ARBEIT MADE IN GERMANY


Gute Bezahlung, umfassende soziale Absicherung, viele Extras

 
Beschäftigte in Deutschland werden gut bezahlt. Sie genießen eine hohe soziale Absicherung und profitieren von vielen freiwilligen betrieblichen Zusatzleistungen.

Sogenannte „Normalarbeitsverhältnisse“ bleiben weiterhin die Regel und auch das Neue Normal ist viel normaler, als so manche denken. Nebenbei steigen auch noch die Löhne und wir haben mehr Geld im Portemonnaie.
 


Deutschland ist ein Hochlohnland


Die Arbeitgeberinnen & Arbeitgeber in Deutschland zahlen besonders hohe Löhne und Gehälter. Im Eurowährungsraum gehörte Deutschland 2018 mit einem Durchschnittslohn von rund 22 Euro pro Stunde zu den Ländern mit den höchsten Verdiensten (Eurostat, 2021). Die Summe aller gezahlten Bruttolöhne und -gehälter in Deutschland lag im Jahr 2020 bei mehr als 1,5 Bio. Euro.

Berücksichtigt man zudem die von den Arbeitgeberinnen & Arbeitgebern gezahlten Sozialbeiträge, belief sich das gesamte Arbeitnehmerentgelt allein im letzten Jahr auf über 1,9 Bio. Euro.

Mit Ausnahme des Pandemiejahres 2020 haben sich Verdienste positiv entwickelt seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009. Die Brutto- und Nettoverdienste stiegen in diesem Zeitraum insgesamt um mehr als 30 % (Destatis, 2021a). Die Zufriedenheit mit dem Haushaltsnettoeinkommen ist daher zwischen 2007 und 2017 über alle Einkommensgruppen in Deutschland hinweg gestiegen – auch in den untersten Zehntel (DIW, 2019). Jedes dieser Beispiele kann Vorbild und Anregung sein, wie gute Arbeit in der Praxis gestaltet wird und wie gute Arbeitsbedingungen dazu beitragen die Motivation der Beschäftigten und ihre Identifikation mit dem Unternehmen zu steigern. So wird „Arbeit made in Germany“ zum Erfolgsmodell auch für die Zukunft.
 
Gut zu wissen >>
Sogenannte „Normalarbeitsverhältnisse“ sind die Regel. Zwischen 2006 und 2019 ist die Zahl ab-hängig Beschäftigter in einem sogenannten "Normalarbeitsverhältnis" um 21 % auf 26,8 Mio. ge-wachsen, während die flexible Beschäftigung im selben Zeitraum um 3 % auf 7,3 Mio. gesunken ist (Destatis, 2020). Der Anteil der Befristungen aller abhängig Beschäftigten liegt seit Jahren auf einem geringen Niveau unter 10 %. Nach Zahlen des IAB lag er im Jahr 2019 bei 7,2 % (IAB, 2020a). Flexible Beschäftigungsformen spielen auf dem Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle: Sie erleichtern den Einstieg in Arbeit und Chancen gerade auch für gering Qualifizierte und Langzeitarbeitslose.

Zudem kommen flexible Beschäftigungsformen dem Bedürfnis der Beschäftigten nach mehr Flexi-bilität entgegen – insbesondere bei Teilzeitarbeit. Diese wird überdurchschnittlich oft von Frauen ausgeübt, wobei 82 % der teilzeitbeschäftigten Frauen gemäß einer Repräsentativbefragung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums freiwillig und sehr gern in Teilzeit arbeiten (Wippermann, 2018). Dennoch gilt es die Rahmenbedingungen, etwa durch passende Kinderbetreuungsmöglich-keiten, zu verbessern, um Frauen eine Vollzeittätigkeit oder eine vollzeitnahe Teilzeit zu ermögli-chen. Viele Arbeitgeber*innen bieten daher individuelle Arbeitszeitmodelle, Langzeitkonten oder Möglichkeiten zur Arbeit von Zuhause an (DGCN, 2018; LINK ZU Arbeit 4.0: Chancen mobiler und flexibler Arbeitszeitgestaltung nutzen).

Beschäftigte profitieren von umfassender sozialer Sicherung


Der deutsche Sozialstaat leistet ein sehr hohes Schutzniveau und sichert Beschäftigte in allen Lebenslagen ab. Sie erhalten Schutz bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit, bei Unfällen und im Alter. Gemeinsam mit ihren Familien profitieren sie zudem von einer Vielzahl familienbezogener Leistungen, z. B. Elterngeld. Insgesamt werden in Deutschland mehr als 1,1 Bio. Euro für die Finanzierung von Sozialleistungen aufgewendet. Größter Financier des deutschen Sozialstaats sind mit einem Finanzierungsanteil von rd. 35 % die Arbeitgeberinnen & Arbeitgeber (BMAS, 2021). Sie leisten nicht nur gemeinsam mit den Beschäftigten Sozialversicherungsbeiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, sondern finanzieren darüber hinaus alleine zugunsten der Beschäftigten die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, die Absicherung in der gesetzlichen Unfallversicherung, das Insolvenzgeld und die Zuschüsse zum Mutterschaftsgeld.
KURZARBEITERGELD: ABSICHERUNG IN KRISENZEITEN

In der Pandemie hat sich unser Sozialstaat wieder als besonders wertvoll bewährt: So hat die Bundesanstalt für Arbeit im Jahr 2020 rund 22,1 Mrd. Euro ausgegeben für das sogenannte „konjunkturelles Kurzarbeitergeld“ oder kurz „Kug“; inklusive der Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge (erst ab März 2020; BMAS 2021). Mit dem Kurzarbeitergeld konnten in der Pandemie viele Arbeitsplätze erhalten werden und hat auch so manch eine Sorge nehmen können, wie die berufliche Existenz nach der Pandemie wohl aussehen wird.
 

Arbeitgeber leisten freiwillig viel oben drauf


Neben hohen Verdiensten und einer umfassenden sozialen Absicherung profitieren Beschäftigte in Deutschland von vielen freiwilligen Extras, die ihre Betriebe noch zusätzlich für sie erbringen. Die bedeutendste freiwillige Zusatzleistung der Betriebe ist die betriebliche Altersversorgung. Die jährlichen Aufwendungen für betriebliche Altersvorsorge betragen insgesamt 38,8 Mrd. Euro, davon werden ca. 76,4 % von den Arbeitgeberinnen & Arbeitgebern finanziert (alle Angaben aus BMAS, 2021) Deutschland zählt zu den EU-Staaten mit einer langen und erfolgreichen Tradition in der betrieblichen Altersvorsorge. Bereits im vorletzten Jahrhundert haben Unternehmen betriebliche Altersvorsorge für ihre Beschäftigten begründet und bis heute erfolgreich fortentwickelt. Heute bestehen ca. 21 Mio. aktive Betriebsrentenanwartschaften, also Anwartschaften, für die im jeweiligen Jahr Beiträge entrichtet bzw. zusätzliche Ansprüche erworben wurden. Ca. 18,2 Mio. Beschäftigte in Privatwirtschaft und öffentlichem Dienst verfügen über mindestens eine zusätzliche Betriebsrente (bzw. eine entsprechende Anwartschaft) (BMAS, 2021).

In über 400 Tarifverträgen für rund 20 Mio. Arbeitnehmerinnen & Arbeitnehmer wurden Vereinbarungen zur betrieblichen Altersvorsorge getroffen. Oftmals wurden in Tarifverträgen auch Finanzierungsbeiträge der Arbeitgeber vereinbart. Auf diese Weise konnte die Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge auch in bislang unterrepräsentieren Branchen erhöht werden (z. B. Handel oder Hotel- und Gaststättenbereich).
 
 
Betriebliche Altersvorsorge ist aber längst nicht die einzige freiwillige Zusatzleistung, die Arbeitgeberinnen & Arbeitgeber für ihre Beschäftigen finanzieren. Zuschüsse zu Betriebskantinen, Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen, vermögenswirksame Leistungen, privat nutzbare Firmenfahrzeuge oder -räder, Zuschüsse zu Firmentickets für den öffentlichen Nahverkehr, die Bezahlung der Bahncard oder auch Rabatte auf die eigenen Produkte sind weitere typische Beispiele für betriebliche Extras. Außerdem wächst die Bedeutung betrieblicher Kranken- und Pflegezusatzversicherungen. Ende 2020 hatten etwa 1,04 Millionen Personen eine betriebliche Krankenversicherung (PKV, 2021). Diese Verträge leisten einen wertvollen Beitrag zur Fachkräftesicherung und ermöglichen es den Beschäftigten, durch Gruppentarife meist ohne individuelle Gesundheitsprüfung an attraktive Zusatzversicherungen zu kommen.
 

Auch im Alter gut abgesichert


Vielleicht überraschend angesichts der medialen Diskussion – aber dennoch durch Zahlen, Daten und Fakten gut belegt: Beschäftigte erhalten im Alter eine gute Absicherung. Die Bundesregierung weist im aktuellen Alterssicherungsbericht darauf hin, dass die heutige Rentnergeneration „überwiegend gut versorgt“ ist. Demnach betrug in Deutschland das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen von Personen ab 65 Jahren im Jahr 2019 bei Ehepaaren 2.907 €, bei alleinstehenden Männern 1.816 € und bei alleinstehenden Frauen 1.607 €. Durchschnittlich lag das Haushaltsnettoeinkommen damit bei 2.207 € und ist seit 2015 um 14 % gestiegen (BMAS, 2020b). Im Vergleich dazu sind die Nominallöhne (Löhne, welche die Inflation nicht berücksichtigen) im gleichen Zeitraum um rd. 11 % gestiegen und die Preise nur um rd. 5 %. Man kann also sagen: Wir haben mehr Cash in der Tasche.