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Das Zusammenspiel von Gesundheit und Arbeit

 
Arbeit ist nicht nur existenzsichernd, sie ist auch sinnstiftend, macht zufrieden und sorgt für soziale Anerkennung (Badura et al. 2018; Knieps & Pfaff, 2020). Das psychische Wohlbefinden ist laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts bei Erwerbstätigkeit in Vollzeit am höchsten, gefolgt von Menschen in Teilzeit oder geringfügiger Beschäftigung, Haumänner und -frauen sowie nicht beschäftigten Personen (Thielen & Kroll, 2013).

Arbeitgeberinnen & Arbeitgeber möchten, dass ihre Beschäftigten auch bis ins Rentenalter gesundheitlich fit, leistungsfähig und leistungsbereit sind – und investieren daher viel in die Gesundheit ihrer Beschäftigten.
 


Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber schützen ihre Beschäftigten


Die Arbeitgeberinnen & Arbeitgeber haben ihren Beschäftigten gegenüber eine Fürsorgepflicht. D.h., sie müssen Risiken für Erkrankungen und Unfälle (sprich Gefährdungen) aufdecken. Dazu führen sie eine Gefährdungsbeurteilung durch und prüfen die Arbeitssituation - z. B. zum Umgang mit Gefahrstoffen, auf Muskel-Skelett oder psychische Belastung. Bei der letzten repräsentativen Befragung von Betrieben und Beschäftigten gaben 80 % der Verantwortlichen für Arbeitsschutz an, dass an den Arbeitsplätzen in ihrem Betrieb eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wird (NAK & BAuA, 2017). Nach einer DEKRA/forsa-Befragung (2019) von 300 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) führen insbesondere Unternehmen mit 50-250 Beschäftigten bei (fast) allen Arbeitsplätzen (90 %) eine Gefährdungsbeurteilung durch. Bei Unternehmen mit 250-500 Beschäftigten sind es sogar 96 %. Allerdings können insbesondere Kleinst- und Kleinbetriebe noch zu oft keine schriftlich dokumentierte Gefährdungsbeurteilung vorweisen. Anscheinend werden auch häufiger Büroarbeitsplätze bei der Gefährdungsbeurteilung nicht voll berücksichtigt (DEKRA/forsa, 2019). Ein Grund hierfür ist, dass Gefährdungen in diesen Betrieben im betrieblichen Alltag aufgedeckt und behoben werden (Beck et al., 2017), also unabhängig von der Durchführung einer formalisierten Gefährdungsbeurteilung. Nichtsdestotrotz ist die Gefährdungsbeurteilung für alle Unternehmen das grundlegende Instrument zum Gesundheitsschutz. Daher ist es Ziel und Aufgabe der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie „GDA“, an der sich auch Arbeitgeberverbände und Unternehmen beteiligen, dass möglichst alle Betriebe die Gefährdungsbeurteilung umsetzen und dokumentieren. Hierzu bedarf es niederschwelliger Handlungshilfen und Zusammenfassungen, die branchenspezifisch alle wesentlichen Informationen zum Arbeitsschutz beinhalten - wie die Branchenregeln der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.
DIE UNTERNEHMEN INVESTIEREN VIEL IN PRÄVENTION UND GESUNDHEITSSCHUTZ:

Von rund 14,3 Milliarden Euro, die im Jahr 2019 insgesamt für Prävention und Gesundheitsschutz eingesetzt wurden, brach-ten die Betriebe – neben Staat und privaten Haushalten – in etwa 6,5 Milliarden Euro bzw. 46 % der Gesamtsumme auf (Destatis, 2021b).

Gesundheitsförderung und Eingliederungsmanagement als fester Bestandteil in Unternehmen


Der Anteil der Betriebe mit freiwilligen Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) ist gemäß der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 von 34 % im Jahr 2006 auf 45 % im Jahr 2018 gestiegen (Lück et al., 2019). Interessante und passende Gesundheitsangebote sind entscheidend im Wettbewerb und für die Bindung neuer Talente. Daher findet die freiwillige betriebliche Gesundheitsförderung immer stärker Eingang in die Mitarbeiterführung und Personalpolitik. Um die Gesundheit und auch Selbstfürsorge ihrer Beschäftigten zu stärken, haben immer mehr Unternehmen Angebote im Repertoire wie Trainings zum rückengerechten Heben und Tragen am Arbeitsplatz, Gesundheits-Check-ups und -Screenings, persönliche Beratungsangebote (z. B. Sozialberatung, medizinische Beratung) sowie Führungskräfteseminare zur gesundheitsgerechten Mitarbeiterführung.

Sind Beschäftigte langfristig arbeitsunfähig, bieten Arbeitgeberinnen & Arbeitgeber ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM, siehe § 84 Absatz 2 SGB IX). Ziel ist es, auch Beschäftigte mit gesundheitlichen Problemen im Unternehmen zu halten und vorzubeugen, dass sie erneut erkranken und ausfallen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein gut strukturiertes betriebliches Eingliederungsmanagement kann den Wiedereinstieg erleichtern, die Motivation und Identifikation der Beschäftigten mit dem Betrieb erhöhen, Kolleginnen & Kollegen entlasten und Fehlzeiten verringern – und das ist natürlich auch gut für das Betriebsklima.
 
 

Die Rolle von Gestaltungskompetenzen, Eigenverantwortung und Selbstfürsorge wächst


Der Wandel der Arbeit geht nicht nur mit neuen Aufgaben für die Betriebe, sondern auch mit neuen Herausforderungen und Pflichten für die Beschäftigten einher. Die Digitalisierung bietet mehr Spielräume, die Arbeit eigenverantwortlich zu gestalten – und dies entspricht auch dem Wunsch vieler Beschäftigter (LINK zu: Wie Arbeitgeber gute Arbeit gestalten bzw. New Time, New Place: Flexibilität in den Betrieben). Auch werden eher Ziele statt konkreter Aufgaben festgelegt. Wie die Ziele erreicht werden, liegt verstärkt in der Hand der Beschäftigten. Hier spielt die sogenannte Arbeitsgestaltungskompetenz eine große Rolle. Unabhängig von den Pflichten der Arbeitgeberinnen & Arbeitgeber müssen Beschäftigte auch entsprechende Arbeitsgestaltungskompetenz erwerben und anwenden. Diese Kompetenz umfasst das Wissen um eine günstige Gestaltung der Arbeitsbedingungen (Zeit und Ort), welche die effektive Bewältigung der Arbeitsaufgaben ermöglicht, Motivation fördert und Fehlbelastung reduziert (Dettmers & Clauß, 2017). Arbeitgeberinnen & Arbeitgeber können zwar ein geeignetes Gerät für mobiles Arbeiten stellen, auf eine geeignete Sitzposition, Blendungsfreiheit etc. muss aber der Beschäftigte selbst an seinem gewählten Arbeitsort achten. Ferner gewinnen Selbstmanagementkompetenz (zur Selbstregulation und -führung) und Erholungskompetenz an Bedeutung (Hoppe et al. 2017). Das bedeutet, Beschäftigte brauchen Fertigkeiten und Strategien um dieses Wissen sinnvoll umzusetzen – ebenso wie Eigenverantwortung und Selbstfürsorge, auch nach der Arbeitszeit.
GEMEINSAM DURCH DIE KRISE: BESTMÖGLICHER GESUNDHEITSSCHUTZ WÄHREND DER PANDEMIE

Der Gesundheitsschutz der Beschäftigten war und ist für alle Betriebe, Unternehmen und Organisationen von Anfang an in dieser Corona-Ausnahmezeit von zentraler Bedeutung. Durch schnelles Reagieren, viel Flexibilität und sinnvolle Lösungen konnten die Arbeitgeber zusammen mit ihren Beschäftigten die Corona-Pandemie sehr gut meistern.

Neben dem Gesundheitsschutz ist es für die Unternehmen wesentlich, auch wieder „hochzufahren“, wieder wirtschaftlich arbeiten zu können und damit Arbeitsplätze zu sichern. Dabei wurden sie durch vielfältige Handlungshilfen bzw. Regelungen unterstützt, wie der SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard, die -regel und über 300 branchenspezifische Handlungshilfen der Unfallversicherungsträger.

Neutrale Forschungsinstitute wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAu-A) bestätigen den sehr guten Schutz und die effektive Umsetzung der Schutzmaßnahmen aus der Arbeitsschutzregel – für alle Betriebe und auch für konkrete Branchen (Stand Oktober 2020) • 98 % der Betriebe mit coronaspezifischen Arbeitsschutzregelungen haben die Geschäftsführung an deren Entwicklung und Umsetzung beteiligt. • Knapp 80% der Betriebe setzen spezielle Regelungen zum Arbeitsschutz in der Corona-Krise um, um die Beschäftigten bestmöglich vor Infektionen zu schützen. • Laut Bertelsmann-Stiftung geben 90 % der Befragten an, dass ihr Unternehmen Maß-nahmen ergriffen hat, damit Beschäftigte sich nicht infizieren.

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