Betriebliche Ausbildung

Bessere Rahmenbedingungen für die Fachkräftesicherung

Damit die betriebliche Ausbildung weiterhin die Säule zur Sicherung eines qualifizierten Fachkräftenachwuchses bleibt, müssen Ausbildungsstrukturen bedarfsgerecht gestaltet, Ausbildungshemmnisse beseitigt und die Rahmenbedingungen verbessert werden.
Die betriebliche Ausbildung im dualen System ist durch die enge Verknüpfung mit der Arbeitswelt ein optimaler Start in den Beruf. Sie sichert den Unternehmen gut qualifizierte Fachkräfte und den Jugendlichen gute berufliche Chancen. Unternehmen engagieren sich daher auf breiter Basis für die Ausbildung – so bilden rund 80 Prozent der dazu berechtigten Betriebe aus; sie investieren pro Jahr rund 25,64 Mrd. Euro in ihre rund 1,4 Mio. Auszubildenden. Nicht zuletzt durch das große Engagement der Wirtschaft und die enge Verknüpfung von Lernen und Praxis hat Deutschland die niedrigste Jugendarbeitslosigkeitsquote in Europa.

Zentrale Herausforderung für die Ausbildung ist der demographisch bedingte Bewerberrückgang. Betriebe haben zunehmend Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Gleichwohl gibt es weiterhin zu viele Jugendliche, denen die Integration in Ausbildung nicht gelingt oder erst nach Ausgleich schulischer Defizite im Übergangssystem, vor allem weil ihnen die erforderlichen grundlegenden Kompetenzen im Rechnen, Schreiben und Lesen fehlen.

Ausbildungsreife sicherstellen

Viele Jugendliche verlassen die Schule nicht mit dem erforderlichen Rüstzeug für die Ausbildung. Bildungspolitische Reformen müssen daher die Qualität der Schulen verbessern. Zur Ausbildungsreife gehört auch eine fundierte Berufsorientierung, damit Schüler besser auf die Arbeitswelt vorbereitet sind. Diese muss fest im Schulalltag verankert und in Kooperation mit der Wirtschaft und der Bundesagentur für Arbeit vermittelt werden.

Für die oft schulmüden Jugendlichen mit Schwierigkeiten am Übergang Schule/Ausbildung sind mehr betriebsnahe Angebote erforderlich. Die betrieblichen Einstiegsqualifizierungen haben mit ihren hohen Übergängen in Ausbildung (rund 70 Prozent) gezeigt, wie hilfreich solche Angebote sind. Mehr Praxisklassen sowie eine verstärke Nutzung flankierender Hilfen (z.B. sozialpädagogische Begleitung) bei betrieblicher Ausbildung und Ausbildungsvorbereitung stellen die wirkungsvollsten Ansätze dar. Hilfreich ist auch die „Assistierte Ausbildung“. Sie begleitet benachteiligte Jugendliche von der Ausbildungssuche bis zum Ausbildungsabschluss und unterstützt Unternehmen bei administrativen und organisatorischen Aufgaben. Betriebe engagieren sich bereits im Rahmen von Ausbildungsvorbereitung und Ausbildung in großem Umfang für schwächere Jugendliche. So bieten etwa zwei Drittel der ausbildenden Betriebe Nachhilfe oder Stützunterricht an.



Ausbildungsstrukturen modernisieren

Die Berufsordnungsarbeit der Sozialpartner (157 modernisierte und rund 15 neue Ausbildungsberufe in den letzten 10 Jahren) muss konsequent fortgesetzt werden, damit die Ausbildungsberufe auch künftig dem aktuellen Bedarf der Praxis entsprechen und neue Tätigkeitsfelder für Ausbildung erschlossen werden.

Zudem braucht das duale Bildungssystem ein „Mehr“ an Flexibilität, Vielfalt und Durchlässigkeit. Hierbei geht es nicht um Flexibilisierung nach einem Einheitsmuster. Ziel sind vielmehr zusätzliche Gestaltungschancen und -optionen.


Neben der Förderung leistungsstarker Jugendlicher bspw. durch Zusatzqualifikationen bedeutet dies auch, im Ausbildungssystem mehr Chancen für leistungsschwache Jugendliche zu schaffen. Gebraucht werden „schlanke", flexible Berufe mit weniger komplexen Anforderungen.

Digitale Kompetenzen ausbauen

Vor dem Hintergrund der weiter steigenden Digitalisierung und Vernetzung der Wirtschaft und um sich auch künfig im Wettbewerb durchsetzen zu können, müssen Unternehmen ihre Geschäftsmodelle und -prozesse anpassen. Dies wirkt sich auch auf die Ausbildungsberufe aus. Digitale Kompetenzen wie bspw. Prozesswissen, Analysefähigkeiten und die Fähigkeit, Daten richtig interpretieren zu können, gewinnen zunehmend an Bedeutung und müssen dementsprechend auch im Zuge der betrieblichen Ausbildung stärker vermittelt werden. Diese Entwicklung betrifft gewerblich-technische und kaufmännische Berufe gleichermaßen. Fest steht aber auch: Die Ausbildungsordnungen sind technologieoffen formuliert, flexibel, definieren Mindeststandards und lassen damit Raum für die Anpassung an unterschiedliche betriebliche Erfordernisse und an die technische Entwicklung – auch an die Digitalisierung. Ein umfassender Modernisierungsbedarf aller Ausbildungsberufe besteht daher nicht. Vielmehr garantieren die Sozialpartner eine passgenaue Modernisierung entlang der sich veränderten betrieblichen Bedarfe und Prozesse. Beispielsweise wurden in der Metall- und Elektroindustrie und in der Chemieindustrie Ausbildungsordnungen gezielt durch eine Teilnovellierung modernisiert. Seit dem Ausbildungsjahr 2018/2019 ist die Vermittlung von Kompetenzen zur Digitalisierung der Arbeit, Datenschutz und Informationssicherheit für die M+E-Berufe fester Bestandteil der Ausbildung. Zudem gibt eine Reihe von wählbaren Zusatzqualifikationen den im Digitalisierungsprozess unterschiedlich aufgestellten Betrieben die Möglichkeit, gezielt Kompetenzen für den digitalen Wandel aufzubauen. Auch beim Ausbildungsberuf „Chemikant“ wurde durch die neue Wahlqualifikation „Digitalisierung und vernetzte Produktion“ die Option für die Betriebe geschaffen, verstärkt digitale Kompetenzen im Zuge der Ausbildung zu vermitteln. Einen anderen Weg ist der Handel gegangen. Aufgrund des weiter stetig wachsenden Online-Handels und dem unterschiedlichen Kompetenzprofil für Fachkräfte im Online- und im stationären Handel, wurde der neue Ausbildungsberuf „Kaufleute im E-Commerce“ geschaffen. In diesem wird seit dem 1. August 2018 ausgebildet.

Rahmenbedingungen verbessern

Wachstums- und beschäftigungsfördernde Reformen sind die beste Ausbildungspolitik. Denn nur Betriebe, die optimistisch in ihre wirtschaftliche Zukunft blicken können, investieren in ihren Nachwuchs. Angesichts der zunehmenden Passungsprobleme in der dualen Ausbildung muss zudem dafür Sorge getragen werden, dass alle Jugendlichen fundiert über die vielfältigen Ausbildungsberufe und Karrierechancen der dualen Ausbildung informiert werden. Voraussetzung hierfür ist, dass an allen allgemeinbildenden Schulen eine praxisorientierte Berufsorientierung angeboten wird. Auch müssen gemeinsame Anstrengungen zur Verbesserung der Mobilität von Auszubildenden unternommen werden. Wichtig für die Betriebe ist zudem die Berufsschule als verlässlicher Partner, der sich insbesondere durch eine moderne Ausstattung und ein flexibles Zeitmanagement auszeichnet.

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