ARBEIT MADE IN GERMANY


Wie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gute Arbeit gestalten

Gute Arbeit ist wichtig. Sie sollte nicht nur Geld einbringen, sondern Sinn stiften, Freude bereiten, herausfordernd, aber nicht über- oder unterfordernd sein. Sie hält die Unternehmen wettbewerbs-fähig, innovativ und leistungsstark. Gute Arbeitsbedingungen sorgen dafür, dass die Beschäftigten gesund und mit Motivation tätig sind. Um neue Talente gewinnen und bisherige Beschäftigte halten zu können, ist das ein Muss. Und es sieht gut aus: Beschäftigte in Deutschland sind hochzufrieden mit ihrer Arbeit (Destatis, 2018a; BMAS, 2018). Auch in der Corona-Krise haben die Beschäftigten ihren Arbeitgeber*innen gute Noten für ihr Engagement, ihre Resilienz und Schutzmaßnahmen gegeben (psyGA 2020; Waltersbacher, 2021).


Der Wert der Arbeit bleibt gleich, doch die Erwartungen ändern sich


Gut gestaltete Arbeit ist ein Schlüsselfaktor für Gesundheit, Motivation und Selbstwertgefühl (Knieps & Pfaff, 2020). Was sie so einzigartig macht, sind ihre Eigenschaften: Arbeit schafft soziale Kontakte und ein unterstützendes Umfeld, sie strukturiert den Tag (die Woche, das Jahr), ermöglicht persönliche Weiterentwicklung und die Erfahrung, dass das eigene Handeln wertvoll ist.

Dieser Wert der Arbeit ist der gleiche wie noch vor Jahrzehnten – was sich ändert, ist die Erwartung an die Arbeitsbedingungen. Beschäftigte wünschen sich mehr Eigenverantwortung und Flexibilität (Raeder & Grote, 2001). Zeitgleich bestehen weiterhin „traditionellere“ Erwartungen wie Arbeitsplatzsicherheit, lebenslange Beschäftigung, interner Aufstieg und Spezialisierung.

Für die Unternehmen in Deutschland ist es immer wichtiger, flexibel und veränderungsbereit zu sein. Sie stehen vor der Herausforderung, die verschiedenen Erwartungen der Beschäftigten mit den Anforderungen durch Digitalisierung, Change-Prozesse, Nachhaltigkeit, neue Formen der Führung, Agilität und Flexibilität zu vereinbaren – und zwar so, dass die Arbeitsbedingungen weiterhin positiv für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Motivation sind.

Gut zu wissen:

89 % der Beschäftigten sind mit ihrer Arbeit zufrieden
oder sehr zufrieden
(Destatis, 2018a)


Hohe Arbeitszufriedenheit in Deutschland


Die Betriebe nehmen diese Herausforderungen und die Erwartungen der Beschäftigten ernst. Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Beschäftigten ihre Arbeitssituation sehr positiv sehen. 89 % der Erwerbstätigen in Deutschland sind mit ihrer Arbeit mindestens zufrieden, 33 % sogar sehr zufrieden (Destatis, 2018a). Dabei unterscheidet sich die Jobzufriedenheit kaum im Alter (BMAS, 2018). Gerade der Mittelstand zeigt viel Engagement durch ein mitarbeiterorientiertes Personalmanagement die Arbeitszufriedenheit weiter zu steigern (BMAS, 2018).


Arbeitsgestaltung als Schlüssel für Arbeitszufriedenheit


Gute Grundlage für hohe Zufriedenheit sind gute Arbeitsbedingungen in den Betrieben. Laut Stressreport 2019 (BAuA, 2020b) zeigt sich, dass Ressourcen bei der Arbeit wie die soziale Unterstützung auf gleichbleibend hohem Niveau sind, was die gute Zusammenarbeit bzw. Unterstützung durch Kolleginnen & Kollegen und das Gefühl, ein Teil der Gemeinschaft am Arbeitsplatz zu sein anbelangt. Die Unterstützung durch die Führungskraft hat noch Entwicklungspotenzial (siehe Abbildung 1).

Zeitgleich sinken kritische Belastungsfaktoren wie Arbeitstempo, Termin- und Leistungsdruck, ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge, die Zahl der Umstrukturierungen in den letzten zwei Jahren (BAuA, 2020b). Zu diesen Ergebnissen kommen ebenfalls internationale Erhebungen (Eurofound, 2015 ). 2005 gaben noch 32 % der Erwerbstätigen in Deutschland an (fast) die ganze Zeit in einem hohen Arbeitstempo zu arbeiten. 2015 lag der Anteil bei 20 %. Gleiches gilt für den Termindruck. 2005 berichteten 28 % der Beschäftigten (fast) die ganze Zeit unter hohem Termindruck zu arbeiten. 2015 waren es noch 22 %. Dieser positive Trend findet sich ebenso bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (Fischmann, 2019) und im europäischen Vergleich: Beschäftigte in Deutschland arbeiten mit weniger Zeitdruck als in anderen Länder. Neben dem Anstieg an Ressourcen bei der Arbeit und der Verringerung psychischer Belastungsfaktoren ist auch die physische und umgebungsbezogene Arbeitsbelastung in Deutschland niedriger als in den Vorjahren und unter dem europäischen Durchschnitt (Eurofound, 2015). Ebenso sinken die Arbeitszeiten stetig, das gilt auch für Überstunden bzw. Mehrarbeit (BAuA, 2020b; IAB 2020b).

Ressourcen der bei der Arbeit

    • Hilfe/Unterstützung von Kolleginnen & Kollegen79%
    • Am Arbeitsplatz Teil einer Gemeinschaft80%
    • gute Zusammenarbeit mit Kolleginnen & Kollegen86%
    • Hilfe/Unterstützung von direkt Vorgesetzten59%
      Abbildung 1: Ausmaß der Ressource „Soziale Unterstützung“ im Betrieb (BAuA, 2020b)

Sozialpartnerschaft und Tarifverträge prägen Arbeitsbedingungen


In Deutschland nimmt die kooperative Beziehung zwischen Arbeitgeberinnen & Arbeitgebern und Beschäftigten (bzw. ihren jeweiligen Vereinigungen) eine besondere Rolle für die Gestaltung der Arbeitsbeziehungen und der Arbeitsbedingungen ein. Diese Sozialpartnerschaft findet auf unterschiedlichen Ebenen statt: In Tarifverträgen vereinbaren Arbeitgeberverbände oder einzelne Arbeitgeberinnen & Arbeitgeber mit Gewerkschaften Arbeitsbedingungen für ganze Branchen bzw. einzelne Unternehmen. Die Sozialpartner wirken über die Vertreterinnen & Vertreter der Arbeitgeber- und der Versicherten(Arbeitnehmer) -seite an der Selbstverwaltung der Sozialversicherungen und der Bundesagentur für Arbeit mit und werden als ehrenamtliche Richterinnen & Richter an der Arbeits- und Sozialgerichtbarkeit beteiligt. In den Betrieben arbeiten gewählte Betriebsräte mit der Unternehmensleitung vertrauens- und verantwortungsvoll zusammen.
 

Gemeinsam durch die Krise

Arbeit made in Germany während der Pandemie
Auch während der Corona-Zeit stellen die Beschäftigten ihren Betrieben ein sehr gutes Zeugnis aus (psyGA, 2020). Eine Bertelsmann Studie zeigt, dass 86 % der Arbeitnehmer*innen in der Privat-wirtschaft auch in der Corona-Krise mit dem Verhalten ihrer ArbeitgeberIn gegenüber ih-ren/seinen Beschäftigten zufrieden sind (2021). Ein Grund dafür ist, dass die Betriebe in der Krise z. B. den so wichtigen Arbeits- und Infektionsschutz schnell umgesetzt und zur Chefsache gemacht haben: Bei 98 % der Betriebe mit spezifischen Corona-Regelungen zum Arbeitsschutz war die Ge-schäftsleitung involviert (BAuA, 2020a). Aufgrund der zum Teil schwierigen wirtschaftlichen Lage gibt es natürlich ebenfalls einen Anstieg an Unsicherheit. Hier ist die gute Kommunikation und Unterstützung gefragt, wobei 66 % der befragten Beschäftigten angeben, dass die Unterstützung ihrer Betriebe vorbildlich ist (psyGA, 2020). und 77,7 % sagen, dass ihr Unternehmen hinter ihren Mitarbeiter*innen stand (Waltersbacher et al., 2021).
Unternehmen wagen den Sprung nach vorn
Deutschlands Wirtschaft hat zudem gute Voraussetzungen, gestärkt aus der tiefsten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik hervorzugehen. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentati-ven Umfrage – dem „Resilienz-Check“ – die im Auftrag von Microsoft und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (Microsoft & BDA, 2020) die Fähigkeit deutscher Unterneh-men zur Bewältigung von Krisen untersucht hat. Demnach erfüllt die Mehrzahl der Unternehmen entscheidende Bedingungen für Resilienz. Viele haben die Corona-Pandemie genutzt, ihre Wider-standsfähigkeit weiter zu verbessern und bei den Beschäftigten herrscht eine große Offenheit für neue Lösungen. Sechs von zehn Beschäftigten sagen, dass sie sich gerne mit neuen Technologien und Arbeitsweisen auseinandersetzen.
Insbesondere Tarifverträge leisten dabei einen wichtigen Beitrag für die guten Arbeitsbedingungen in Deutschland. Sie sind nach wie vor die wesentliche Ordnungsgröße für die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse. Tarifverträge enthalten nicht nur Regelungen zu den Kernbedingungen der Arbeit wie Lohn, Urlaub und Arbeitszeit. Sie bieten oftmals auch geeignete Rahmenbedingungen bspw. für eine bessere Vereinbarkeit von Berufsleben und privatem Alltag, die Fort- und Weiterbildung der Beschäftigten oder eine betriebliche Altersvorsorge. Weiter ausgestaltet werden diese Regelungen häufig auf betrieblicher Ebene. Dabei prägen Tarifverträge oft auch in den Betrieben die Arbeitsbedingungen, in denen sie nicht unmittelbar gelten. Fast drei Viertel aller Arbeitsverhältnisse werden so direkt bzw. indirekt durch Tarifverträge ausgestaltet (Ellguth & Kohaut, 2021).