruppe „Psyche“ zur psychischen GefährdungsbeurteilungZusammenarbeit mit der VBG im Projekt „Mitdenken 4.0“ zum Thema „Führen durch Ziele“

Psychische Gesundheit im Fokus

Eine klare Analyse, wie psychische Störungen entstehen, ist nicht möglich. Ursachen können in der jeweiligen Person, z.B. in der Entwicklung liegen, aber auch im Bezug zum Arbeitsverhältnis stehen.

Arbeit bedeutet nicht nur Existenzsicherung, auch Sinnstiftung und soziale Anerkennung. Sie ist eine wesentliche Ressource für psychische Gesundheit. Die Darstellung, dass Arbeit 4.0 krank macht, ist bei genauem Hinsehen nicht richtig: Die Prävalenz psychischer Störungen nimmt nicht zu. Allerdings steigt die Erkennung und Diagnostik von psychischen Erkrankungen. Trotz dieser Entwicklung liegt der Anteil der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitsfälle bei 5,2%, deutlich hinter Atemwegs- und Muskel-Skelett-Erkrankungen. Ebenso wurden die meisten Arbeitsunfähigkeitstage (22,5%) durch Muskel-Skelett-Erkrankungen verursacht, da sie häufig mit langen Ausfallzeiten verbunden sind. Lediglich 11,2% der AU-Tage gehen auf psychische Erkrankungen zurück.

Arbeitsunfähigkeit der AOK-Mitglieder nach Krankheitsarten 2017 (Fehlzeitenreport 2018)

Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO)


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BDA | DIE ARBEITGEBER
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

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Dezember 2018