Deutscher Qualifikationsrahmen

Mobilität und Durchlässigkeit durch Transparenz verbessern

Der Deutsche Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR) ist ein Transparenz-instrument, das die Vergleichbarkeit von Qualifikationen in Europa erleichtern und dadurch sowohl die grenzüberschreitende Mobilität als auch die Durchlässigkeit innerhalb des Bildungssystems verbessern soll. Ausgangspunkt für die Entwicklung des DQR war der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR).

Um das Qualifikationsniveau der vielen unterschiedlichen Bildungsabschlüsse in Europa besser vergleichen zu können, haben das Europäische Parlament und der Europäische Rat die Einrichtung des Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (EQR) beschlossen. Der EQR umfasst acht Qualifikationsniveaus, denen Abschlüsse zugeordnet werden können. Dabei gilt das Prinzip: je höher das EQR-Niveau, desto umfangreicher sind die dem zugeordneten Abschluss zugrundeliegenden Kompetenzen.

Eine direkte Zuordnung von Qualifikationen zu den EQR-Niveaus ist aufgrund der großen Unterschiede zwischen den nationalen Bildungs- und Qualifikationssystemen nicht möglich. Zusätzlich zum EQR haben die EU-Mitgliedstaaten daher nationale Qualifikationsrahmen (NQR) entwickelt, die den Besonderheiten des jeweiligen Bildungssystems Rechnung tragen und über eine abweichende Anzahl von Qualifikationsniveaus verfügen können. Der DQR verfügt genauso wie der EQR über acht Niveaustufen, so dass DQR- und EQR-Niveau identisch sind. Mit Blick auf die Berufsbildung lässt sich festhalten, dass Ausbildungsabschlüsse mit zweijähriger Ausbildungszeit dem Niveau 3, solche mit drei- bis dreieinhalbjähriger Ausbildungszeit dem Niveau 4 und Fortbildungsabschlüsse wie Betriebs- und Fachwirt/-in, Fachkaufleute und Meister/-in dem Niveau 6 des DQR zugeordnet sind. Mit einer erfolgreich abgeschlossenen dreijährigen Berufsausbildung ist man also im Besitz einer Qualifikation, die dem Niveau 4 des DQR sowie dem Niveau 4 des EQR entspricht. Dadurch, dass alle nationalen Qualifikationsrahmen auf den „Metarahmen“ EQR Bezug nehmen („Referenzierung“), werden diese auch untereinander vergleichbar. Eine deutsche dreijährige Berufsausbildung entspricht bspw. dem Niveau 5 des Irischen Qualifikationsrahmens. Andersherum entspricht die zweijährige irische Hochschulqualifikation „Higher Certificate“ dem Niveau 6 des Irischen Qualifikationsrahmens und damit Niveau 5 des EQR bzw. DQR.


Die aufgeführten Beispiele machen deutlich, dass es sich bei der Zuordnung zum DQR bzw. EQR ausschließlich um eine abstrakte Bewertung des Qualifikationsniveaus handelt. Das gleiche Qualifikationsniveau besagt somit ausschließlich, dass durch die Qualifikationen Kompetenzen nachgewiesen werden, die zu ähnlich komplexen Tätigkeiten befähigen, ohne dass die Tätigkeiten, die konkret ausgeübt werden, vergleichbar sind. Beispielsweise haben sich Personen mit einer erfolgreich abgeschlossenen Kochausbildung während ihrer Ausbildung andere Kompetenzen angeeignet, als Personen, die eine Ausbildung zum Kaufmann/-frau für Büromanagement erfolgreich abgeschlossen haben. Ungeachtet dessen entsprechen beide Berufsabschlüsse dem Niveau 4 des DQR bzw. EQR. Entsprechend kann vom Qualifikationsniveau ausschließlich abgeleitet werden, dass Köche/Köchinnen in ihrer Komplexität vergleichbare Tätigkeiten durchführen können, wie Kaufleute für Büromanagement, auch wenn diese Tätigkeiten inhaltlich nicht miteinander vergleichbar sind. Auf Grundlage des DQR bzw. EQR sind somit keine Aussage über die tatsächlich durch die Qualifikation nachgewiesenen Kompetenzen möglich.

Seit 2014 erfolgt schrittweise die Ausweisung der DQR-/EQR-Niveaus auf neu ausgestellten Qualifikationsbescheinigungen. Für die Umsetzung müssen in den einzelnen Bildungsbereichen verwaltungsrechtliche Voraussetzungen (z.B. Rechtsverordnungen der Länder) geschaffen werden. In der bundesrechtlich geregelten beruflichen Bildung wird die Zuordnung eines Abschlusses zum jeweiligen DQR- und EQR-Niveau auf den entsprechenden Abschlusszeugnissen seit Januar 2014 ausgewiesen. Im Hochschulbereich wird das DQR-/EQR-Niveau im Diploma Supplement ausgewiesen. Auch neue Europass-Dokumente werden mit einem Verweis auf das jeweils zutreffende DQR-/EQR-Niveau versehen.

Diese Information auf den Zeugnissen hilft Arbeitgebern dabei, das Anspruchsniveau einer im Ausland erworbenen Qualifikation richtig einzuschätzen und fördert die grenzüberschreitende Fachkräftemobilität. Gleichzeitig belegen DQR und EQR das hohe Niveau der deutschen Berufsbildung und helfen damit Absolventinnen und Absolventen, die im europäischen Ausland eine Beschäftigung oder Weiterbildung ausüben wollen. Durch die Orientierung an Lernergebnissen – entscheidend ist, was jemand aufgrund seiner Qualifikation kann und nicht, wo und wie lange er gelernt hat – wird zudem die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Qualifikationen verdeutlicht. Entsprechend sind viele Fortbildungsabschlüsse der Berufsbildung, wie Betriebs- und Fachwirt/-in, Fachkaufleute und Meister/-in, genauso wie der an einer Hochschule erworbene Bachelorabschluss dem DQR Niveau 6 zugeordnet. Auf diesem Wege kann der DQR auch dazu beitragen, Übergänge im deutschen Bildungssystem zu erleichtern und die starke Trennung der verschiedenen Bildungsbereiche aufzulockern.

Rechtsansprüche auf den Zugang zu Bildungsgängen, die Zulassungen zu Prüfungen, die Anrechnung oder Anerkennung von Bildungsergebnissen werden durch den DQR nicht begründet. Ebenso ist das Erreichen eines Niveaus entkoppelt von tarif- und besoldungsrechtlichen Auswirkungen.
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