kompakt

Krankenstand

Der Krankenstand der Pflichtmitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung bewegt sich mit 4,2 % im Jahr 2017 weiterhin auf einem niedrigen Niveau verglichen mit dem Stand zur Einführung der Lohnfortzahlung im Jahr 1970 (5,6 %). Allerdings werden dabei Kurzzeiterkrankungen von bis zu drei Tagen Dauer, für die regelmäßig keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vorgelegt werden müssen, statistisch untererfasst. Neben dem individuellen Gesundheitsverhalten, das von großer Bedeutung ist, sind mehrere Faktoren für diesen langfristigen Trend verantwortlich.

Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Produktions- und Beschäftigungsstrukturen erheblich verändert: Waren 1970 von allen Erwerbstätigen noch 8 % in der Land- bzw. Forstwirtschaft und Fischerei sowie 47 % im produzierenden Gewerbe tätig, sind es heute nur noch 1 % bzw. 23 %. Spiegelbildlich dazu hat der Anteil der Erwerbstätigen im Dienstleistungsbereich von 45 % auf 75 % stark zugenommen (Statistisches Bundesamt, 2018). Durch das Wachstum des Dienstleistungssektors – hier vor allem der wissensbasierten Dienstleistungen – und den Rückgang des produzierenden Gewerbes sowie des Baugewerbes haben körperlich belastende Tätigkeiten für viele Beschäftigte an Bedeutung verloren. Daher geht der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft – unabhängig von Verbesserungen der Arbeitsbedingungen auch im produzierenden Gewerbe – mit einem insgesamt sinkenden Krankenstand einher.

Rückgang der Arbeitsunfälle

Seit 1970 ist die Zahl der Arbeitsunfälle je 1.000 Vollzeitbeschäftigte („Vollarbeiter“) sehr deutlich von fast 103 auf nur noch 21,2 (2017) zurückgegangen. Die Investitionen der Arbeitgeber in Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz haben den Fehlzeitenstand aufgrund von Arbeitsunfällen überaus kräftig gesenkt.

Verbesserung der betrieblichen Gesundheitsförderung

Qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen können ohne leistungsfähige und leistungsbereite Beschäftigte nicht erbracht werden. Immer mehr Unternehmen betreiben daher eine aktive und systematische betriebliche Gesundheitsförderung bzw. ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Auch die Maßnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung und der gesetzlichen Unfallversicherung zur Vermeidung arbeitsbedingter Erkrankungen haben in den letzten Jahren zugenommen. Durch die allgemeine Verbesserung der Gesundheit der Beschäftigten wird neben der Leistungsfähigkeit auch der Krankenstand positiv beeinflusst.

Krankenstandsrückgang nicht nur medizinisch begründet

Neben dem Gesundheitszustand der Mitarbeiter haben auch andere Umstände maßgeblichen Einfluss auf den Krankenstand. Insbesondere besteht ein Zusammenhang zur jeweiligen Arbeitsmarktlage: Während bei hoher Arbeitslosigkeit Befindlichkeitsstörungen weniger häufig als Anlass für eine Krankschreibung genommen werden, steigt die Fehlzeitenquote bei verbesserter Arbeitsmarktlage tendenziell an. Für ein hohes Ausmaß an sog. motivationsbedingten Fehlzeiten sprechen auch die erheblichen, medizinisch nicht begründbaren regionalen Krankenstandsunterschiede: Bei den Mitgliedern der größten gesetzlichen Krankenkasse, der Techniker Krankenkasse, reichte die Spannbreite 2017 von 12,4 Arbeitsunfähigkeitstagen in Baden-Württemberg bis zu 19,5 Arbeitsunfähigkeitstagen in Mecklenburg-Vorpommern (TK Gesundheitsreport, 2018). Immer mehr Betriebe erkennen diesen Zusammenhang und versuchen, den motivationsbedingten Krankenstand zu begrenzen. Bewährt haben sich insbesondere Rückkehrgespräche, aber auch erweiterte Verantwortungs- und Handlungsspielräume für die Mitarbeiter.

Initiativen der BDA

  • Regelmäßige Berichterstattung über Krankenstände, Fehlzeitenquoten und Entgeltfortzahlungskosten insgesamt sowie nach Branchen, Arbeitnehmergruppen und Ursachen in Publikationen

Kosten der Entgeltfortzahlung bleiben hoch - Krankenstand weiterhin niedrig

Die Entgeltfortzahlung bei Krankheit ist nach wie vor die mit weitem Abstand teuerste ausschließlich vom Arbeitgeber finanzierte Sozialleistung. Nach der Schätzung im aktuellen Sozialbudget beliefen sich die Entgeltfortzahlungskosten 2017 auf rd. 49,9 Mrd. €. Hinzu kommen insbesondere noch die hierauf fälligen Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung. Daraus resultieren zusätzliche Kosten von etwa 11,0 Mrd. €. Daneben finanzieren die Betriebe die Krankengeldzahlungen der Krankenkassen mit. Dieser Posten schlug 2017 bei ihnen mit 4,2 Mrd. € zu Buche. In der Summe ergeben sich daraus für die Betriebe Kosten durch krankheitsbedingte Fehlzeiten von gut 65,1 Mrd. € pro Jahr.


Krankenstand weiterhin niedrig
Jahresdurchschnittlicher Krankenstand der Pflichtmitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (ohne Rentner)
Jahresdurchschnittlicher Krankenstand der Pflichtmitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (ohne Rentner)
bis 1990 alte Bundesländer, ab 1995 Gesamtdeutschland

Quelle: Bundesgesundheitsministerium, 2018


Publikation downloaden

Ansprechpartner

BDA | DIE ARBEITGEBER
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Soziale Sicherung
T +49 30 2033-1600
Dezember 2018