Flexible Beschäftigungsformen

Chancen flexibler Beschäftigungsformen konsequent nutzen

Flexible Beschäftigungsformen wie Zeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse, Teilzeit und Minijobs haben entscheidend zum kräftigen Beschäftigungsaufbau der letzten Jahre beigetragen. Sie sind unverzichtbare Bausteine eines ausgewogenen Gesamtpaketes für mehr Arbeitsmarktdynamik insgesamt. Vielfach erleichtern sie den Einstieg in Arbeit und bieten neue Beschäftigungsperspektiven gerade auch für gering Qualifizierte und Langzeitarbeitslose.
Die Klage über den angeblichen Rückgang des so genannten „Normalarbeitsverhältnisses“ ist falsch. Sie verstellt darüber hinaus den Blick auf die in den letzten Jahren erzielten, herausragenden Erfolge am Arbeitsmarkt. Seit 2006 ist die Zahl der „Normalarbeitnehmer“ um über 2,7 Mio. gestiegen, die flexiblen Beschäftigungsverhältnisse sind hingegen um 40.000 zurückgegangen (Statistisches Bundesamt, 2016). Vor allem auch durch flexible Beschäftigungsformen haben im Konjunkturaufschwung nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise viele Menschen den schnellen (Wieder-) Einstieg in den Arbeitsmarkt geschafft, für die dies insbesondere wegen der überbordenden arbeitsrechtlichen Regulierung des „Normalarbeitsverhältnisses“ oft nicht möglich wäre. Die Deregulierung flexibler Erwerbsformen war eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass heute mehr Menschen in Deutschland einer Erwerbstätigkeit nachgehen als jemals zuvor. Allein die Zahl der sozialversichersicherungspflichtig Beschäftigten ist zwischen 2005 und 2015 um 4,5 Millionen gewachsen (BA, 2016). Im Jahr 2015 gingen mit über 43 Mio. mehr Menschen einer Erwerbstätigkeit nach als jemals zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Statistisches Bundesamt, 2016).

Übergänge zwischen den Erwerbsformen erleichtern

Flexible Beschäftigungsformen sind vor allem ein Ausdruck gestiegener Flexibilitätsanforderung in den Unternehmen. Das Ergebnis einer stärkeren Re-Regulierung wären nicht mehr „Normalarbeitsverhältnisse“, sondern weniger Beschäftigungschancen für alle. Flexible Erwerbsformen – allen voran die Zeitarbeit – erweisen sich vor allem auch für Personen, die es am Arbeitsmarkt schwer haben, oft als regelrechtes Sprungbrett in Beschäftigung: Im zweiten Halbjahr 2015 waren lt. Bundesagentur für Arbeit annähernd 70 Prozent der neu eingestellten Zeitarbeiter vorher ohne Beschäftigung, fast ein Viertel war vorher langzeitarbeitslos oder noch nie beschäftigt (BA, 2016). Zudem befriedigen flexible Erwerbsformen oft das Bedürfnis vieler Arbeitnehmer nach mehr Flexibilität. Dies gilt insbesondere für Teilzeitarbeit. Diese wird überdurchschnittlich oft von Frauen ausgeübt, für die ein Teilzeitjob wegen des fortbestehenden Mangels an bedarfsgerechten staatlichen Kinderbetreuungsmöglichkeiten oft die einzige Möglichkeit ist, Beruf und Familie zu vereinbaren. Letztlich muss es darum gehen, das „Normalarbeitsverhältnis“ den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und Übergänge zwischen den Erwerbsformen zu erleichtern. Zu Recht hat auch der Sachverständigenrat im Jahresgutachten 2015/2016 noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig flexible Beschäftigungsformen für die Beschäftigung sind und dass Einschränkungen von Zeitarbeit und Werkverträgen vermieden werden sollten. Daher ist bei dem nun vorliegenden Gesetzentwurf zur Änderung des AÜG entscheidend, dass dadurch die tarifvertraglichen Gestaltungsmöglichkeiten gewährleistet bleiben.

Flexible Erwerbsformen nicht als „atypisch“ stigmatisieren

Die Bezeichnung flexibler Beschäftigungsformen als „atypisch“ oder gar „prekär“ wird ihrem eigentlichen Charakter nicht gerecht – zumal es überhaupt keine allgemein anerkannte, einheitliche Definition gibt, was ein „Normalarbeitsverhältnis“ ist. Die hierzu in der Wissenschaft gewählten Abgrenzungen variieren. Überdies erfüllen vor allem Arbeitsverhältnisse in der Zeitarbeitsbranche die mit dem „Normalarbeitsverhältnis“ assoziierten Kriterien (unbefristet, sozialversicherungspflichtig, Vollzeit). Völlig abwegig ist die oftmals vollzogene Diffamierung flexibler Beschäftigungsformen als „prekär“, mit der der Eindruck erweckt werden soll, flexible Beschäftigungsformen würden grundsätzlich kein ausreichendes Einkommen ermöglichen. Dies ist aus verschiedenen Gründen ungerechtfertigt: Gerade befristete Beschäftigung oder Zeitarbeitsverhältnisse umfassen auch anspruchsvolle Tätigkeiten, die gut honoriert werden und die Beschäftigungsaussichten vieler Menschen verbessern. Für befristete Arbeitsverhältnisse gilt das Verbot der Schlechterstellung gegenüber unbefristet Beschäftigten. Bei Minijobs, die auf einen Monatslohn von 450 Euro begrenzt sind, oder auch bei einer Teilzeitbeschäftigung mit (oft frei gewählter) geringer Stundenzahl liegt es in der Natur der Sache, dass hiermit kein bedarfsdeckendes Arbeitseinkommen erreicht werden kann. Personen, die ausschließlich geringfügig beschäftigt sind, haben häufig weitere Einkommensquellen oder sind nicht auf eine Tätigkeit am ersten Arbeitsmarkt bedacht: Über 40 Prozent der Minijobber sind Schüler, Studenten und Rentner. Über 35 Prozent sind Hausfrauen- und männer, die mit ihrem Minijob das Einkommen des Partners ergänzen (Statistisches Bundesamt, 2013). Neben den Tarifverträgen der Zeitarbeitsbranche, die auf nahezu 100 Prozent der Arbeitsverhältnisse in der Zeitarbeit Anwendung finden, existieren inzwischen in zwölf Branchen Zuschlagstarifverträge, die eine angemessene Vergütung sichern. Die Lohnuntergrenze nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz stabilisiert zusätzlich die gesamte Branche.
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