Fachkräftesicherung

Fachkräfteengpässe vermeiden – Qualifizierten Nachwuchs sichern

Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft hängt entscheidend von gut qualifizierten Fachkräften ab. Umso bedenklicher ist, dass Fachkräfteengpässe inzwischen kein konjunkturelles, sondern größtenteils ein strukturelles Problem sind.
Bereits jetzt bestehen in zahlreichen Branchen und Regionen Fachkräfteengpässe, insbesondere in Pflegeberufen oder im sog. MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Im MINT-Bereich fehlten im April 2017 knapp 240.000 Fachkräfte – 38,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei entfallen fast zwei Drittel der Lücke auf fehlende Fachkräfte mit Berufs- oder Meister- bzw. Technikerabschluss. Die Situation wird sich künftig weiter verschärfen, weil die Zahl der Absolventen von MINT-Ausbildungsberufen jährlich um ca. 100.000 unter dem Ersatzbedarf liegen wird (IW, 2017).

Demografischer Trend verschärft Fachkräfteengpässe

Die Bevölkerung in Deutschland und damit vor allem auch die Zahl der potenziellen Erwerbspersonen schrumpft und altert in den nächsten Jahren zunehmend. An diesem Trend ändern auch die aktuell vergleichsweise hohen Zuwanderungszahlen nichts Grundsätzliches. Bis 2030 könnte die Zahl der Menschen im Alter von 20 bis 65 Jahre um knapp 6 Millionen bzw. fast ein Sechstel auf unter 44 Millionen abnehmen. Der Altenquotient, der das Verhältnis der Zahl der über 65-Jährigen zur Zahl der 20- bis 65-Jährigen beschreibt, wird sich voraussichtlich deutlich verschieben – von heute noch eins zu drei auf eins zu zwei im Jahr 2030. Das heißt auf einen über 65-Jährigen kämen dann nur noch zwei Personen im erwerbsfähigen Alter (Statistisches Bundesamt, 2015).

Mit einem insgesamt sinkenden und alternden Arbeitskräftepotenzial werden sich die bereits heute erkennbaren strukturellen Fachkräfteengpässe weiter verschärfen. Bis 2035 könnten knapp vier Millionen Arbeitskräfte fehlen – knapp die Hälfte davon mit Hochschulabschluss (Prognos, 2015). Die demografische Entwicklung hat auch für die sozialen Sicherungssysteme gravierende Folgen. Dies gilt insbesondere für die gesetzliche Rentenversicherung und die Pflegeversicherung: Die Zahl der Beitragszahler sinkt und gleichzeitig nimmt die Zahl der Leistungsempfänger zu. Damit wird der Druck steigen, Strukturreformen in den Sozialversicherungszweigen auf den Weg zu bringen. Diese sind unabdingbar, auch um einen kräftigen beschäftigungsfeindlichen Anstieg der Lohnzusatzkosten zu vermeiden.

Inländische Ressourcen optimal nutzen, qualifizierte Zuwanderung erleichtern

Die Sicherung eines hinreichenden Fachkräfteangebots ist eine der Schlüsselaufgaben zur Sicherung des Wohlstandes in Deutschland. Notwendig auch zur mittel- bis langfristigen Fachkräftesicherung ist eine schlüssige und ausgewogene Gesamtstrategie, die die Erschließung aller inländischen Potenziale und die Gewinnung qualifizierter ausländischer Fachkräfte umfassen muss.

Nachhaltige Aus- und Weiterbildungsaktivitäten sind dabei nach wie vor die wichtigsten Eckpfeiler. Die Arbeitgeber sind sich ihrer Verantwortung bewusst und engagieren sich in vielfältigen Qualifizierungsinitiativen über das gesamte Bildungsspektrum hinweg. In die betriebliche Aus- und Weiterbildung investieren die Unternehmen in Deutschland schon jetzt weit über 50 Milliarden Euro pro Jahr. Versäumnisse im Bildungssystem, die eine der Hauptursachen für die Entstehung von Fachkräfteengpässen sind, können aber nicht durch betriebliches Engagement ausgeglichen werden. Notwendig sind daher unbedingt nachhaltige Reformen für Qualitätsverbesserungen im gesamten Bildungssystem – beginnend bei der frühkindlichen Bildung über die allgemeinbildenden Schulen bis hin zu den Hochschulen.

Zudem müssen alle inländischen Arbeitsmarktpotenziale vor allem von Frauen, Älteren und Menschen mit Behinderungen sowie von Erwerbspersonen mit Migrationshintergrund bestmöglich erschlossen werden. Darüber hinaus muss es durch eine Beschleunigung von Ausgleichsprozessen am Arbeitsmarkt – vor allem durch eine bessere Vermittlung, Aktivierung und gezielte Förderung von Arbeitslosen – gelingen, Stellenbesetzungszeiten deutlich zu verkürzen und Langzeitarbeitslosigkeit weiter abzubauen. Unverzichtbar bleibt überdies die parallele, gezielte Zuwanderung qualifizierter ausländischer Fachkräfte.
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN